Night In Gales - The Last Sunsets

Review

Galerie mit 31 Bildern: Night In Gales - Rockharz Open Air 2012

Auch wenn Retro natürlich längst nicht die Lösung aller Probleme ist, freut man sich als Altfan doch ungemein, wenn eine Band zu ihren Wurzeln zurückkehrt. Und die liegen im Fall von NIGHT IN GALES ganz klar beim glorreichen 1997er Debüt „Towards The Twilight“, eine Scheibe, die noch heute des Öfteren im CD-Player des Rezensenten rotiert. Und nun reisen die Herren mit „The Last Sunsets“ sozusagen zurück in ihre Anfangstage.

NIGHT IN GALES mit einer Reise zurück in die glorreichen Tage

NIGHT IN GALES waren ja auch anno 1997 kein Happy Death, sind jedoch heute eine Spur düsterer und melancholischer unterwegs, das wirkt alles irgendwie etwas erwachsener. Hier schlägt das Pendel quasi von alten IN FLAMES diesmal eher in Richtung AT THE GATES aus. Passend dazu klingt auch die Stimme von Rückkehrer Christian Müller heute noch eine Spur mehr nach Tompa Lindberg. Und die Jungs sind ja schon damals nie einfach nur blind den skandinavischen Größen hinterher gerannt, sondern stets ihren eigenen Weg gegangen. Und dabei bleibt man zum Glück auch auf der neuen Scheibe.

Dennoch ist „The Last Sunsets“ schon so etwas wie die lang ersehnte Heimkehr in heimische Gefilde nach gut 20jähriger Reise geworden. So viele gute ursprüngliche Ideen in verdammt hoher Frequenz kriegen auch DARK TRANQUILLITY leider schon lange nicht mehr auf die Reihe, von IN FLAMES wollen wir an dieser Stelle besser gar nicht erst reden…

Daher fällt es auch echt unglaublich schwer, die Juwelen unter all diesen Perlen zu benennen, dafür ist das Niveau ganz einfach zu gleichbleibend hoch. Versucht man es trotzdem, dann stößt man beispielsweise auf „The Passing“. Hier ziehen NIGHT IN GALES alle erforderlichen Register und hauen ihren ausgefeilten Melodic Death ganz schlicht und einfach so raus, wie diese Musik sein sollte. Was soll man dazu noch mehr sagen? Dafür braucht es genau null genrefremde oder gar moderne Elemente. Gute Ideen und Songstrukturen, ein herrliches Leads-und-Riff-Massaker und ein passender Sänger reichen völlig aus. Das Melo-Death-Leben kann doch so herrlich einfach sein. Oder man nehme „The Spears Within“. Geht wieder schön flott auf die Glocke, dazu diese Melodien und Harmonien, einfach nur ganz fein gemacht. Ich weiß, ich wiederhole mich da, tue das aber sehr gerne. Einen solchen Song hätten z.B. DARK TRANQUILLITY früher auch blind auf ihre Scheiben gepackt, da bekommt man feinste The-Gallery-Gänsehaut. Aber heute bekommen das all meine alten Helden so leider nicht mehr auf die Kette…

Besonders hervor stechen auf jeden Fall noch die drei Tracks mit Gast-Gesang. So leiht Marc Grewe (INSIDIOUS DESEASE, DESPAIR, ex MORGOTH) „The Mortal Soul“ seine Stimme und weiß dabei absolut zu überzeugen, logisch, wie immer halt. Beim mit gut vier Minuten längsten Song der Scheibe „Kingdom Of The Lost“ kommt dann Christian Mertens (DARK MILLENIUM) zum Einsatz. Und er bereichert diesen AT THE GATES lastigen Song ungemein. Und beim abschließenden „Dust And Form“ gibt es dann noch ein ganz feines nostalgisches Detail, denn hier hört man endlich mal wieder Martin Matzak. Dessen geniale alte Kapelle TORCHURE hatte ja seiner Zeit leider viel zu früh das Zeitliche gesegnet. NIGHT IN GALES beweisen also sowohl mit ihrem neuen Songmaterial als auch mit der Auswahl der Gastsänger absolut Geschmack!

Melodic Death in seiner wunderbaren Urform

Eigentlich ist die Scheibe viel zu kurz, aber vielleicht auch genau deswegen so gut. Nach der Einfuhr von „The Last Sunsets“ fühlt man sich auf alle Fälle doch glatt wieder 20 Jahre jünger. Einen solchen Jungbrunnen kann einem wahrlich nicht jede Band bieten. Doch diese Platte ist weit mehr als „nur“ eine Zeitreise, sie transportiert die Nostalgie ganz geschickt in die Gegenwart. Und damit gelingt es ihr vielleicht sogar, diesem in den letzten Jahren doch etwas dahinsiechenden Genre wieder etwas frischen Wind einzuhauchen.

Wenn Melodic Death ein wichtiger Teil der eigenen metallischen Entwicklung war, dann freut man sich über so ein Werk wie der Weihnachtsmann zu Ostern. Hätte ich NIGHT IN GALES so nie im Leben zugetraut, ganz ehrlich. „The Last Sunsets“ hat vielleicht nicht ganz die Klasse des Debüts. Aber „Towards The Twilight“ hatte ja auch stolze 21 Jahre lang Zeit, um sich auf der Festplatte des Rezensenten einzubrennen und dort zu einem All-Time-Fave des Genres zu wachsen. Das könnte der neuen Scheibe aber durchaus auch gelingen, das Potential dazu hat sie in jedem Fall. Daher ganz starke Tendenz zur Höchstnote..!

Wenn ich zum Abschluss noch einen Wunsch an NIGHT IN GALES äußern darf: Bitte diesmal bei genau dieser Linie bleiben und noch möglichst viele solcher Scheiben veröffentlichen! Mehr zur Band und zur Scheibe gibts in unserem aufschlussreichen Interview.

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16.02.2018

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