Kerrigan - Wayfarer

Review

Soundcheck März 2026# 10 Galerie mit 19 Bildern: Kerrigan – Keep It True Rising IV 2024

Manche Underground-Bands sind offenbar echte Workaholics – die Freiburger Jungs hinter KERRIGAN aber ganz sicher. Nach dem Überraschungserfolg des Debütalbums „Bloodmoon“ ruhte man sich definitiv nicht auf den Lorbeeren aus, sondern veröffentlichte im Januar mal eben das beste Album der eigentlichen (Funeral-Doom-) Hauptband LONE WANDERER, der drei Viertel der KERRIGAN-Besetzung angehören. Als wäre das nicht genug, kommt mit „Wayfarer“ direkt der nächste Longplayer des „Heavy-Metal-Side-Projekts“ hinterher. Ob bei so viel Output nicht doch die Qualität leidet? Finden wir es heraus!

KERRIGAN – Die Flamme brennt weiter

Eines wird zumindest direkt mit den ersten Takten von „Torchbearer“ klar: Die Flamme des Old-School-Heavy-Metal brennt weiter. Allerdings prescht der Song nicht so ungestüm los, wie sein direkter Vorgänger „Eternal Fire“ auf „Bloodmoon“. Die meiste Zeit im oberen Mid-Tempo-Bereich angesiedelt, entwickeln sich gerade im Refrain reichlich Mitsing- und Fistraiser-Momente, obwohl die ganze Zeit eine deutlich auszumachende Melancholie mitschwingt. Ein Wegweiser für den Rest der Platte?

Letztlich ja, denn auch in „Asylum“ ist eine melancholische Grundstimmung weiterhin auszumachen, trotzdem sollte die Nummer auch die Liebhaber der schnellen Abfahrt wieder versöhnen, denn nicht nur das reine Tempo wird angezogen, auch das Energie-Level steigt deutlich an. Mit der Eishexe geht es dann in Richtung großer Fantasy-Epen, wobei KERRIGAN hier keinesfalls nach BLIND GUARDIAN klingen, sondern wie schon vorher an US-amerikanische Power-Metal-Kapellen erinnern. Natürlich kommen dem Hörer bei Jonas Webers leicht nasalem Gesang MANILLA ROAD mit dem unvergessenen Mark Shelton in den Sinn, allerdings verschreiben sich die Freiburger nicht unbedingt der reinen US-Metal-Lehre, wie beispielsweise die Kollegen von SUMERLANDS. Nein, hier ist immer auch eine NWOBHM-Kante inklusive des ein oder anderen Galoppel-Riffs vorhanden.

KERRIGAN sagen sich also quasi: Egal ob USA oder Europa, es geht einfach alles, was großartiger Traditionsstahl der frühen bis mittleren 80er ist, wobei die etwas traurigere Melodieführung dieses Mal ein wenig in Richtung Skandinavien schielt. Trotzdem: Keine Sorge, hohe Screams und schnelle, lockere Sommer-Nummern („Surrender“) sind immer noch vorhanden. Überhaupt gelingt hier etwas auf dem zweiten Album, was auch viel erfahrenere Bands nicht schaffen: Kein einziger Ausfall bei neun Songs und über 40 Minuten Spielzeit.

Auch wenn die Fünf- oder sogar Sechs-Minuten-Marke („Red Light Tower“) gerissen wird, wirkt alles knackig, schlüssig, songdienlich. Für unnötiges Füllmaterial ist keine Zeit, aber dadurch, dass sich nicht nur Drei-Minuten-Banger aneinander reihen, wirkt die Platte abwechslungsreich und wird vor allem auch nach mehreren Durchgängen nicht langweilig, wächst sogar noch. KERRIGAN zeigen mit ihrem zweiten Album deutlich, dass sie nicht eine der Bands sind, die man live irgendwie geil findet und dann am nächsten Tag, wenn die auf der Show gekaufte Platte aufgelegt wird, die große Ernüchterung eintritt – ganz im Gegenteil.

Macht sehr viel richtig – „Wayfarer“

KERRIGAN machen auf „Wayfarer“ sehr viel richtig. Sie klingt unverwechselbar nach dem eigenen Sound, trotzdem wurde nicht dasselbe Album nochmal aufgenommen. Die auch auf „Bloodmoon“ bereits vorhandenen melancholischen Momente wurden ausgebaut, erinnern manchmal ein wenig an LUNAR SHADOW, bleiben dabei aber dem Traditionsstahl viel treuer.

Mit großartigen Nummern wie dem Titeltrack, dem Live-Smasher „Blood And Steel“ oder dem super-melodischen „Dystopia“ sind wieder jede Menge Highlights dabei. Einzig eines fehlt „Wayfarer“ leider ein wenig: Eine Übernummer wie „Eternal Fire“, eben der ganz große Hit. Ist dafür das Gesamtniveau aber hoch und der Finger bleibt stets ganz weit weg von der Skip-Taste, sollte das zu verschmerzen sein.

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12.04.2026

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