Profanity - Fragments Of Solace

Review

Spoiler: Mit „Fragments Of Solace“ fegen die Song-Architekten aus Augsburg erneut jeden Mittelspur-Sünder von der Fahrbahn. „Disputed Territory“ eröffnet das Album ohne belanglose Intro-Spielereien und landet einen Faustschlag direkt auf die Zwölf. Nebenbei werden innerhalb der ersten vier Minuten unzählige Noten und Rhythmen verbraten. Um dem Geschehen halbwegs folgen zu können, muss man also die volle Konzentration aufbringen.

Im folgenden Stück „Progenitor Of The Blaze“ werden die pochenden Ohren mit Hochfrequenz-Tapping verwöhnt, während das wahnwitzige Tempo von unerwarteten Wendungen und Breaks gekreuzt wird und schnell Assoziationen von Schiefertafeln und kryptischen Formeln hervorgerufen werden.

PROFANITY machen‘s akademisch

„Reckless Souls“ treibt die Geschwindigkeit in geradezu lächerliche Sphären, wobei ein Mensch aus Fleisch und Blut diese Zahl an Bpm niemals tight halten kann. Selten hat die Beschreibung „fett“ auf ein Mastering besser gepasst als hier. Jedes Instrument lässt sich wunderbar klar heraushören, wodurch der Klang insgesamt etwas klinisch wirkt. Hätte die Band auf einen rockigeren End-Mix bestanden, hätte sie aber andere Musik aufnehmen müssen.

„Fragments Of Solace“ und die Kehrseite der Medaille

Weiter geht es mit „Where Forever Starts“ und einem Orgel-Auftakt, der zwar Dunkelheit verspricht, schnell aber die gewohnten Pfade plattwalzt. Uneingeschränkten Spaß hat man beim Durchhören des Albums mitnichten. Man erhält einfach keine Gelegenheit, um auf den Reset-Knopf zu drücken und das Hirn leerzuräumen. Stattdessen wird man mit einer unendlichen Flut an Informationen malträtiert.

Das Trio ist einfach schon zu lange im Geschäft, als dass es sich mit weniger als dem Besten zufriedengeben würde. Am Ende eines Albums entscheidet aber stets Subjektivität über die Qualität. Für viele Hörer wird all das mathematische Gegniedel auf Dauer wohl zu anstrengend sein. Genre-Kollegen strotzen dieser Herausforderung zumindest mit einem Anflug von Nachvollziehbarkeit im Songwriting, worauf PROFANITY aber auch verzichtet haben.

Die Augsburger bleiben sich treu und überladen ihre Musik mit viel Talent

Auf „Ceremony Of The Rotten“ greift SUFFOCATION-Gitarrist Terrence Hobbs ins Geschehen ein, wobei sich illustre Gastmusiker über das ganze Album verteilen. Selbstverständlich sind hier echte Könner am Werk und unbestritten wird Musik für Musiker zelebriert. Weil dem Hörer die notwendigen Pausen oder ein Anflug von Dynamik vorenthalten werden, ist „Fragments Of Solace“ aber nicht für den alltäglichen Gebrauch zu empfehlen.

Wer die Geduld aufbringt und dem Werk ein paar Extra-Runden auf dem Plattenteller zugesteht, wird sich langsam in die fragilen Arrangements hineinfinden und schlussendlich all die Musikalität darin genießen können.

19.12.2020

Left Hand Path

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