
Schon seit dem Jahr 2011 sind INTO DARKNESS im italienischen Underground ein Begriff. Einer Szene, die insbesondere im Black-Metal-Bereich häufig für Verschrobenheit und Projekte abseits der Norm steht. Mit der sich namenstechnisch der Dunkelheit verschriebenen Band, beschreitet Bandchefin, Frontfrau und Sängerin Doomed Warrior allerdings die Pfade rifforientierten Death Metals, fernab der bekannten Hochglanzrasereien der Marke HOUR OF PENANCE und Vergleichbarem. Stramme 15 Jahre nach der Gründung steht nun das Debüt-Full-Length ins Haus, das sich unter dem Titel „Route To The Outer Side“ konzeptionell der Erforschung unseres äußeren Sonnensystems und der Gasplaneten annimmt.
Doomed Warrior und die Gasplaneten
Genauso spannend wie das lyrische Thema ist dabei allerdings auch die musikalische Ausrichtung, denn INTO DARKNESS sehen sich ganz zentral und offenkundig vom holländischen Death Metal der Neunziger inspiriert. Auch wenn sich Genfragmente früher ASPHYX oder SINISTER in vielen zeitgenössischen Bands wiederfinden, sehen nur wenige Truppen die zweifellos erhabene niederländische Szene als zentralen Quell der eigenen Inspiration. Doomed Warriors Mitstreiter, die in Person von Alessandro Nail, Lorenzo Santini und Filippo Phantomlord allesamt bei THULSA DOOM, einem brillianten italienischen MORBID ANGEL-Schattenläufer, aktiv sind, machen Hoffnung, dass dieses Vorhaben unter einem guten Stern stehen könnte.
Und ja, „Jupiter“, das riesige mit tausend Rätseln gesäumte Gasmonstrum steht als Namenspate für eine Death-/Thrash-Prügelorgie, die sich gewaschen hat. Doomed Warrior versprüht den garstigen Timbre eines Martin Van Drunen und die Riffabteilung haut eine Gedenksternstunde an SINISTER, GOREFEST und PENTACLE heraus. Noch besser wirds dann im Nachfolger „Saturn“, der mit seiner deutlich epischeren Herangehensweise noch eine Prise DISSECTION mitbringt. Wie man als aufmerksamer Leser bis hierhin bereits feststellen wird: „Route To The Outer Side“ bringt praktisch einen ganzen Namedropping-Katalog mit.
Staubtrockene Hommage
Wer sich allerdings mit diesem Langspieler vertraut macht, wird feststellen, dass er nicht einfach wird, den Italienern das negativ auszulegen. Wie schon bei „A Fate Worse Than Death“ der „Nachbarband“ scheut sich auch dieses Quartett nicht, bereitwillig aus bereits Vorhandenem zu schöpfen. Das machen INTO DARKNESS allerdings so außerordentlich stark, dass einem dieses Album nur den Hut vom Helm fegen kann. Staubtrockene Hommage an das, was alle am Death Metal so lieben.

Patrick Olbrich


















Ich kenn keinen italienischen Black Metal, aber in Sachen Death Metal gibts wohl europaweit kein anderes Land, dass sone hohe Dichte an herausragenden und „speziellen“ Bands hat, wie Italien (Ad Nauseam, Bedsore, Cosmic Putrefaction, Vertebrae Atlantis…), so gesehen sind Into Darkness nur „eine unter vielen“. Und die gewohnte Qualität wird auch hier wieder geboten. Bockstarke Songs mit klasse Wechseln und Build-Ups. Hier mal Demolition Hammer, da mal Asphyx, dann wieder Slayer oder Autopsy und zwischendurch mal bisschen Dissection, Necrophobic oder frühe Naglfar. Dazu gibts ne topnotch Gesangsperformance, die nicht nur stimmlich holländisch anmutet, sondern insbesondere auch durch ihre rhythmische Phrasierung einen fantastischen Job macht. (Wer übrigens wirklich den ’89 „Consuming Impulse“ Van Drunen nochmal hören will, wartet auf die neue Miscreance. Auch Italiener.)
Schade ist nur, dass man am Low-End gespart hat und die Produktion fast unangenehm höhenlastig ausgestaltet hat, weshalb es fast unmöglich ist Songs nicht im Albumkontext mit eingergehender Gewöhnung zu hören. Dabei sind da echt Hits (Plural!) dabei. Und dem lyrischen Ansatz (wer auch immer den braucht) mit der Sci-Fi-Thematik wird musikalisch null Rechnung getragen. .44 Kaliber Gehirnoperationen würden sich da meines Erachtens besser eignen. Unterm Strich ein brutal gutes Debut, das (nach meinem Empfinden) leider etwas zu sehr am Sound krankt, aber die Band gehört absolut auf jede DM-Watchlist.