Kadaverficker - Kaos Nekros Kosmos

Review

Man kennt das: Eine neue Vinyl-Bestellung ist fällig, aber irgendwie ist nach Hinzufügen der Wunsch-Scheiben noch etwas Platz im Warenkorb. Das Stöbern beginnt, und eine recht günstige Platte wandert mit hinein, auch wenn sie eigentlich nicht so unbedingt in die eigene Komfortzone passt, aber zumindest Spaß verspricht. So geschehen mit dem, bereits im August erschienenen, aktuellen Album der Enfant terribles der NRW Death-Metal-Szene KADAVERFICKER, das auf den vergleichsweise mysteriösen Namen „Kaos Nekros Kosmos“ hört. Also fix Konfetti und Klopapierrollen gezückt, auch wenn Corona-bedingt nur das heimische Wohnzimmer verwüstet werden kann.

„Kaos Nekros Kosmos“ – Gute Musik aus unerwarteter Richtung

Nicht zuletzt dank der schön asozialen sehr unterhaltsamen YouTube-Videos des Goreministers dürften die FICKER spätestens jetzt auch weit außerhalb des Potts einen erheblichen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Die Erwartungen an solch eine Scheibe sind nicht allzu hoch angesetzt, angesichts bisheriger Großtaten wie „Bis Hier Hin Und Dicht Weiter“, „Infernopommes“ oder dem allseits beliebten Evergreen „Dortmund asozial“. Es geschehen aber noch Zeichen und Wunder, denn manchmal kommt gute Musik aus Richtungen, aus denen man sie am wenigsten erwartet.

Denn wer eine bloße Ansammlung von Saufi-Saufi-Hits, durchsetzt mit grobschlächtigem Goregrind erwartet, der dürfte auf jeden Fall überrascht werden. Während die ersten drei bis vier Songs eher noch die Erwartungen bedienen, überrascht spätestens „Adronochrome Orgy“ nicht nur mit einem ordentlichen Seitenhieb auf Xavier Naidoo und seine QAnon-Bekloppten, sondern vor allem mit einer ziemlich coolen Gitarrenarbeit. Selbst eher alberne Songs wie „Only Furzen Is Real“ verfügen über verdammt eingängige Riffs. Sogar der Herr Minister, dessen Gegurgel sicher Geschmackssache bleibt, zeigt beispielsweise in der GHOST-Hommage „Deus Ex Sathanas“, dass er nicht mal ein all zu schlechter Sänger ist.

Was aber „Kaos Nekros Kosmos“ wirklich interessant macht, ist die enorme Stilvielfalt. Egal ob Black Metal, vermutlich eingebracht durch den nebenbei auch in BM-Bands zockenden Bassisten Major Maggotfeeder, Death Doom, klassischen Death Metal oder sogar Thrash/Speed Metal („Call Of Duty Free“) – KADAVERFICKER vergreifen sich an allem, ohne dass es peinlich wird. Selbst der BEHERIT-Klassiker „Sadomatic Rites“ wurde stilvoll in Szene gesetzt. Respekt!

Können, wenn sie wollen – KADAVERFICKER

Klar, „Kaos Nekros Kosmos“ ist kein Jahrhundertwerk, aber KADAVERFICKER gelingt hier eine erstaunlich abwechslungsreiche, kurzweilige Platte. Natürlich profitiert man auch von diversen Gastbeiträgen – allen voran seien hier die Soli von SLAUGHTERDAY-Gitarrist Jens erwähnt, der das Material noch einmal deutlich aufwertet. Mit dem extrem gelungenen doomigen Titeltrack, der mit einer für Grindcore- bzw. Nekrocore-Verhältnisse geradezu unfassbaren Spielzeit von über acht Minuten (!!!) aufwartet, beweisen die Dortmunder aber, dass sie auch ohne fremde Hilfe zu einigem imstande sind.

Wer kein Problem mit dem Asi-Charme der FICKER hat, auch über Albernheiten à la „Bier Sind Dein Gott“ lachen kann und ansonsten mit allen Spielarten des Death Metal durchaus etwas anfangen kann, dem sei diese Platte definitiv an’s Herz gelegt. Und egal ob der Goreminister und seine Mannen jetzt auch für die Zukunft planen, richtig Musik zu machen – mit „Kaos Nekros Kosmos“ haben sie in jedem Fall bewiesen, dass sie keine bloße Spaßkapelle sind und durchaus können, wenn sie wollen. Also bleibt mir nur noch, mit den Worten des großen Meisters abzuschließen: „Ping, Ihr Fotzen!“

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26.11.2020

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