Timo Komulainen - Biographical

Review

Mit seinem ersten, nicht unter dem Namen eines seiner anderen Projekte veröffentlichten Album „Biographical“ möchte der Finne TIMO KOMULAINEN nicht nur seinen eigenen Lebensweg, sondern auch den allgemeinen menschlichen Werdegang vertonen. Hierfür hat der in einer Musikerfamilie aufgewachsene Multiinstrumentalist alle Parts selbst eingespielt, alle Vocals eingesungen und das Ganze in Eigenregie produziert. Ein durchaus ambitioniertes Projekt also, an das er sich damit wagt.

Komulainens Interpretation von Metal ist eine einigermaßen ungewöhnliche. Auf „Biographical“ findet der geneigte Hörer neben Double Bass, melodisch singenden Leadgitarren und Power-Metal-Riffs auch ausladende Orchester-Arrangements, Tasteninstrumente, Folkiges, Jazziges und ein erstaunliches Spektrum an verschiedenen Gesangstechniken. Der Mann lässt kein Mittel aus und nutzt was immer ihm geeignet erscheint, um das Albumkonzept und die dahinter stehende Geschichte ins Hörbare zu übertragen. So klingt beispielsweise „Avert“ anfangs wie ein Stück aus einem Musical, vorgetragen von einem Dave Mustaine mit Verstopfung. Aber so skurril die merkwürdig verstellte Stimme auch zu Beginn anmutet, mit fortschreitender Songlänge ergibt sie plötzlich Sinn und fügt sich ein.

Es ist kaum möglich, einzelne Lieder auf „Biographical“ hervorzuheben, denn mal gibt es vollkommen unterschiedliche Parts innerhalb eines einzelnen Songs und mal sind die Übergänge einfach fließend. Der Mann verfolgt einen Ansatz, der eher an klassische Musik erinnert. Es gibt keine musikalischen Grenzen oder Genrebegriffe für Komulainen und es kommt vor, dass ein ruhiger, leicht melancholischer Klavierpart in ein, von der Double Bass getriebenes Gekreische alá Alexi Laiho ausbricht, nur um kurz darauf wieder in eine komplett andere Richtung abzudriften. Dabei sind die Umschwünge jedoch meistens schlüssig und nicht überbetont, hektisch und pseudo-progressiv, wie es vor allem Bands wie IWRESTLEDABEARONCE immer wieder gerne falsch vormachen.

Was „Biographical“ meiner Meinung nach fehlt, ist eine Art roter Faden, etwas was daran erinnert, dass es sich bei den Liedern nicht nur um aneinandergereihte Parts handelt, die eine Geschichte erzählen sollen. Ein Konzeptalbum darf nicht ausschließlich eine vorher entworfene Story untermalen, sondern muss auch allein bestehen können. Komulainen verknüpft seine Songpassagen schlüssig, aber oft will er einfach zu viel. Er mag ein Konzept in seinem Kopf haben, er mag viele Instrumente beherrschen, doch er ist kein BEETHOVEN und kein STEVEN WILSON. Wenn er growlt und schreit klingt das phasenweise recht dünn und seine Gesangsstimme ist zu gepresst für wirkliche Emotionen. Für die großen Themen des Lebens wie „Zerstörung und Liebe“, welche er besingen will, braucht es manchmal einfach etwas mehr von allem.

Das klingt vielleicht etwas härter als es gemeint ist, denn als Ganzes betrachtet ist „Biographical“ kein schlechtes Album. Timo Komulainen geht an die obere Grenze dessen, was sich als Solokünstler und ohne große finanzielle Unterstützung bewerkstelligen lässt. Er macht nur das, was ihn als Musiker interessiert und legt keinen Wert auf Zugänglichkeit oder Massenkompatibilität. Damit gelingt ihm mindestens ein wirklich interessantes Stück Musik.

26.09.2013

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