Rotting Bowels - Disease

Review

Böse Zungen behaupten ja, es gäbe gerade im Osten Deutschlands gewisse Ecken, wo die Zeit stehengeblieben ist. Aber erstens kann man das von anderen Gegenden genauso behaupten, und zweitens ist das manchmal auch verdammt gut so! So suhlen sich die Thüringer ROTTING BOWELS genüsslich in der Ursuppe des Death Metal, dass es eine wahre Freude ist. Freunde glattgebügelter Hochglanzproduktionen skippen an dieser Stelle getrost ein Review weiter. Wer sich auf der Suche nach einem altmodischen Kleinod befindet, könnte jedoch durchaus fündig werden.

Irgendwann Anfang der 90er-Jahre, irgendwo im tiefsten Thüringen. Gespannt und fasziniert lauscht man unzählige Male den Klängen eines Mixtapes, das zigfach kopiert auch in so manch anderem Kassettenrekorder in der Nachbarschaft dauerrotiert. Und wieder und wieder jagen einem z. B. BOLT THROWER, CANCER, AUTOPSY und natürlich CANNIBAL CORPSE wohlige Schauer über den Rücken. Und das Schönste daran: Von dieser Faszination ist bis heute nichts verloren gegangen. Zugegeben, das ist jetzt ein Geschichtchen aus dem Leben des Rezensenten, könnte sich aber so oder ganz ähnlich auch bei ROTTING BOWELS zugetragen haben. Denn was die Jungs auf ihrem Demo „Disease“ darbieten, atmet zu 100 % genau den Geist dieser Zeit.

Schon das düstere Intro führt einen zurück in diese glorreiche Zeit des Death Metal. Und auf den folgenden acht Liedern plus Hidden-Track wird kein Freund jener Musik enttäuscht, die sich ziemlich eng an den Ursprüngen des Todesmetalls anlehnt. Die recht kurz gehaltenen Stücke auf „Disease“ grooven roh und unverfälscht und kommen direkt auf den berühmten Punkt. Gelegentlich zieht man das Tempo wie in „Ray Of Hope“ auch an oder schielt mit einem Auge Richtung uralte MORGOTH, nachzuhören bei „Rotting Bowles“. Nostalgie kann so schön sein! Passend zum Stil fährt die Drei-Mann-Combo eine sehr rohe und ursprüngliche Produktion auf, in der sich jedes Instrument so richtig entfalten kann. Und nicht nur das, auch der ultratiefe Gesang kommt auf diese Weise bestens zur Geltung. Ihren stärksten Song liefern ROTTING BOWELS dann eindeutig mit dem Titelsong ab. In „Disease“ regiert nach einem ruhigen melodischen Einstieg wieder schwerster Groove, bevor geschwindigkeitstechnisch auch mal drei Gänge hochgeschaltet wird. Das könnte eine mögliche Blaupause für zukünftige Veröffentlichungen sein. Denn wenn man hier etwas kritisieren sollte bzw. sich etwas wünschen dürfte, dann wäre das ganz klar etwas mehr Abwechslung (also etwas weniger Midtempo und dafür mehr Geballer) und wenn möglich der eine oder andere kleine Hit. Aber Wunderdinge sollte man von einem Demo generell nicht erwarten. Das wird schon noch, Hauptsache die Basis passt schon mal.

Qualitätsbewussten Death-Metallern sei „Disease“ auf alle Fälle wärmstens empfohlen. Und wer noch ein Exemplar dieses Silberlings sein Eigen nennen möchte, der sollte ganz schnell zuschlagen, denn das Demo ist auf gerade mal 100 Stück limitiert. Die einschlägigen Labels wissen nun auch Bescheid: Zugreifen! Nicht, dass es später heißt, wir hätten euch nichts von ROTTING BOWELS erzählt.

06.04.2016

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