Rimruna - Wenn Droben Nachts Der Frostmond Thront

Review

Galerie mit 10 Bildern: Rimruna - Walpurgisnacht 2023 in Berlin

Schon wieder so ein sommerliches Winteralbum. Oder ein winterliches Sommeralbum? Wie auch immer, obwohl von einem Frostmond weit und breit noch nichts zu sehen ist, huldigten RIMRUNA diesem schon im Mai mit ihrem dritten Album „Wenn Droben Nachts Der Frostmond Thront“. Von den Höllentemperaturen der folgenden Monate konnte das Berliner Black-Metal-Duo da natürlich noch nichts ahnen, sonst hätte man vielleicht einen sehr viel späteren Release in Erwägung gezogen.

Die Spuren von RIMRUNA führen auch weiterhin nach Norwegen

Denn wie der poetische Titel schon verrät, sind RIMRUNA auch auf ihrem neuesten Langspieler wieder in frostigen Gefilden unterwegs, wobei sie ihre (Nicht-)Farbpallette um ein paar Grauschattierungen erweitert haben, ohne ihren Kernsound dabei zu verwässern. Geboten wird weiterhin atmosphärischer, mal verträumter und mal auch durchaus kernig vorgetragener Black Metal, dessen Spuren im Schnee eindeutig ins Norwegen der frühen 90er führen.

Beim Intro „Im Mondes Angesicht“, welches direkt in den ersten vollwertigen Song „Gefährte Der Nacht“ überleitet, spielen auch geisterhafte Synthesizer und ominöse Sprachsamples eine wichtige Rolle. Diese sorgen in Verbindung mit flirrenden Tremolo-Passagen, sich episch auftürmenden Leads, schwelgerischen Melodien und entrückten Klargesangspassagen für eine Stimmung, die bisweilen an LUNAR AURORA erinnert. Hier kann man sich sogleich von RIMRUNA mit geschlossenen Augen auf eine Nachtwanderung durch frostige Tannenwälder entführen lassen.

Instrumental etwas basischer aber nicht weniger stimmungsvoll geht es mit „Mondesreigen“ weiter, bei dem die klar perlende Leadgitarre den Löwenanteil der Arbeit leistest, was sich wiederum in ausschweifenden Instrumentalpassagen niederschlägt. Für die ist in den ausufernden Kompositionen der Berliner freilich auch Platz, denn keiner der regulären Tracks unterschreitet die 10-Minuten-Marke. Hemdsärmeliger geht es dafür bei „Frostmond“ zu, das mit hektischem Rumpelstilzchen-Drumbeat loslegt, im weiteren Verlauf aber u. A. mit Orgelklängen und klirrend fröstelndem Tremolo in Sachen dichter Atmosphäre ordentlich anzieht.

Dichte Atmosphäre statt kalter Raserei

Auf eine solche setzt anschließend auch „Die Sage Vom Funkenflug“, bei dem die erneut sehr prominente Leadgitarre zwischen Tremolo und sehnsüchtigen Melodien eine hypnotische Sogwirkung entfaltet, die einen förmlich in die weite Nachtlandschaft hineinzieht. Das instrumentale, als Outro fungierende „Als Die Sterne Fielen“ beendet das Album auf einer zutiefst melancholischen Note und packt auch nochmal die schwummrigen Synthesizer aus, von denen man im Albumverlauf tatsächlich gerne mehr gehört hätte.

RIMRUNA gelingt mit „Wenn Droben Nachts Der Frostmond Thront“ erneut ein stimmungsvolles Black-Metal-Album alter Schule und nordischer Prägung, welches seinen Fokus insgesamt mehr auf Atmosphäre denn auf grobe Raserei legt. Damit bleiben sich die Berliner grundsätzlich treu, grade von den an LUNAR AURORA erinnernden Passagen hätte es aber allein schon der Abwechslung wegen ruhig noch etwas mehr sein dürfen. Denn ja, die Kompositionen des Duos neigen auch ein wenig dazu, auszuschweifen, weshalb solche Momente der Auflockerung immer willkommen sind. Für Genre-Fans, die sich gerne mal für ein Stündchen auf eine Reise mitnehmen lassen, in jedem Fall empfehlenswert.

 

10.09.2026

"Musik hat heute keinen Tiefgang mehr." - H.P. Baxxter

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