Grave Digger - Pray

Review

Galerie mit 20 Bildern: Grave Digger - Rockharz 2017

Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen beten, sei es, dass das Gebet Anbetung, Dank und Bitte oder Fürbitte beinhaltet oder der Betende in Kontakt mit einer Gottheit treten möchte. Nun, ich möchte nicht zuviel spekulieren, aber im Fall der deutschen Metal-Institution GRAVE DIGGER dürften andere Gründe als der Kontakt zu höheren Mächten dafür gesorgt haben, warum die neue EP „Pray“ wieder deutlich überzeugender ist als die letzten Releases. Ein kurzer Rückblick: Vor gut zwei Jahren veröffentlichten GRAVE DIGGER mit „Liberty Or Death“ ein Album, das letztlich nur noch ein müder Aufguss alter Heldentaten war und keinesfalls überzeugen konnte. Seitdem hat sich einiges getan im Camp der True-Metal-Kämpen: Mit Thilo Hermann haben die Totengräber nicht nur einen zweiten Lead-Gitarristen in ihre Reihen aufgenommen, sondern sich schlicht und einfach auf das konzentriert, was sie am besten können: Metalsongs schreiben mit einfachen Riffs, melodiösen Hooks und eingängigen Refrains.

Und so beginnt „Pray“ mit dem gleichnamigen Track, der nicht nur ausgesprochen melodiös daherkommt, sondern durch seinen Mitgrölrefrain live eine sichere Bank sein dürfte. Allerdings nutzt sich das Eingangsriff nach einiger Zeit etwas ab. Danach folgt mit „Overkill“ ein Cover des MOTÖRHEAD-Klassikers, der in der Neuinterpretation erfreulich nah am Original bleibt. Schlagzeuger Stefan Arnold gibt zwar einen flotten Doublebass-Takt vor, aber Chris Boltendahl verzichtet diesmal auf seinen markanten Gesang und presst seine Stimme ganz Lemmy-like. Die beiden übrigen Stücke „My Blood Will Live Forever“ und „When The Sun Goes Down“ sind zwei typische GRAVE DIGGER-Tracks, die es wahlweise nicht auf das kommende Album „Ballads Of A Hangman“ geschafft haben oder aber für die vorliegende EP aufgespart wurden. Egal, wie man es sehen will, die beiden Stücke sind mehr als passabel. „My Blood Will Live Forever“ beginnt mit einem einfachen wie effektiven Riff, und der eingängige Chorus wird durch eine logische Bridge eingeleitet. Metal aus dem Lehrbuch, ohne dabei angestaubt zu wirken. Und natürlich packt Chris Boltendahl hier seinen markanten Knödelgesang aus. „When The Sun Goes Down“ steht dem nur unwesentlich nach, und ist durch seinen stampfenden Rhythmus ein veritabler Banger.

Ob „Pray“ nun „ein Pflichtkauf für den traditionsbewussten Headbanger“ ist, wie es im Infosheet steht, möchte ich mal offen lassen. Fest steht aber, dass GRAVE DIGGER wieder in die Spur zurückgefunden haben. Die zwei unveröffentlichten Stücke und die Coverversion gehen jedenfalls in Ordnung. Wieviel Geld Ihr aber bereit seid dafür auszugeben, müsst Ihr… na, Ihr wisst schon.

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21.11.2008

- Dreaming in Red -

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