Grave Digger - The Reaper

Review

Beim Namen GRAVE DIGGER denken Metalfans an eine Band, die bereits seit den 80ern kontinuierlich Platten veröffentlicht. Ende der 80er Jahre wären GRAVE DIGGER beinah verschwunden. Das DIGGER-Album „Stronger Than Ever“ orientiert sich 1986 am angesagten Hair Metal und ist weit entfernt von „Witch Hunter“ oder „Heavy Metal Breakdown“. Über das zwischenzeitliche Projekt HAWAII finden die Ruhrpott-Metaller zurück zur alten Stärke. Wer sich für die Details interessiert, sei auf das Interview mit Chris Boltendahl zum 45. Bandjubiläum verwiesen. Im November 1993 steht „The Reaper“ in den Plattenläden. GRAVE DIGGER haben in der circa siebenjährigen Schaffenspause einen kräftigen Entwicklungsschub genommen und melden sich düster und vielfältig via Gun Records zurück.

„The Reaper“ präsentiert eine gereifte Band

Der Weg zu „The Reaper“ ist in den frühen 90ern steinig. Die Demo „Return Of The Reaper“ und eine Promo EP, die sich passend „For Promotion Only! !“ nennt, sind die Wegweiser zu „The Reaper“ und beinhalten bereits große Teile der Platte. Aufgenommen wurde die fünfte Studio-LP in den bekannten Karo Studios in Hamburg, wo unter anderem der spätere Mastermind von IRON SAVIOR, Piet Sielck, mit Hand anlegt und bei „And The Devil Plays Piano“, „Tribute To Death“ und „The Madness Continues“ Gitarre oder Keyboard beisteuert.

Nach dem Intro legen GRAVE DIGGER den Temposchalter nach oben. „The Reaper“ kommt genauso aus den Boxen, wie es der Titel ankündigt. Düster und nach vorne preschend setzen GRAVE DIGGER gleich zum Einstieg ein klares metallisches Statement. „Ride On“ ist immer noch schnell, aber auch mit einem eingängigen Refrain ausgestattet und weniger dunkel als sein Vorgänger.

Den Entwicklungsprozess von GRAVE DIGGER zeigt „Shadows Of A Moonless Night“, der düster durch die Botanik stampft und einer der hervorstechenden Tracks auf „The Reaper“ ist. Chris Boltendahl liefert seinen bekannten rauen und kreischenden Gesang, der bereits in den 80ern und 90ern nicht nur für Beifallsstürme sorgt. Die Vocals waren, sind und bleiben das Merkmal von GRAVE DIGGER.

„Play Your Game (And Kill)“ mixt Tempo, Spielwitz der Saitenfraktion und Eingängigkeit, „Wedding Day“ zeigt die gewonnene Vielfältigkeit. Balladesk, aber auch stampfend, dazu mit einem starken Refrain und irgendwo zwischen der NWoBHM, JUDAS PRIEST der 90er Jahre und Hard Rock liefern GRAVE DIGGER ein weiteres starkes Argument. Der Tempobolzer „Spy Of Mas’On“ beendet die A-Seite und GRAVE DIGGER melden sich beeindruckend zurück.

„Legion of the Lost (Part II)“ überragt

Eines der bekannten Stücke, das auch heute noch in der Setlist von GRAVE DIGGER auftaucht, ist „Under My Flag“, der die Headbanger 1993 vollkommen abholt und den Vibe der 80er Jahre aufleben lässt. Das speedige „Fight The Fight“ ist das Vorspiel für das Dach der Platte. „Legion Of The Lost (Part II)“ mit einer mehr als sechsminütigen Laufzeit atmet Heavy Metal. Düster, mit einem intensiven Spannungsbogen und einer gewissen Theatralik, erinnern Boltendahl und Co. fast an KING DIAMOND oder MERCYFUL FATE und zeigen ihr zukünftiges Potential. Wer sich fragt, wo der erste Teil von „Legion Of The Lost“ zu finden ist, der wird auf dem Debüt „Heavy Metal Breakdown“ fündig.

Das nachfolgende „And The Devil Plays Piano“ dockt an „Legion Of The Lost (Part II)“ an. Die Herren bleiben dunkel und abwechslungsreich, können aber nicht ganz so mitreißen, wie mit dem Vorgänger. Das Finale läutet „Ruler Mr. H“ ein, der mit schwarzen Wolken um die Ecke kommt, sich im weiteren Verlauf aber als lupenreiner Banger zeigt und klassisches GRAVE-DIGGER-Material darstellt. Ein instrumentales Outro rundet die LP ab.

GRAVE DIGGER sind „Stronger Than Ever”

Vor sieben Jahren angekündigt, nun endlich umgesetzt. GRAVE DIGGER und „The Reaper” sind stärker als jemals zuvor, wobei die 80er-Jahre Enthusiasten „Heavy Metal Breakdown“ und „Witch Hunter“ verteidigen werden. „The Reaper“ zeigt eine gereifte Band mit starkem Songwriting und anderen Ideen als zum Karrierestart. Nicht alle Stücke sind überragend. Mit Sachen wie „Legion Of The Lost (Part II)“, „Under My Flag“ oder „Shadows Of A Moonless Night“ gibt es aber genügend hervorstechendes Material, die „The Reaper“ nicht nur bezüglich des Wendepunkts in der Geschichte von GRAVE DIGGER zu einer der wichtigsten Veröffentlichungen werden lässt. Weitere Hochkaräter folgen in den 90ern mit „Heart Of Darkness“ und „Tunes Of War“.

Ein Kassenschlager ist „The Reaper“ aber nicht. 1993 ist nicht die Zeit des Heavy Metal. Die Top-Seller kommen von NIRVARNA mit „In Utero“, PEARL JAM und „Vs.“ oder MEAT LOAF mit seiner Fortsetzungsstory und „Bat Out Of Hell: Back Into Hell“.

04.03.2026

Ein Leben ohne Musik ist möglich, jedoch sinnlos

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