Old Ruins - Mount Arreat

Review

OLD RUINS gehen mit „Mount Arreat“ in die zweite Runde auf voller Distanz. Inhaltlich bleiben sich die Gelsenkirchener Melodic Black Metaller dabei treu und widmen sich erneut der unwirtlichen Welt der Diablo-Videospielreihe. Doch auch musikalisch hat man vor allem klug gesetzte Feinjustierungen am auf dem Debüt etablierten Konzept vorgenommen.

OLD RUINS bleiben im Diablo-Universum

Grobschlächtiges Gemetzel wie in der Spiele-Vorlage wird dabei eher nicht geboten. Auch wenn das Gaspedal wie beim treibenden Opener „Once There Was Light“ streckenweise durchgetreten wird, setzen OLD RUINS weiterhin verstärkt auf finstere Melodien und düster singende Leads in der Tradition schwedischer Bands wie DISSECTION und Konsorten. Diese können wie hier im letzten Drittel oder beim ganz ähnlich gelagerten „Gates Of Harrogath“ durchaus mal ins episch schwelgerische abdriften, wobei OLD RUINS dabei immer wieder zwischen klassischer Heavy-Metal-Gitarrenarbeit und post-schwarzmetallischer Verträumtheit rangieren, ohne dass man gleich 80s-Worshipping betreibt oder in Shoegaze-Gefilde abdriftet.

Solche Momente der Ruhe sorgen für schöne Kontraste und verleihen „Mount Arreat“ insgesamt mehr Abwechslung als dem in dieser Hinsicht noch etwas eindimensional aufgestellten Erstling. Apropos klassischer Heavy Metal, der scheint auch in Stücken wie dem schwer riffenden Fist-Raiser „Call To Arms“ oder dem mit einigen traditionellen Banger-Passagen versehenen „Nihlathak“ immer wieder deutlich durch. „Uileloscadh Mor“ wiederum kokettiert vermehrt mit ruhigen, verspielten Post-Black-Metal-Elementen wie ausschweifenden Melodiebögen und zaghaftem Piano-Einsatz, verbindet diese aber auch mit dem typischen Wikinger-Marsch à la BATHORY sowie flächigen Tremolos.

Noch deutlicher wird Quorthon beim epischen Titeltrack gehuldigt; da wachsen automatisch Haare auf der Barbarenbrust und man möchte mit gezückter Doppelaxt in die Schlacht ziehen. Der „Lord Of Destruction“ landet anschließend mit schweren Doom-Riffs auf dem Schlachtfeld und schlägt zur Mitte des Songs mit einer wütenden Thrash-Abfahrt eine blutige Schneise. Auch hier lassen es sich OLD RUINS aber nicht nehmen, den Song hochmelodisch und verspielt ausklingen zu lassen, bevor es mit dem zutiefst melancholischen „Tyrael’s Despair“ ins Finale geht. Und wer die Diablo-Spiele kennt, weiß ja auch, dass der namensgebende Erzengel jeden Grund zum Verzweifeln hat, die Stimmung ist also passend gewählt.

„Mount Arreat“ ebnet den Weg zum nächsten Stufenaufstieg

Insgesamt gelingt OLD RUINS mit „Mount Arreat“ genau das, was man sich vom Nachfolger eines starken Debüt-Albums idealerweise wünscht. Die Gelsenkirchener bauen das gelegte Fundament weiter aus und verfeinern ihren Sound, ohne ihn dabei zu verwässern oder durch die vermehrten Schlenker gen Post-Black-Metal zu verweichlichen.

Letztere sind geschickt gesetzt und lockern in Verbindungen mit klassischem Heavy-Metal-Handwerk das Gesamtbild angenehm auf, weshalb OLD RUINS trotz klarer Bezüge auch meilenweit entfernt vom typischen Schweden-Worshipping agieren. Inhaltlich hat sich die Ruhrpott-Gang außerdem ihre eigene kleine Nische im Black-Metal-Kosmos freigeschaufelt und man muss sich erneut fragen, warum bisher noch keine andere Band diese thematische Steilvorlage so konsequent umgesetzt hat. Und so arbeiten OLD RUINS mit kleinen Schritten am nächsten Stufenaufstieg.

13.09.2026

"Musik hat heute keinen Tiefgang mehr." - H.P. Baxxter

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