Ludicra - The Tenant

Review

Fast als All-Star-Band kann man die in San Francisco beheimateten LUDICRA bezeichnen: Der musikalische Kopf John Cobbett von HAMMERS OF MISFORTUNE, Bassist Rob Sewage (IMPALED, GHOUL) und Schlagzeuger Aesop Dekker von AGALLOCH bilden mit Christy Cather an der zweiten Gitarre und Sängerin Laurie Shanaman das Gespann. Jedoch besitzen LUDICRA keinen muffigen Projektcharakter, sondern eine eigene Identität – 1999 aus einem starken Punk-Hintergrund heraus gegründet, war man zusammen mit Bands wie WEAKLING eine der ersten Kapellen, die den Black Metal aus den dunklen Winkeln der von sieben Millionen Menschen bevölkerten Bay Area mehr ins Licht der Öffentlichkeit brachten.

“The Tenant“ stellt das vierte Album der Band dar und ist zugleich ihr erstes seit vier Jahren. Black Metal ist nach wie vor ein ständiger Weggefährte auf den sieben zwischen sechs und zehn Minuten langen Reisen, aber unterwegs begegnet man auch traditionellem Metal und Progressive-Rock-Elementen. Das Ganze ist bei transparentem Sound damit manchmal nicht allzu weit von neueren ENSLAVED-Werken entfernt. Es bietet sehr vielfältige, ausnahmslos und immer auf ihre ganz eigene Art gelungene Nummern wie etwa “In Stable“ mit seinem in Teilen deutlichen NWOBHM-Vibe, das Titelstück mit Post-Punk-Einfluss oder klassischer schwarzmetallische Stücke wie “Truth Won’t Set You Free“.

Was den ein oder anderen vielleicht zunächst skeptisch dreinschauen lässt, entpuppt sich wie auf dem Vorgänger “Fex Urbis Lex Orbis“ erneut als großer Pluspunkt: Bei LUDICRA singt eine Frau – und sie macht ihre Sache erstaunlich gut. Ob es das Black-Metal-typische Gekrächze (garniert mit einigen Verzweiflungsschreien) oder der etwas seltener eingesetzte klare, fast schon chorale Gesang ist, beide Varianten sind mit Leidenschaft dargeboten und sorgen für bereichernde Kontraste. Besonders effektiv geschieht dies beim mit sehr feinem Solo aufwartenden “Clean White Void“ und dem zentralen Zehnminütiger “The Undercaste“, der zwischen akustischem Gezupfe und schweren metallischen Passagen pendelt, dabei durch die übereinander gelegten Gesangsspuren wie das vertonte Leiden, der innere Kampf eines Besessenen klingt.

Ein extrem vielschichtiges, überhaupt nicht leicht zu fassendes und damit spannendes, mit einer hohen Halbwertszeit ausgestattetes Album haben LUDICRA mit “The Tenant“ geschaffen: Knapp zusammengefasst handelt es sich um aufgrund seiner deutlichen progressiven Elemente sehr originell tönenden Black Metal, der trotz weiblichen Klargesangs die Klippen des Kitschs gekonnt umschifft und ein gewisses Aggressionsniveau nicht unterschreitet. Es gibt viel zu entdecken auf dieser Scheibe, die trotz aller Reife immer noch das Herzblut einer alten Demo-Aufnahme besitzt.

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16.03.2010

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