Noisem - Cease To Exist

Review

Manchmal ist es einfach die pure Karthasis, die einem ein gepflegter Schlag ins Gesicht bereitet – oder warum nicht gleich zehn davon, kompakt gebündelt wie hier im vorliegenden, neuen Album der US-Amerikaner NOISEM? Ihr neuester Beitrag in voller Länge zur „Zack! Bumm! Krach! Kaputt! Nochmal!“-Musik, gemeinhin auch als Grindcore bekannt, kommt gerade recht, wenn sich das Genre mal wieder etwas rar macht. Aber keine Angst – die US-Amerikaner bringen den guten Stoff an Mann und Frau. Und hauen diese damit dann zu Klump.

Zack! Bumm! Krach! Kaputt! Grind!

Mit einer Durchschnittslänge von enormen zwei Minuten pro Song steht natürlich das Songwriting im Mittelpunkt der Tracks von „Cease To Exist“. Aber keine Sorge, NOISEM machen keinen auf Progressive Grind. Vielmehr stopfen die Herren einfach nur viele Ideen in einzelne Songs rein, anstatt diese auf drei bis vier 40-Sekünder aufzuteilen. Effizientes Geprügel steht hier also auf dem Programm, das dadurch nicht weniger knochebrecherisch agiert, aber mit deutlich mehr Hirn unterwegs ist. Das schließt selbstverständlich die zerebralen Reste, die von der letzten Prügelei noch auf dem Handknöchel übrig geblieben sind, mit ein.

Das mit der Songlänge hat natürlich tatsächlich seinen Sitz im Sound der US-Amerikaner, denn die Songs sind für Grindcore-Verhältnisse vielschichtig unterwegs. Das betrifft vor allem die variierende Intensität und Frequenz, mit der die Band die Schädel ihrer Hörer bearbeitet. Die Sache hat daneben auch definitiv ein paar Punk-Vibes verpasst bekommen und nähert sich damit teilweise an diverse, old-schoolige Thrash-Territorien an, zum Beispiel bei „So Below“. Zur Grenzüberschreitung kommt es jedoch nie, denn dafür sind NOISEM dann doch etwas zu ungehobelt unterwegs.

NOISEM grinden mit Tiefgang

Das wird direkt im eröffnenden „Constricted Cognition“ klar, das keine Zeit verschwendet und mit gezielten, rhythmischen Schlägen gewaltig Druck macht, während Ben Anfts heiseres Gekotze die Karten ebenfalls direkt auf den Tisch knallt. „Putrid Decadence“ wartet mit diesen fiesen, subtilen Tempovariationen auf, die unter anderem den späteren NASUM so viel Nachdruck verliehen haben. „Filth And Stye“ ist der einzige Track der Platte, der keine volle Minute auf die Uhr bringt. Und dieses Ding, das so klingt, als hätten die Musiker den Track gerade so unter Kontrolle, bügelt so ziemlich alles nieder, was ihm vor die Flinte läuft.

Mit „Ode To Absolution“ findet das Album dann zu einem fast apokalyptischen Ende. Der Song entspinnt sich aus fast Doom-artigen Anfängen, wobei die Band das Tempo dann immer weiter steigert, bis der Song vor lauter Energie förmlich explodiert und sich anschließend in verstörenden Noise-Effekten auflöst. Mit angeschalteter Repeat-Funktion bleibt aber keine Verschnaufpause, denn die nächste Tracht Prügel folgt auf dem Fuße. Und durch die übersichtliche Trackliste bleibt tatsächlich erstaunlich viel hängen.

„Cease To Exist“ dreht den Spieß um

Und so soll es auch sein: NOISEM verpassen ihren Hörern eine ordentliche Portion Backenfutter, die mit Köpfchen daherkommt – und mit einem Sturm von Kopfnüssen. Der animalische Grind wird durch zahlreiche Kniffe hier und da mit erfrischender Tiefe versehen, ohne dass die Durschlagskraft der US-Amerikaner darunter zu leiden hat. Und der Sound klingt wie grobes Sandpapier auf nackter Haut – ein blutiges, grindiges Fest eben, von dem man sich gerne immer und immer wieder durch die akustische Mangel drehen lässt.

„Cease To Exist“ exists to end you…

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21.03.2019

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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