Furvus - Deflorescens Iam Robur

Review

Furvus ist eines von zwei Projekten des auf dem Backcover furchtbar düster dreinschauenden Luigi M. Mennella, zweifellos italienischer Abstammung, die diesen Monat in CD-Format auf meinem Schreibtisch gelandet sind. Dieser Zeitgenosse hat sich laut Labelinfo vor Furvus mit einigen anderen Bands, Dichtung, Schriftstellerei, Photographie, Malerei usw. beschäftigt und kann zu allem Überfluß noch auf eine klassische Klavier- und Gesangsausbildung zurückblicken. Angesichts dessen, daß „Deflorescens Iam Robur“ in vier „Bücher“ mit insgesamt 20 „Kapiteln“ unterteilt ist, klingt das alles natürlich höchst vielversprechend. Was sich dem Namen nach wie eine Verdauungsstörung anhört, entpuppt sich allerdings als recht langatmiger, um nicht zu sagen langweiliger Dark Wave mit sporadischen Neofolk-Einschlägen. Das „Liber Primus“ glänzt dann auch gleich mit Zeitlupen-Zwei-Finger-Casio-Synthies, während Luigi beschwörend auf den Zuhörer einredet und dabei klingt wie ein besoffener Priester aus „Der Name der Rose“. Die obligatorischen Zutaten wie die bedrohlich läutenden Kirchenglocken, der schreiende Rabe und lautes Wehklagen dürfen bei diesem Fehlstart natürlich auch nicht fehlen, und schon hat es dieser unglaublich vielseitige Künstler in nur 15 Minuten geschafft, alle denkbaren Klischees zu bedienen. In „Liber Secundus“ besinnen sich Furvus dann etwas mehr auf Musik, Gesang und Chöre, und schon hört sich vieles besser an, nicht unbedingt gut, aber besser. Ein richtiger Höhepunkt ist Stück Nr.10 (also Buch 2, Kapitel 5), in dem akustische Gitarren und mehrstimmiger Gesang einen Hauch von „Kveldssanger“ andeuten. Hier, und leider nur hier, wird so etwas wie Atmosphäre vermittelt und nicht alles von einem allumfassenden Drang nach akustischem Kitsch zerstört. „Liber Tertius“ und „Liber Quartus“ hinterlassen einen ebenfalls zwiespältigen Eindruck: Zwar werden die Synthesizer-Klänge nun endlich variiert und das Palaver mehrheitlich von Tenor-artigen Gesang und Chören ersetzt, was die Stücke schließlich abwechslungsreicher erscheinen läßt, Atmosphäre oder Mystik sucht man jedoch vergebens, weshalb „Deflorescens Iam Robur“ nicht wirklich empfehlenswert ist.

18.05.2001

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