Grave Pleasures - Dreamcrash

Review

Galerie mit 17 Bildern: Grave Pleasures - Amerikkant Tour 2018

Es gab im Vorfeld des neuen Albums aus dem Hause GRAVE PLEASURES (ex-BEASTMILK) zwei riesige Fragezeichen, die vermutlich jedem Anhänger der Vorgänger „Use Your Deluge“ und „Climax“ in den Augen standen. Erstens (in erster Linie der Angst vor Anbiederung und „Kommerz“ geschuldet): Wird sich der Wechsel von Svart Records zu Columbia / Sony auf die Musik der in Finnland ansässigen Band auswirken – und falls ja, wie? Zweitens (aus musikalischer Hinsicht wesentlich berechtigter): Welche Auswirkungen haben die Trennung von Gitarrist Goatspeed und der Einstieg seiner Nachfolgerin Linnéa Olsson auf die Musik der Grabesgelüste? Glücklicherweise lösen sich – zumindest bei mir – beide Fragezeichen in Wohlgefallen auf; auch wenn sich über die konkreten Antworten sicherlich streiten lässt.

Fangen wir beim ersten Fragezeichen an: Ein wesentlicher Faktor für den (Überraschungs-[?])Erfolg, den die noch unter dem Namen BEASTMILK firmierende Band um Mat „Kvohst“ McNerney (ex-CODE, ex-DHG, HEXVESSEL) mit den oben genannten Veröffentlichungen erzielen konnte, war die kaum zu leugnende Eingängigkeit der präsentierten Musik, kombiniert mit einer künstlerischen „Frische“, die für viele nur schwer mit der musikalischen Retrospektive auf einen Nenner zu bringen war. Dass BEASTMILKs Musik von Anfang an auch unter der Oberfläche auf hohem Qualitätsniveau agierte und aus dieser Tiefe ihre Ecken und Kanten – so subtil sie auch sein mochten – zu Tage förderte, war ohne Zweifel ein wesentlicher Grund für die haltbare Begeisterung, die „Use Your Deluge“ und „Climax“ entgegengebracht wurde. Unter diesem Gesichtspunkt ist „Dreamcrash“ der logische Nachfolger – GRAVE PLEASURES haben weder an Eingängigkeit noch an musikalischer Tiefe eingebüßt, sie knüpfen beeindruckend nahtlos an „Climax“ an und präsentieren in einer knappen Dreiviertelstunde ihre gesamte musikalische Bandbreite mit allen Trademarks.

Das bringt mich zum zweiten Fragezeichen: Linnéa Olsson tritt geradezu meisterhaft in die Fußstapfen Goatspeeds – auf der einen Seite kann man GRAVE PLEASURES nun dazu gratulieren, mit der gefundenen Nachfolgerin so großes musikalisches Glück zu haben; auf der anderern Seite drängt sich natürlich das Gefühl auf, dass Olsson in der Bemühung um stilistische Konsequenz Authentizität und Integrität verlustig geht. Ich persönlich – Kvohst-Fanboy erster Güte – tendiere dazu, den Geschmack, das atmosphärische Gespür und den Einfluss des charimatischen Sängers als wesentlichen Faktor der musikalischen Kongruenz beider „Schaffensphasen“ GRAVE PLEASURES‘ zu sehen, auch wenn ich damit den anderen Band-Mitgliedern und vor allem Linnéa Olsson Unrecht tue.

Letztendlich spielt es aber keine Rolle, warum genau GRAVE PLEASURES auf „Dreamcrash“ so beeindruckend souverän fortsetzen, was sie mit „Use Your Deluge“ und „Climax“ begonnen haben – auch wenn der Überraschungs-Effekt verfolgen ist -; die elf Songs bieten erneut eingängigen, aber musikalisch gehaltvollen und vor allem haltbaren Postpunk, der sich außerdem durch atmosphärische Dichte und Authentizität auszeichnet. Nein, GRAVE PLEASURES sind definitiv keine Eintagsfliege.

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28.08.2015

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4 Kommentare zu Grave Pleasures - Dreamcrash

  1. Andreas sagt:

    Beastmilk fand ich toll, aber der verlinkte Track ist echt übel. Wenn der Rest der Scheibe ähnlich spannend ist, na dann Gute Nacht.

  2. Falk sagt:

    Es ist – wie schon auf „Climax“ – nicht ganz leicht, auf „Dreamcrash“ so etwas wie repräsentative Songs auszumachen. Ich persönlich finde „Crying Wolves“ (und auch die anderen eher ruhigen Songs wie „Crisis“, „Girl In A Vortex“ oder „Crooked Vein“) sehr gelungen – vielleicht ist „New Hip Moon“ eher nach deinem Geschmack!?

    https://www.youtube.com/watch?v=bBvmVtzThDg

  3. Hm Hm Hm sagt:

    Die Musik selbst ist spitze. Die Gesangslinien sind allerdings total schwach. Kein Hitpotential („Climax“ ist da um Welten besser aufgestellt) erkennbar, auch nach mehrmaligem Hören der Tracks nicht. Da ist nichts was im Ohr hängen bleibt. Und das übertriebene Geheule wurde auch mehr. Wenn die ganze Platte so ist dann gehen Grave Pleasures zu den Akten. sehr schade

  4. Mimi sagt:

    Das Album ist so unglaublich schwach gegen die Beastmilk Platte. Klingt so richtig nach dem was es ist: Ein Schnellschuss. Kann man ja diversen Interviews entnehmen, dass sie nicht genug Zeit bei den Aufnahmen hatten um die Lieder auszufeilen. Echt schade. 5/10