Pelican - The Cliff

Review

Satte 22 Releases, darunter nur fünf Studioalben. Für eine 2001 gegründete Band liest sich PELICANs Diskografie – nun ja – doch ganz beachtlich. Wer sich in der Vergangenheit durch die gesamte Split- und EP-Ansammlung der Post-Metal-Veteranen gekämpft hat, hat sich also schon mal ein Quäntchen Respekt verdient. Aber worauf lässt diese Veröffentlichungswut schließen? Unermessliche Kreativität oder gnadenlose Selbstüberschätzung? Na ja, im Falle von „The Cliff“ eigentlich weder noch. Die 12″-Vinyl- und Digital-EP besteht nämlich im Grunde nur aus zwei Songs: Dem Titelstück, welches dem 2013er-Output „Forever Becoming“ entnommenen wurde, zweier Remixe und dem neuen Song „The Wait“.

Also nur einmal neues Material? Fast. Einzig auffällige Besonderheit (und vermutlich einziger Veröffentlichungsgrund) der Platte ist die nachträgliche Vokalisierung des Titelstücks durch Gastsänger Allen Epley (SHINER, THE LIFE AND TIMES). Dabei ist es durchaus nicht das erste Mal, dass sich das Instrumental-Quartett auf dessen Dienste verlässt. Bereits auf „What We All Come To Need“ (2009) lieh der inzwischen eher in Indie-Rock-Gefilden aktive Epley dem abschließenden „Final Breath“ seine Stimme.

Und was gibt’s nu zu hörn?

In erster Linie die typisch amerikanischen Post-Metal-Mische aus rhythmisch versetzen Druckpassagen und choruslastigen Clean-Gitarren. Passt soweit, PELICAN eben. Darüber kämpft sich der angenehme Bariton Epleys trotz Ausbleiben wirklich großer Energieschübe ganz gut in den Vordergrund. Das Ganze kommt hier zwar etwas weniger gehaucht daher als noch 2009, die neue Schicht über den Instrumenten wirkt zunächst aber doch noch zu gezwungen. Der Versuch einer Gitarre „nachzusingen“ ist ja ein beliebter Fehler, aber sich beim Entwickeln der Gesangslinien an der halben Rhythmusfunktion zu orientieren, geht einfach mal gar nicht. Umso interessanter, dass es in der nach zweieinhalb Minuten einsetzenden Bridge mit der Eigenständigkeit (und dementsprechend auch mit der Eingängigkeit) dann plötzlich doch funktioniert. Crazy!

Zu den Remixen bleibt nicht viel zu sagen, aber die Namen GODFLESH und ISIS machen sich ja bekanntlich immer gut in Promotexten und auf Vinyl-Front-Stickern. Ohne die Remix-Arbeit herabzusetzen, aber warum muss man einen für PELICAN-Verhältnisse eher durchschnittlichen Song (jajaja, ich trauere immer noch „The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw“ hinterher) auch noch durch den Fleischwolf drehen? Na gut, Großmeister Justin K. Broadrick beweist mal wieder, dass es ’ne ganze Menge bewirken kann. In dieser Version mutiert der Song dank dessen charakteristischen Industrial/Trip-Hop-Trademarks zum Achtminüter und schafft es damit auch mal über den „Ganz nett“-Status hinaus. Kann man schon so machen. Der Remix der ex-ISIS und nun PALMS-Musikanten Aaron Harris und Bryant Clifford Meyer gibt einem dann als B-Seite der B-Seite aber auch die endgültige Überdosis. Was man vom abschließenden „The Wait“ allerdings nicht behaupten kann: Sechs Minuten feine Instrumentalarbeit, schöner E-Bow-Einsatz, eine riesige Klimax und dann lecker crescendo. So hat der Klug es gern!

Was bleibt? Ein nettes Vocal-Experiment mit stimmlich durchaus fähigem Sänger, dem die Sache mit der Eigenständigkeit gegenüber den anderen Instrumenten allerdings nicht auf ganzer Strecke gelingt. Ist aber ja auch keine leichte Kiste, diese Kombination monumentaler Riffmachten und bestechender Eingängigkeit. (Was uns Deutschen interessanterweise immer wieder ganz gut gelingt, hehe.) Alles in allem kann „The Cliff“ dann aber einfach zu wenig. Eine anschaffungswürdige Scheibe? Nur falls „The Wait“ es nicht aufs nächste Studioalbum schaffen sollte.

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03.03.2015

Ja, weißt du … das ist vielleicht … deine Meinung, Mann.

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