Helfró - Helfró

Review

Isländischer Black Metal hat sich zu einer Art Prädikat entwickelt. Immerhin eroberten MISÞYRMING mit ihrer letzten Platte „Algleymi“ die Herzen der Redaktion und konnten sich so die Pole Position in unserer Jahresbestenliste 2019 sichern. Nun stürmen HELFRÓ mit ihrem selbstbetitelten Debüt in den Ring um die Fahne isländischer Schwarzkunst weiterhin eifrig hoch zu halten. Wie nicht anders zu erwarten bei einer Band aus der isländischen Metal-Szene mischen auch die beiden hiesigen Herren munter in diversen anderen Bands mit. Beide sind in der Tech-Death-Combo OPHIDIAN I aktiv, Schlagzeuger Ragnar Sverrisson war zudem unter anderem auch mal im (Live-)Lineup von SVARTIDAUƉI zugegen.

Ein (nicht ganz so) neues Exponat der isländischen Black-Metal-Szene

Das Album ist im Grunde nicht neu. Die Band hat dieses bereits 2018 in Eigenregie veröffentlicht, bevor sie einen Deal beim Season Of Mist-Sublabel Underground Activists ergattern konnte. Dort wird das Album sowohl digital als auch physisch neu veröffentlicht, während die Trackliste um das nun als Opener fungierende Stück „Afeitrun“ erweitert worden ist. Hier hat das französische Label wieder enorme Geschmackssicherheit bewiesen, denn HELFRÓ liefern eine wahnsinnige Vorstellung ab, voller aggressiver und eiskalter Black-Metal-Attacken, die laut Presseinfo ein Ausdruck der endlosen, arktischen Finsternis sei. Typisch nordische Kälte halt.

Das isländische Duo setzt auf rasenden Furor mit heiseren Shrieks und Growls, dessen präzise, frigide und gelegentlich auch mit Hall unterfütterte Riffs sich wie Klingen durch die Luft säbeln. Synthesizer-Effekte findet man hier eher seltener, beispielsweise gegen Ende von „Hin Forboðna Alsæla“. Das, was an atmosphärischer Begleitung eingesetzt wird, besteht gern auch mal aus Chören, bei „Ávöxtur Af Rotnu Tré“ beispielsweise in Kombination mit Clean-Gesang. Doch das passiert selten genug auf dem Album, die Band ist zumeist im höheren, abrasiveren Härtegrad unterwegs und trümmert, was das Zeug hält. Gnade ist hier ein Fremdwort, aber die arktische Finsternis ist eben nichts für verweichlichte Schöngeister.

HELFRÓ attackieren mit frigider Raserei

Ragnar Sverrisson bedient die Schießbude wie ein Maschinengewehr, besonders eindrücklich in „Eldhjarta“ oder im Rausschmeißer „Musteri Agans“ nachzuhören. Doch auch die etwas langsameren Midtempo-Parts wie zu Beginn von „Ávöxtur Af Rotnu Tré“ oder bei „Þrátt Fyrir Brennandi Vilja“ kleidet er mit angriffslustigen Grooves aus. Simon Thorolfsson steuert indes kreischende, messerscharfe Riffs bei, die den technischen Charakter von OPHIDIAN I gelegentlich durchscheinen lassen, zum Beispiel zum Ende des eben erwähnten „Þrátt Fyrir Brennandi Vilja“. HELFRÓ bleiben jedoch stets fest im Black Metal verhaftet und lassen masturbative Angeberei zu keiner Zeit überhand nehmen.

Die große Kunst hierhinter ist, dass die Intensität des Sounds einfach zu keiner Zeit nachlässt. Das Duo feuert den Kessel ständig an und hält den Druck so konstant hoch. Das aggressive Liedgut zwingt sich seinen Hörern förmlich auf, was im ersten Moment fast ein bisschen überwältigend klingen kann. Tatsächlich drohen die Isländer auf den ersten Hör, über ihr Ziel hinaus zu schießen. Doch hier gilt der alte Werbespruch von Fisherman’s Friend: „Sind sie zu stark, bist du zu schwach“. Als Hörer muss man sich akklimatisieren, um mit HELFRÓ und diesem selbstbetitelten, eiskalten Wüterich zurecht zu kommen. Denn Gefangene werden hier keine gemacht.

„Sind sie zu stark, bist du zu schwach“

Als Ankerpunkte setzen die beiden immer wieder auf melancholische Melodien sowie zermürbende Midtempo-Passagen, die den vorherrschenden Härtegrad zu keiner Zeit abschwächen, aber für bitter nötige Abwechslung sorgen. Das verleiht dem Sound eine erfrischende Komplexität, die im großartigen „Hin Forboðna Alsæla“ gipfelt. Hier erregen vor allem der hymnische Gesangs-Part, der ein bisschen an Attila Csihars Clean-Gesang erinnert, sowie die abschließenden Riffkaskaden Aufmerksamkeit. Mit dem Rausschmeißer „Musteri Agans“ geben die beiden dann auch noch mal richtig Stoff und gönnen sich ein explosives Finale, das diese Platte definitiv verdient hat.

HELFRÓ haben hier definitiv keine leichte Kost geliefert, im Gegenteil: Das Debüt ist speziell für ungeübte Ohren sehr sperrig ausgefallen und überrollt diese förmlich. Zurückhaltung klingt definitiv anders. Das Duo geht voll in die Offensive, ohne jemals in chaotisches Lärmen auszuarten. Die Band hält diese Balance souverän, sicher auch dank der Tatsache, dass keiner der Songs länger als nötig geraten ist. Das Album bläst wie ein frostiger Orkan durch die Boxen und zieht eine beachtliche Furche durch den Acker, vor der man schon mal den Hut ziehen kann. Island bleibt also ein raues Pflaster, was musikalische Ergüsse angeht. Aber eben auch ein erkundenswertes.

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21.05.2020

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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