
Mit LÖMSK ist nicht etwa das neueste Produkt eines gewissen schwedischen Möbelhauses gemeint, sondern ein erst 2022 gegründetes Black-Metal-Kommando aus Göteborg. Mit ihrer simpel betitelten 2024er Debüt-EP „Act I“ konnte der Vierer bei unseren Underground-Trüffelschweinen bereits einen guten Ersteindruck hinterlassen, mit „Act II – Of Iron And Blood“ weiten LÖMSK die Zerstörung nun auf Albumlänge aus.
LÖMSK klingen eher polnisch als schwedisch
Der martialische Albumtitel sowie das damit einhergehende Auftreten in Uniformmänteln und Gasmasken geben schon einen recht eindeutigen Anhaltspunkt zur gegenständlichen Thematik. Es geht natürlich um das Thema Krieg, oberflächlich zumindest. Wer hier ein KANONENFIEBER-Derivat erwartet, tut LÖMSK allerdings Unrecht. Die Schweden gehen die Sache nämlich weniger spezifisch und auf einen bestimmten Krieg fixiert an. Es geht auf „Act II – Of Iron And Blood“ auch um die Zerstörung, die solche Konflikte hinterlassen und was sie mit den Menschen machen.
Auch musikalisch ist man hier recht weit entfernt von dem heutzutage oft irritierend massentauglichen Spektakel von Noise und Co. Den heimatlichen Hang zu so finsteren wie ergreifenden Melodien haben LÖMSK zwar durchaus verinnerlicht, der Gesamtsound tendiert allerdings insgesamt eher zu modernen (polnischen) Ausprägungen des Genres, wie man sie von MGLA oder HAUNTOLOGIST, aber auch von den Kanadiern PANZERFAUST und frühen GAEREA kennt. Es dominiert im Midtempo gehaltene, erdrückende, repetetive Riffgewalt, die von zutiefst melancholischen Melodien durchsetzt und von einer Stimme begleitet wird, aus der Wut und Verzweiflung nur so triefen. Dabei liefert Frontmann/Bassist The Colonel eine ziemlich markante Performance zwischen gut verständlichen Shouts und klagenden Gesangseinlagen ab.
Bei aller desolaten Grundstimmung ist aber durchaus Platz für eingängige Momente. Der eindringliche Refrain des Openers „Fields Of Elysium“ etwa greift direkt nach der Seele. Und während der Titelsong unerbittlich über das Schlachtfeld planiert, sorgen bei „Requiem Of Fire“ an Artilleriebeschuss erinnernden Trommelschläge im Takt mit dem Feuerbefehl für unwohle Gänsehaut. Etwas schwedischer geht die Sache später „Chimaera“ an, was besonders an der allgegenwärtigen, hochmelodischen Leadgitarre liegt.
„Act II – Of Iron And Blood“ ist ein bitterer Abgesang auf die Menschheit
Mit hintergründig eingesetzten, unkitschigen Streichern und vereinzelten Sprachsamples sorgen LÖMSK bei vielen Stücken für ein cineastisches Flair, ohne ihren Sound dabei zur bombastischen Seifenoper zu verwässern. Der größte Kritikpunkt an „Act II“ ist wohl, dass sich die Band sehr auf die einmal etablierte Formel einschießt und weder Tempo noch Stimmung großartig variiert, weshalb es dem Album nach hinten raus ein wenig an Abwechslung mangelt.
Dieser leicht repetitive Ansatz wird aber durchaus beabsichtigt sein und wenngleich „Act II“ in Sachen „Hitdichte“ etwas frontlastig geraten ist, so macht es doch Sinn, das Album als Gesamtwerk zu betrachten. Die beklemmende, nihilistische Atmosphäre können LÖMSK nämlich über die gesamte Spieldauer aufrechterhalten. Und so fühlt sich „Act II – Of Iron And Blood“ bisweilen tatsächlich an, wie der Soundtrack zu einer Wanderung über rauchverhangene Schlachtfelder und durch die lodernden Trümmer zerbombter Städte; wie ein bitterer Abgesang auf die Menschheit.

Lömsk - Act II - Of Iron And Blood
Hans Völkel































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