1


Die Grande Dame des europäischen Speed Metals ist seit einigen Jahren wieder aktiv, nunmehr allerdings unter dem Banner KATE’S ACID. Keine echte Reunion von ACID also, stattdessen führt die Sängerin Kate De Lombaert ihre Version der Band.
Es war einmal…
…vor langer Zeit, genauer 1980, da formierten sich in Brügge in Belgien ursprünglich PRECIOUS PAGE, aus welchen ACID wurde. Mit den ersten beiden Alben, dem rauen, kompromisslosen „Acid“ (1983) und „Maniac“ (ebenfalls 1983) konnten die Belgier erste Erfolge erzielen und galten damals als eine der ersten Speed-Metal-Bands Europas. Mit „Engine Beast“ erschien 1985 ein letztes Album, dass die Erwartungen nicht vollends erfüllte. Es kam, wie es so oft kommt. ACID werden zu Grabe getragen. Und gelten im true Underground als Kult. Und wie das eben bei so true Undergroundbands aus den Achtzigern ist, tauchen die alle irgendwann auf dem Keep It True auf. Zwischen Kate und Originalschlagzeuger Anvill herrschen Unstimmigkeiten bzgl. der Verwendung des Namens ACID. Nun also KATE’S ACID, unter diesem Banner erfolgte auch das 2024er Live-Album „Blowing Your Ears Off“.
Nun also KATE’S ACID
Teil des neuen Kapitels der Band sind neben Lombaert Gitarrist Geert Annys (OSTROGOTH), Bassist Camilo Ortega alias Thunder Screamer (AXE STEELER, INVOKER, OLD SKULL) und Schlagzeuger Ash. Nach über vierzig Jahren folgt nun, je nachdem, wie man es sieht, das vierte Album von ACID oder das Debütalbum vom KATE’S ACID in Form von „Hellbender“. Mit ihrem Old School Metal Ansatz knüpfen KATE’S ACID an ihre Vergangenheit an.
KATE’S ACID knüpfen an ihre Vergangenheit an
KATE’S ACID pendeln zwischen klassischem Heavy, Speed Metal und Hard Rock. Keine Thrash-Riffs, stattdessen knackiges Metal-Riffing und Leads, eingängige Refrains und die charismatische Stimme von Kate, die das wichtigste Bindeglied zu ACID darstellt.
Der Titelsong als Opener bietet puren Metal alter Schule zwischen Heavy und Speed. Der treibende Banger in der Schnittmenge von ACCEPT und JUDAS PRIEST überzeugt mit spielfreudigen Gitarren, organischem Schlagzeug und Kate ist bei guter Stimme. Das stampfende „Taking Back My Wings“ mit ordentlich durchdringendem Groove betont die rockige Seite von KATE’S ACID mit starkem Solo und leicht beschwörend wirkendem Gesang. Klassischen Speed Metal zeigt das schnelle „The Light Conductor“, melodisch flott und stilistisch wie in den Achtzigern, allerdings deutlich weniger wild als in der eigenen Vergangenheit. „Riding Out“ ist eine typische traditionelle Biker-Hymne mit rockiger Attitüde mit deftigem Groove. Die Songreihenfolge zeigt ein klares Muster – temporeiche Speed Granaten und stampfender Rocker wechseln sich ab.
Zwischen NWOBHM und frühen WARLOCK liegt „Do Not Burn The Witch“, während in „Valkyrie“ nach einem stimmigen Intro das Tempo mit treibendem Schlagzeug wieder ordentlich angezogen wird. Das lässig rockige „Buccaneers“ flirtet etwas mit MOTÖRHEADs „Deaf Forever“, kommt aber nicht an dessen Klasse ran. Das unauffällige „Stormchaser“ fällt leider ebenfalls ab.
Die Überraschung auf „Hellbender“ haben sich KATE’S ACID bis zum Schluss aufgehoben: „Air Raid“ ist eine emotionale, epische Ballade mit Kates bluesig-rauchiger Stimme, unerwartet auf einem ACID-Album.
Verglichen mit den Frühwerken tönen auf „Hellbender“ die Gitarren nicht mehr ganz so temporeich wie in den Achtzigern. Der traditionelle, kraftvolle Metal ist weniger räudig und wild und setzt nicht mehr so stark auf kompromisslosen Speed. Dafür bieten KATE’S ACID eine etwas größere Bandbreite und alles wirkt eine Spur aufgeräumter. Quasi die Erwachsenen-Version von ACID.
Erwachsenen-Version
KATE’S ACID haben geliefert. „Hellbender“ schafft die Verbindung zur eigenen Vergangenheit und ist doch gleichzeitig ein Stück weit anders. Ein gutklassiges Heavy-Metal-Album der guten alten Schule!

Kate'S Acid - Hellbender
Markus Endres



























Kommentare
Sag Deine Meinung!