Pirate Queen - Travelling Around The World

Review

Die wichtigste Lektion haben PIRATE QUEEN bereits verinnerlicht: Will man heutzutage noch mit symphonisch angehauchtem Power Metal Aufmerksamkeit erregen, sollte man sich frühzeitig ein musiktheaterkompatibles thematisches Konzept zurechtlegen und den Fokus auf dessen visuelle Umsetzung legen (siehe POWERWOLF, DOMINUM, WIND ROSE, …). Leider stürzen sich die selbstproklamierten Herrscherinnen der mythischen Bermudadreiecks-Insel Lyxion zielsicher auf jene Nische, in der sich VISIONS OF ATLANTIS aktuell bereits auf wesentlich elegantere Weise eingenistet haben.

PIRATE QUEEN mangelt es trotz starker Gesangsleistung an Mut

Die Stimme der Frontfrau, Ihrer Majestät Elizabeth Noir Nuit, zählt auf „Travelling Around The World“ zu den großen Stärken von PIRATE QUEEN. Technisch sauber und doch mit einer themengemäßen Rauheit und ausreichen individueller Klangfarbe versehen schaffen es leider die allzu simplen Gesangsmelodien nicht, diese Stärke voll zur Geltung zu bringen. Ähnlich sieht es auf der instrumentalen Seite aus, die sich allzu sehr auf bewährte Standards verlässt und zu wenig Mut zur Eigenständigkeit an den Tag legt. Zu weichgespült wirkt dadurch das Song-Portfolio, zu sehr gehen die Musikerinnen beim Songwriting auf Nummer sicher.

So sind PIRATE QUEEN also die aufstrebenden Newcomer, die den etablierten Größen nicht das Wasser unter dem Kiel streitig machen können. Doch wo der Weg zur musikalischen und kompositorischen Perfektion noch weit und steinig ist, sorgen eine extrasteife Brise frischer Wind und jede Menge jugendlicher Energie für einen langen Atem bei den Freibeuterinnen. Entwicklungspotentiale sind noch reichlich vorhanden und zwischen feierlaunigen Schunkel-Hits wie „William Kidd“ und einer getragenen Hymne wie dem Schlussstück „On The Sea“ lauern eine Menge guter Ansätze, auf denen PIRATE QUEEN für zukünftige, hoffentlich erfolgreichere Kaperfahrten aufbauen können, wenn sie bei der Umsetzung den Schritt aus der Mittelmäßigkeit heraus hinbekommen.

„Travelling Around The World“ hält, was das Cover verspricht

Freilich geziemt es sich nicht, ein Album anhand seines Cover-Artworks zu beurteilen, in diesem Fall drängt sich eine Analogie aber geradezu auf. Das karibische Gruppenbild aus der Feder des spanischen Künstlers José Antonio Vives setzt auf kernigen Trash-Charme, ist dabei aber liebevoll handgezeichnet und kein billiger KI-Slop. Alleine dafür darf man heutzutage schon dankbar sein zumal es den musikalischen Eindruck, den PIRATE QUEEN mit „Travelling Around The World“ hinterlassen, bestätigt. Das Album mag kein ausgereiftes Hochglanzprodukt sein, dafür aber ein mit Leidenschaft für das eigene Werk eingespieltes Herzblutprojekt, das man trotz aller Ecken und Kanten definitiv wertschätzen kann.

30.08.2026

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