
Soundcheck Juli 2026# 12
Galerie mit 30 Bildern: The Hu - Anda Fardha Tour 2025 in Saarbrücken


Obwohl sie noch immer gewaltig von ihrem Exotenbonus zehren, haben sich THE HU im Laufe ihrer doch schon zehn Jahre umspannenden Karriere als feste Größe der internationalen Metalszene etabliert. Der ungewöhnliche Stilmix aus harten Metalriffs und folkloristischen Elementen ihrer mongolischen Heimat funktioniert nach wie vor extrem gut und hat mit Bands wie UUHAI längst respektable Nachahmer gefunden.
THE HU sehen auch das Schlechte im Menschen
Ihr drittes Studioalbum veröffentlichen THE HU unter dem Titel „Hun“, was in ihrer Muttersprache nicht mehr und auch nicht weniger als „Mensch“ bedeutet. Thematisch widmen sich die Mongolen unterschiedlichen Aspekten des menschlichen Lebens auf der Erde, wobei sich unweigerlich die düstereren Seiten der Existenz in den Fokus schieben. Musikalisch äußert sich dies hingegen in einem Zugewinn sowohl an Härte als auch an Abwechslungsreichtum. Erfüllt das gleichermaßen gemächlich wie unaufhaltsam durch die Steppe walzende „Warrior Chant“ als Opener noch sämtliche durch die Vorgängeralben geweckten Erwartungen an THE HU, erweist sich das darauffolgende „Lost Soul“ als eingängig groovender Modern-Metal-Hit, der sowohl den Abspann eines großen Hollywood-Blockbusters wie auch die Tanzfläche der örtlichen Metal-Disko angemessen beschallen könnte.
Hier gibt es ausnahmsweise sogar englischsprachigen Gesang zu hören, für den naheliegenderweise Jonny Hawkins als Gastsänger gewonnen werden konnte, der NOTHING MORE-Frontmann zeichnet ohnehin bereits als Koproduzent neben THE HU-Gründer Dashka verantwortlich. Beide verleihen „Hun“ einen gleichermaßen druckvollen wie differenzierten Sound, der auf einem unerschütterlich hypnotischen Rhythmus-Fundament den charakteristischen Kehlkopfgesang und die winselnde Pferdekopfgeige Morin Chuur in den Vordergrund rückt ohne dabei das extrafette Riffing zu vernachlässigen.
Spannender Spagat zwischen Tradition und Fortschritt
Die meiste Zeit über geben sich THE HU kämpferisch und setzen auf treibende Songstrukturen, die vor dem inneren Auge das Bild einer unaufhaltsam marschierenden Armee oder – noch naheliegender – eines strammen Ritts über die endlose Weite zentralasiatischer Steppenlandschaften entstehen lassen. Umso mehr fallen zwei Stücke auf, die dieses Muster absichtsvoll durchbrechen und sich dadurch zu den besonderen Highlights eines durchgängig starken Albums entwickeln. Zum einen ist da „Echoes Of My Father“, eine ruhige, emotional berührende Ballade, in der die Musiker der besonderen Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern ein Denkmal setzen. Das zugehörige Video ist die perfekte visuelle Repräsentation jenes Spagats, den THE HU mit ihrer Musik ständig vollbringen: Die Traditionen der Vergangenheit bewahren und ehren, ohne sich dabei dem technologischen und kulturellen Fortschritt der Welt zu verschließen.
Den anderen außergewöhnlichen Höhepunkt stellt der epische Neunminüter „Universe“ dar, der sich ausgehend von einem sanft ohrenschmeichelnden Piano-Teppich kontinuierlich steigert und zu einem majestätischen Breitwand-Epos mit Gänsehaut-Garantie entwickelt. Sein phänomenaler Schlusspart trieft geradezu vor tonnenschwerem Pathos und könnte das sonst so düstere Werk auf einer unerwartet optimistischen Note ausklingen lassen, würden THE HU nicht mit dem kurzweiligen „Second Face“ einen launigen Rausschmeißer nachschieben, der von der Doppelzüngigkeit und Missgunst der Menschen handelt und die eben noch so sphärisch abgehobenen Klänge schlagartig zurück auf den staubigen Boden der Tatsachen zurückholt.

Florian Schörg





























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