Grave Pleasures - Motherblood

Review

Galerie mit 21 Bildern: Crowbar & Converge - live in Leipzig

„By My Hiroshima“, „Joy Through Death“, „Haunted Afterlife“ sind nur die funkelnden Lyrik-Diamanten in einer Tracklist, die keine, aber auch wirklich gar keine Weltschmerz-Metapher auslässt. Zum Glück weiß man in Finnland, Hommage, Selbstironie und künstlerische Integrität ganz wunderbar zu vereinen – weshalb „Motherblood“, der frischste Auswurf der Herren von GRAVE PLEASURES, ein apokalyptischer Spaß hätte werden können. Dass er das nicht auf voller Länge geworden ist, hat mehrere Gründe, die es hier zu erörtern gilt.

Das Anfangsniveau wird nicht ganz gehalten

Zunächst: „Motherblood“ verspricht zum Anfang zu viel, was es später nicht halten kann – fängt stark an und lässt nicht stark, aber mindestens konstant auch wieder nach. Der Opener „Infatuation Overkill“ ist unzweifelhaft der beste Song der Platte. Hier stimmt alles. Ein Intro-Riff aus der Horror-Garage, ein verheißungsvoller Vers, Spannungsaufbau im Pre-Chorus und ein inbrünstig vorgetragener Refrain, der für hartnäckigste Ohrwürmer sorgt. „Doomsday Rainbows“ gibt sich, dem Thema angemessen, zunächst etwas psychedelischer – nur um im Refrain dann ebenfalls einen sehr soliden, eingängigen Gesangs(regen)bogen zu zaubern. Gleiches Spiel bei „Be My Hiroshima“. In den Versen auf eine treibende Bassline und einige verhallende Gitarrentöne reduziert, explodiert das Ding verlässlich im Chorus und man wünscht sich eine Merch-Kollektion mit Titelzeile und Atompilz.

Und nach diesem packenden Starter-Trio stagnieren GRAVE PLEASURES dann leider etwas. Der gut abgehangenen Post-Punk-Mischung mit deutlichen Anleihen bei THE SMITHS, THE CURE, H.I.M., gesanglich mal ein bisschen GHOST und mal ein bisschen TYPE O NEGATIVE, fehlt es plötzlich an einprägsamen Momenten. Ähnlich große Refrains wie zu Anfang wollen nicht mehr gelingen und das kaum variierte Tempo tut sein übriges, die Songs mit zunehmender Spielzeit ineinander verschwimmen zu lassen.

Und fehlt es dem Ohr erst einmal an musikalischen Anhaltspunkten, rücken die Texte in den Vordergrund. Diese sind auf „Motherblood“ zwar schön verrucht betont und gruftverhallt eingesungen – die ganz große Lyrik kommt dabei trotzdem nicht immer rum („Mind Intruder“ et al.).

GRAVE PLEASURES sind natürlich unheimlich stilsicher

Ansonsten sind GRAVE PLEASURES natürlich unheimlich stilsicher. Jedem Bandmitglied scheint zu jeder Zeit völlig klar zu sein, wo es hingehen soll. Das Albumcover allein ist Perfektion. Und natürlich gibt es mehr als nur drei gute Songs auf „Motherblood“ („Deadenders“, „Haunted Afterlife“ seien hier genannt). Von Totalausfällen ist man ebenfalls weit entfernt. Die hohen Erwartungen entpuppen sich einmal mehr als Fluch für GRAVE PLEASURES/BEASTMILK. Aber wer lockt jene, die die Grabesgelüste zelebrieren, schon mit Flüchen aus der Gruft hervor?

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22.09.2017

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4 Kommentare zu Grave Pleasures - Motherblood

  1. Gregorius sagt:

    „…der frischste Auswurf der Herren und der Dame…“… ähm, Linnea Olsson ist schon länger nicht mehr dabei 😉

  2. Tobias Kreutzer sagt:

    Ist korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis!

  3. Dennis Kautz sagt:

    Fantastisches Album. Die Melodien sind sehr zeitlos und der Gesang macht spaß beim zuhören. Hätte nicht gedacht, dass es mir so gut gefällt ???

    9/10
    1. Gregorius sagt:

      Wirklich geiles Teil. Ein Album, das sich mit zunehmenden Rotationen erschließt. Spannend auch für mich, dass ich das sperrigste Stück „Atomic Christ“ am besten finde. Gelungenes Album und endlich ein würdiger Beastmilk-Nachfolger.
      Das GP Debüt find ich auch gut, nur nicht gaaanz so mitreißend wie „Motherblood“.

      8/10