
Die Metaller sind ein verrücktes Völkchen. Jedenfalls gibt es wohl keine andere Musiksparte, in der Prädikate wie „eklig“ oder „Tortur“ nicht per se schlecht sein müssen. Beim zweiten Album der Finnen UNEARTHLY RITES mit dem vielsagenden Titel „Tortural Symphony Of The Flesh“ ist das nicht so ganz der Fall. Das Quintett verpackt harsche Gesellschafts- und Kapitalismuskritik in modrige Knochen und Verwesung, und das leider über die komplette Spielzeit praktisch vollkommen unspektakulär.
Modrige Knochen und Verwesung
Das Herz der Band scheint zumindest inhaltlich in der Punk- und Crust-Szene zu pulsieren, aus den Saiten schlägt allerdings recht strukturloses Death-Metal-Gekloppe, das mit klarem OSDM-Verweis jegliche Inspiration vermissen lässt. „Solstice“ ist die Vorab-Single, die im Rahmen des Albums ausgekoppelt wurde, und eines der besseren Songs auf „Tortural Symphony Of The Flesh“. Hier kriechen die Riffs im Todesgang unter die Haut, ohne dabei aber irgendwie besonders zu wirken. Mit leichtem Doom-Faktor und sich wiederholenden Motiven beschleunigen UNEARTHLY RITES den Drang, sich mit etwas Anderem zu beschäftigen.
Das zeigt sich sehr ausgeprägt in den langen Songs wie „Ignis Fatuus“ oder dem abschließenden „The Notion Of Emerging Totalitarianism“, wo Sängerin Sisli zwar immer mal wieder versucht mit obskuren Schreien oder verquerem Flüstern etwas Abwechslung einzubringen, doch im Ganzen ist das Grundgerüst zu unspektakulär, um hier wirklich etwas retten zu können. Die vorsätzlich rudimentär getrimmte Produktion, innerhalb derer es an allen Ecken und Enden scheppert, passt zwar irgendwie sinnbildlich zu „Tortural Symphony Of The Flesh“, doch selbst für absolute Old-School-Verhältnisse ist das alles ein bisschen zu billig.
Düstere Riten und schlechtes Songmaterial
Manchmal lassen die Stücke auf der Platte durchaus eher an düstere Riten, denn an richtiges Songmaterial denken. Das mag auf vergleichbaren Scheiben zu funktionieren, auf „Tortural Symphony Of The Flesh“ tut es das nicht. Dem Album fehlt gleichsam die Wirkkraft wie funktionierende Kompositionen, sodass UNEARTHLY RITES mit ihrer bizarren Aneinanderreihung von semispannenden Riffs kaum überzeugen können.
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Patrick Olbrich
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