Tarja - The Brightest Void

Review

Galerie mit 26 Bildern: Tarja - "A Nordic Symphony"-Tour 2018

Für jede halbwegs talentierte und hart arbeitende No-Name-Band muss es sich wie ein harter Schlag ins Gesicht anfühlen: Da wird aus Überbleibseln einer Aufnahmesession und einigen Covern ein liebloses Release zusammengeschustert und ein riesiger Promo-Apparat angeworfen. Da werden Tausende von CDs und Platten gepresst und auf den Markt geschmissen. Da wird eine dicke Tour aufgesetzt. Warum? Weil sich der Name Tarja Turunen gut verkaufen lässt. Im Falle von „The Brightest Void“, dem aktuellsten Werk der finnischen Ex-NIGHTWISH-Fronterin, ist dabei der Inhalt – konkreter: die Musik – erst einmal völlig zweitrangig.

Denn was als opulenter Full-Length-Vorbote des im August erscheinenden vierten TARJA-Albums „The Shadow Self“ angekündigt wurde, entpuppt sich schnell aus äußerst laue Luftnummer. Dabei erfüllt die Platte natürlich die gängigen produktionstechnischen und handwerklichen Standards – klar, hier ist keine Schülerband, sondern eine abgekochte Profi-Truppe am Werkeln. Das ändert aber nichts daran (vielleicht ist es sogar der wesentliche Grund dafür), dass „The Brightest Void“ eine fast durchweg belang- und konzeptlose sowie – vor allem – nichtssagende Platte geworden ist.

Warten der bereits vorab veröffentlichte Opener „No Bitter End“ und das anschließende „Your Heaven And Your Hell“ noch mit einer Handvoll halbwegs griffiger Riffs auf, ergeht sich die Scheibe im weiteren Verlauf in aufgeblähte, formlose Dudelei, bei welcher wenig bis gar nichts hängen bleibt. Durchaus aufhorchen lässt allerdings das unmotivierte Geknurre Michael Monroes (Ex-HANOI ROCKS) in Verbindung mit Frau Turunens Hintergrundgeflöte in letztgenanntem Track – allerdings nur, weil es so schwer zu ertragen ist. Gleiches gilt für den saxophongeschwängerten Ethno-Part, der gegen Ende des Songs serviert wird und den zähen Kampf mit dem Titel auf unnötige fünfeinhalb Minuten ausdehnt.

„Shameless“ wiederum wühlt tatsächlich ziemlich schamlos im Metal-/Rock-Standardbaukasten herum, und das Gastdrumming Chad Smiths (RED HOT CHILLIPEPPERS) in der Schlager-Metal-Nummer „Eagle Eye“ besitzt bestenfalls überschaubaren musikalischen Mehrwert. Überhaupt: „Aaaaaaadlerauuuuge, Aaaaaaadlerauuuuge…„. Es ist phasenweise schon arg dünn, was Turunen (oder wer auch immer dafür verantwortlich ist) textlich anbietet. „I found a way to feel alive…over the lands that we have seen…when you have burned so deep within…“ Wahnsinn, wirklich sehr „deep“. Ebenso wie der Schlusspart des unsäglich lahmen Bond-Songs „Goldfinger“ (der phasenweise wie eine Parodie dahertönt), in dem Turunen mit kleisterndem Pathos die geistreichen Textzeilen „This heart is cold / He loves only gold / Only gold / He loves gold / He loves only gold / He loves gold / Only gold.“ intoniert. Für den Text kann die Finnin natürlich nichts, peinlich klingt es trotzdem.

Letztlich liefern TARJA mit „The Brightest Void“ eine ganz, ganz schwache Veröffentlichung ab, die lediglich bei den dezent elektronisch angehauchten Stücken im zweiten Drittel („An Empty Dream“, „Witch Hunt“) so etwas wie ein „Niveau“ erreicht. Auch stimmlich ist die finnische Metal-Elfe nicht immer auf der Höhe (u.a. „Your Heaven And Your Hell“). Die optische Aufmachung des Releases passt sich seiner inhaltlichen Qualität dabei übrigens bestens an. Dafür ist dem lieblos gestalteten Artwork aber zu entnehmen, welche Klamottenmarke Tarja trägt und welche „Accesories“ (das schlägt der Grafiker wohl lieber noch mal nach). Fazit: „The Brightest Void“ („Die glänzende Leere„) wird seinem Titel immerhin zur Hälfte gerecht – das mit dem Glänzen klappt noch nicht so richtig.

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10.06.2016

"Am Ende isses immer Arbeit."

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5 Kommentare zu Tarja - The Brightest Void

  1. Jule Weird sagt:

    Ich finde, man muss zwischen einem persönlichen Artikel und einem Review unterscheiden. Der Schreiber dieses „Reviews“ von Metal.de sieht das Album meiner Meinung nach weder sachlich, noch gibt er konstruktive Kritik. Er wirft mit Ausdrücken und Beleidigungen um sich und wirft daher ein semiprofessionelles Licht auf Metal.de und die Redaktion. Wenn man einen Bericht über eine/n Künstler/in schreibt und das noch beruflich (wobei nach der Art zu schreiben es auch der Praktikant sein könnte) dann finde ich, sollte die Musik professionell und konstruktiv durchleuchtet werden und qualitative Gründe für eine Verschlechterung genannt werden. Jedoch Ausdrücke wie „laue Luftnummer“, „aufgeblähte, formlose Dudelei“, „Hintergrundgeflöte“ lassen mich den sogenannten „Redakteur“ genauso wenig ernst nehmen wie bei seinem Satz : „Wahnsinn, wirklich sehr deep.“ Man könnte meinen, er ist irgend ein hässlicher Typ der Tarja gerne mal abgeschleppt hätte aber nicht bei ihr landen konnte, denn so trotzig und niveaulos wie er schreibt muss da irgendeine Hintergrundgeschichte gewesen sein. Ich vertrage Kritik bzgl Tarja, die muss ich mir schon seit über zehn Jahren anhören; aber DAS ist weder professionell noch sachlich oder in irgend einer Art und Weise qualitativ.

    8/10
    1. Andi sagt:

      Wenn ich ein Review zu einem Album lese, erwarte ich, dass der Autor darin seine Meinung äußert, dass diese Meinung für mich nachvollziehbar begründet ist und dass sie nicht offensichtlich von persönlichen Empfindsamkeiten abhängt (im vorliegenden Fall könnte das zB sowas wie „Symphonic Metal ist scheiße“ sein). Dass es immer auch auf den Geschmack des Rezensenten ankommt, ist bei Musik wie bei allen anderen Kunstformen unvermeidlich.
      Der Renzension entnehme ich: Der Autor hält die Platte für belanglos und langweilig und findet, dass es an einem Gesamtkonzept mangelt. Formulierungen wie „Hintergrundgeflöte“ finde ich dabei nicht unprofessionell, sondern anschaulich. Kritisiert wird u.a., dass es keine Höhe- dafür aber Tiefpunkte gebe, dass die Beiträge der Gastmusiker uninspiriert seien und keine aufwertende Ergänzung zum Gesamtwerk darstellten, dass die Texte platt seien. Produktionstechnisch und handwerklich sei das Werk professionell gemacht. Das sind m.E. alles Merkmale, anhand derer man eine Einschätzung zur Qualität eines Album treffen kann und zu denen der Autor für mich nachvollziehbar Stellung bezogen hat.
      Die Bewertung einer Platte darf und soll für mich auch ruhig in der Sprache zum Ausdruck kommen. Ich will schließlich Spaß beim Lesen haben. Beides ist hier der Fall. Dem Autor deswegen eine „Vergangenheit“ mit Tarja zu unterstellen, finde ich lächerlich.
      Weiter so, Metal.de! Ich komme nicht auf eure Seite, um weichgespülten Durchfall zu lesen. Wenn ihr ein Album Kacke findet, schreibt das bitte auch!

      1. Jule Weird sagt:

        Lieber Andi,

        Du schreibst, dass du bei einem Review erwartest, dass die Meinung „nicht offensichtlich von persönlichen Empfindsamkeiten abhängt“, trotzdem erwartest du aber eine Meinung. Klingt ziemlich widersprüchlich und dazu ist es ja bei diesem Review so.

        Desweiteren bemängelt er durchaus, dass es an einem Gesamtkonzept fehlt. Klar, dem stimme ich auch zu, aber Tarja hat nie behaupter, dass das Album ein Konzeptalbum ist 😉 dies in einem Review zu bemängeln finde ich zum Beispiel lächerlich 🙂

        Versteh mich nicht falsch – weichgespülten Durchfall möchte ich auch nicht lesen 😉 aber gerne Artikel mit etwas mehr Niveau.

  2. Onkel Andi sagt:

    Mal abgesehen davon, dass ich mit den Solo-Werken von Tarja Turunen auch nicht mehr anfangen kann, als sie bestenfalls als „nicht auffällige Hintergrundbeschallung“ zu verwenden, ist dieses Review aber schon ein wenig strange, oder?

    Wurde hier tatsächlich der Text einer Cover-Version als – wenngleich im nächsten Atemzug wieder relativierte – Negativ-Kritik herangezogen? Überhaupt… wird tatsächlich der Text diverser Songs im groben Genre des „Symphonic Metal“ als Kritikpunkt gesehen? Dass dann auch noch die Begriffe „Schlager-Metal“ und „Metal-Elfe“ fallen, legt für mich den Schluß nahe, dass hier – mal wieder! – ein Redakteur die Platte reviewen „musste“, der sich dem Genre nicht verbunden fühlt und deshalb vielleicht den falschen Maßstab anlegt…

    1. Jule Weird sagt:

      Danke Onkel Andi für deine Worte, schön zu lesen dass es auch andere gibt die diesen Artikel nicht so berauschend finden 🙂