Type O Negative - Symphony For The Devil

Review

Die Wiederveröffentlichung des „After Dark“ Videos einmal ausgeklammert, liegt nun die erste vollwertige DVD der schwarz-grünen Armeefraktion aus Brooklyn vor. Der Auftritt auf dem ’99er Bizarre Festival, der das gut anderthalbstündige Herzstück der DVD bildet, dürfte einigen noch aus der entsprechenden Rockpalast-Folge bekannt sein, die im Nachbeben des Festivals über die Mattscheiben flimmerte. Gefilmt wurde das Konzert mit zahlreichen Kameras vom WDR, der genau wusste, worauf es bei einem TYPE O NEGATIVE Konzertmitschnitt ankommt: extreme Close-Ups von Mr. Steele natürlich, was besonders die Säfte der weiblichen Fans zum Kochen bringen und für manch unkontrollierte Speichelabsonderung sorgen dürfte.

Dass das Konzert nun schon fast sieben Jahre auf dem Buckel hat, bringt natürlich das Manko mit sich, dass keine Songs vom letzten Album „Life Is Killing Me“ enthalten sind. Das ist zwar schade. Nachdem ich von der Band auf der vergangenen Tour im Sommer 2003 aber ziemlich enttäuscht war, werte ich die Entscheidung, den Bizarre-Gig zu veröffentlichen, und den Umstand, dass somit automatisch nur Klassiker gespielt werden, als Pluspunkt. Zumal die Drab Four auf der großen Bühne ein derart imposantes Bild abgeben, dass man fast ehrfürchtig wird.

TYPE O NEGATIVE sind eine der ganz wenigen Bands, die durch den konsequenten Einsatz von Stilmitteln – seien es die Bandfarben schwarz und grün, der pikante schwarze Humor oder allein der einheitliche Look aller Bandmitglieder, der trotzdem nicht aufgesetzt sondern authentisch wirkt – ein absolut einzigartiges, unverkennbares Bandimage geprägt haben. Bei diesem Gig stimmt einfach alles. Pete Steele als Hauptfigur, Inkarnation von Frankenstein und Wolverine zugleich, das Abbild eines schwarzen Koloss, dem der Wind immer wieder die schwarze Mähne ins Gesicht weht, der seinen Bass mit einer Kette (!) befestigt hat und ihn spielt wie eine Gitarre, leert während des Konzerts zwei Flaschen Rotwein. Sein Brooklyn-Akzent mit dem rollenden R, das unverkennbare Dröhnen der Bassgitarre, das BLACK SABBATH-artige Wabern von Kennys Gitarre, die bizarren Orgeltöne und Verrenkungen, die Josh sich und seinen Synthesizern entlockt, eine Setlist, die die Crème aus vier Alben (von „The Origin Of The Feces“ bis „World Coming Down“) vereint und ein Publikum bestehend aus zigtausend Fans, die für eine gigantische Atmosphäre sorgen, machen dieses Konzert zur ersten Wahl für eine Veröffentlichung.

Unterbrochen wird der Gig immer wieder von Behind-the-Scenes-Material, das die Band ausschließlich von ihrer albernen Seite zeigt. Besonders Roadie und Pain-in-the-Ass Slitzy ist dabei für einige Lacher gut, da er es mit seinen sexuellen Anzüglichkeiten hauptsächlich auf Drummer Johnny abgesehen hat. Aber auch die anderen gönnen sich gegenseitig keine Verschnaufpause. Ständig wird irgendwo gesoffen, geschissen, sich gegenseitig im Suff bemalt (aber wie!) und jedes (!) Klischee von Sex, Drugs & Rock’n’Roll auf Tour bestätigt. Dass dabei derbste Scherze passieren, die – ganz TYPE O-like – auf jegliche political correctness scheißen, versteht sich von selbst, und dürften so manchem die Schamesröte ins Gesicht treiben. Wenn eine Doku das Prädikat „ungeschnitten“ tragen darf, dann diese. Wer schon immer einmal Genaueres über die Beschaffenheit von Joshs Stuhl erfahren wollte, darf sich auf die Suche nach dem entsprechenden Easter Egg machen, das auf der DVD versteckt ist. Ich muss zugeben: ein gar prächtiger Kackstift von Form und Größe von Peters achlassenwirdas.

Eines ist klar: wenn der Intendant vom WDR gewusst hätte, womit sein Konzertmitschnitt da angereichert werden sollte, hätte es diese DVD sicher nie gegeben. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. So lustig das Ganze auch ist, stört doch der Umstand, dass man Konzert und Behind-the-Scenes nicht getrennt anschauen kann. Wer also das Konzert am Stück genießen will, wird durch die Einschübe immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und daran erinnert, dass auch ein Peter Steele mal kacken muss.

Daneben gibt es mit einem sehr ungezwungenen Interview und Audiokommentaren noch allerlei weiteren Nonsense auf der DVD, die mit amtlichem 5.1 Surround Sound bzw. 2.0 Stereo Sound, einer coolen Fotogalerie mit Kindheits- und Jugendbildern von Peter, Josh, Johnny und Kenny eine sehr gute Anlage für die sauer verdienten Kröten darstellt. Die versprochenen Biographien entpuppen sich dagegen als hohle Phrasendrescherei ohne jeglichen Nährwert und sind folglich für den Arsch. Als kleines Bonus-Schmankerl enthält das Package noch eine MCD, die ein sechsminütiges SANTANA-Medley aus den Songs „Evil Ways“, „Oye Como Va“ und „Black Magic Woman“ enthält. Natürlich dargeboten im TYPE O Sound und wirklich hörenswert. Nicht nur für Fans der Band gilt: kaufen!

08.04.2006

Der metal.de Serviervorschlag

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