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Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.
Wenn wir über die NWoBHM reden, dann denken wir an Bands wie SAXON, IRON MAIDEN oder vielleicht noch DEMON. Progressive Rockmusik und der deutsche Krautrock der 70er Jahre sind in den frühen 80ern Opfer der neuen Welle, oder? Eine Band wie SARACEN hat nicht den Bekanntheitsgrad der Platzhirsche, veröffentlicht aber im Oktober 1981 mit „Heroes, Saints And Fools“ eine bis heute vielbeachtete Platte. Gibt es die progressive NWoBHM?
„Heroes, Saints And Fools“ oder die progressive Ader der NWoBHM
SARACEN aus Derbyshire gründen sich Mitte der 70er Jahre zunächst unter dem Namen LAMMERGIER, wo die Protagonisten sich ihre ersten Sporen im harten englischen Musikgeschäft verdienen. 1980 erfolgt die Umbenennung in SARACEN. Nach der Veröffentlichung der Single „No More Lonely Nights“ mit der B-Seite „Rock Of Ages“ folgt im Herbst 1981 die LP „Heroes, Saints And Fools“. Wer bisher nur die Single von SARACEN kennt, dürfte beim ersten Durchlauf der LP ein erstauntes Gesicht machen. Zwar hat auch „No More Lonely Nights“ nicht nur straighten Hard Rock im Gepäck, aber die Experimentierfreude des Quintetts spiegelt sich in der Vorabveröffentlichung nicht wider.
Der Auftakt „Crusader“ mit einer Laufzeit von mehr als sechs Minuten setzt bereits ein Ausrufezeichen. Es gibt stampfende Rhythmen, genauso wie Keyboard, Gitarrensoli und eine gewisse eigenwillige Stimmakrobatik von Sänger Steve Bettney. Das Stück allein würde wohl kaum jemand mit der NWoBHM in Verbindung bringen. Progressiv angehauchte Rockmusik, die an die frühen 70er erinnert. Das Ding hat Anleihen von zum Beispiel UFO, aber genauso auch bei DEEP PURPLE und obendrauf kommen Synthesizer der Marke Krautrock. Das klingt nach einem schwerverdaulichen Gebräu, kommt in der Realität aber erstaunlich leichtfüßig daher.
Die bereits angesprochenen Titel „Rock Of Ages“ und „No More Loneley Nights“ bewegen sich im Classic Rock und können als Ausdehnung der Bandbreite auf „Heroes, Saints And Fools“ angesehen werden. Vermutlich ging es bei der Single um kommerzielle Aspekte. Ein Release wollte auch 1981 verkauft werden.
Die B-Seite ist „Ready To Fly“
Mit „Horsemen Of The Apocalypse“ sind SARACEN zurück im progressiven Element. Das Keyboard-Intro dürfte manche Kinnlade runterklappen lassen. Im weiteren Verlauf setzen SARACEN immer wieder auf das Tasteninstrument, dazu gibt es ein musikalisches Gemisch aus Krautrock, Blues Rock und Hard Rock, verknüpft mit den stampfenden Rhythmen der NWoBHM.
Gerade einmal drei Tracks sind auf der B-Seite zu finden, darunter das rein instrumental gehaltene „Dolphin Ride“. Der Titeltrack „Heroes, Saints And Fools“ schwimmt von der ersten Sekunde ganz unverblümt in der progressiven Welt der 70er Jahre und Vergleiche zu den frühen Sachen von MAGNUM drängen sich auf. Die Protagonisten setzen auf Atmosphäre und langgezogene instrumentale Passagen. Dazu kommt ein passender Spannungsboden, sodass SARACEN mehr an die frühen 70er und Bands wie STRAWBS in Kombination mit dem Space Rock von UFO erinnern.
Mit dem bereits angesprochenen Instrumentalstück verbinden sich „Heroes, Saints And Fools“ und das abschließende „Ready To Fly“. Musikalisch wird es gradliniger als beim Titeltrack, die Keyboardklänge bleiben und der Begriff Bombast-Rock geistert durch die Landschaft.
Wie ist „Heroes, Saints And Fools“ gealtert?
„Heroes, Saints And Fools“ wird kein Megaseller der NWoBHM. SARACEN sind viel zu sehr im progressiven und instrumentalen Feld unterwegs, als das es einfache Mitsinghymnen gibt. Das Debüt von SARACEN ist ein Zeitzeuge, dass die NWoBHM mehr Strömungen hatte als VENOM, IRON MAIDEN und SAXON. Wer sich von einem zu enggefassten Begriff der NWoBHM löst und eine Vorliebe für komplexe und progressive Musik hat, findet mit dem Debüt von SARACEN ein fast vergessenes Kleinod der frühen 80er Jahre, dass auf technisch hohem Niveau agiert.
Der weitere Weg von SARACEN ist ähnlich vieler anderer englischen Vertreter der frühen 80er Jahre. Eine zweite Platte mit „Change Of Heart“ folgt 1984. Ein Jahr später lösen sich SARACEN auf. Seit 2000 sind die Herren wieder aktiv und veröffentlichten zwischen 2003 und 2014 vier weitere LPs. Auf den bekannten Festivals, wie dem Keep It True oder ganz aktuell auf dem Headbangers Open Air 2026, ist die britische Band nach wie vor ein gern gesehener Gast, auch wenn von der Ursprungsbesetzung nur noch Sänger Steve Bettney und Gitarrist Rob Bendelow auf der Bühne stehen.

Jürgen Fenske



























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