Valborg - Zentrum

Review

Soundcheck Juni 2019# 4 Galerie mit 9 Bildern: Valborg - Support von Pillorian in Münster 2017

Ja, VALBORG,  diese Deutschen (trotz schwedischem Namen) aus dem ehemaligen Zeitgeister-Umfeld, könnten durchaus als primitive Käuze betitelt werden. Zu recht und zu unrecht… gleichzeitig! So ist es kein Geheimnis, dass die Band es versteht, augenscheinlich widersprüchliche Dinge zu verbinden: Recht rumpelig und eingängig unterwegs, primitiv und doch zupackend, experimentell und dann auch wieder nicht waren ihre vorigen Werke. Die Walpurgis-Fans sind ein Phänomen, hagelte es doch für die meisten Alben hier und auch wo anders regelmäßig gute Kritiken. Nach dem famosen letzten Einstand „Endstrand“ schickt sich nun „Zentrum“ an, erneut Nägel mit Köpfen zu machen. Irgendwie gleich, aber dann doch wieder anders. So sind es oft nur Nuancen in ihrem Sound an denen VALBORG drehen, dies aber mit großer Wirkung!

„Zentrum“ – primitive Zerstörung auf Dadaismus – nun mit extra Atmosphäre!

Die Texte, beeinflusst sicherlich auch durch den kürzlichen Tod von Freund und Instrumentenbauer Rene Marquis, sind auch auf „Zentrum“ wieder irgendwas zwischen Dadaismus und einfachen Schlagworten, die man auf Konzerten gut rumbrüllen kann (Unvergessen das stumpfe „Heil Satan“-Geblöke auf „Orbitalwaffe“ vom Vorgänger), aber auch mit Introspektion und dieser großen Leere behaftet. Sie bilden in Zusammenspiel mit dem hämmernden Schlagzeug und den Gitarren einen ganz speziellen Sound, eine ganz bestimmte Atmosphäre, irgendwo zwischen Weltuntergang, studentischer Performance und dem ganz normalen VALBORG-Wahnsinn. Die hypnotische Monotonie der Riffs in Verbindung mit neuerlichen kleinen Ebenen im Sound funktioniert hervorragend und lässt einen in den kalten, lichtlosen VALBORG-Kosmos eindringen und nicht wieder heraus.

Von Synthesizern über Gitarrenvergewaltigung über den Riffs, die aber nur dezent im Hintergrund auszumachen ist, hin zu beinahe meditativen Stellen… VALBORG wissen geschickt kleine Gefälligkeiten einzubauen, die aus den monolithischen Riff-Monstern nicht eine mühselige Tour-de-Force machen. Stilistisch entfernt man sich gar nicht großartig vom ähnlich gelagerten und straight nach vorne gehendem „Endstrand“, aber vermag doch ein wenig mehr Atmosphäre anstatt purer primitiver Gewalt auszudrücken. So überraschen „Anomalie“ und „Nahtod“ mit gesungenen Passagen, die sakral im einen und beinahe schon pop-mäßig im anderen wirken.

Auch in ihrer Simplizität für sich stehende „Ultragrab“ und „Nonnenstern“ sind beide ähnlich primitiv strukturiert, aber haben vollkommen andere Wirkungen. Das ist dann auch Dreh- und Angelpunkt der Musik VALBORGS: Mit Simplizität dann doch irgendwie Abwechslung schaffen zu können. Das schräge und intensive „Schwerter der Zeit“ ist nochmal ein Highlight kurz vor dem Schluss und „Vakuum“ als längster Abschlusstrack des Albums entlässt für VALBORG-Verhältnisse schon fast ungewohnt komplex, beinahe schon gewollt oder ungewollt komisch durch das „Lalala“ mit herübergelegtem Sprachtext im letzten Drittel und macht „Zentrum“ somit so weit interessant, um gleich wieder die Repeattaste betätigen zu wollen.

Auch der siebte Streich gelingt – VALBORG regeln!

Fazit: Obwohl man eigentlich gar nicht so viel anders macht und quasi „Endstrand“ mit minimalen Rückblicken zu den mehr „nachdenklichen“ Werken „Nekrodepression“ oder „Romantik“ gekreuzt hat, geht auch „Zentrum“ wieder wunderbar aus den Lautsprechern. VALBORG werden weiterhin eine Band bleiben, die nur von einigen wenigen goutiert wird, irgendwo zwischen Death, Doom, Hardcore und progressiven Anwandlungen in spärlicher Dosierung. Viele werden es als langweiliges, primitives Gedresche mit bekloppten Texten abtun, und würden objektiv nicht einmal so falsch liegen.

Dass die Band stur ihren Stiefel durchzieht und sich diese Konsequenz ganz durch Musik, Artworks und Texte zieht, nötigt aber Respekt ab. Mich hat die anderweltliche, kalte Atmosphäre von „Zentrum“ mitgenommen und verwirrt, aber auch irgendwo berührt. Definitiv unten anchecken und Horizont erweitern! Danach kann man’s immer noch scheiße finden. Mit „Urknall“ gibt es nebenbei bemerkt auch mittlerweile eine Neuauflage der Frühwerke als schickes Komplettset der gesamten Diskographie von VALBORG mit einheitlichen Artworks zu erhalten.

29.05.2019

"Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann." - Wau Holland -

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7 Kommentare zu Valborg - Zentrum

  1. ClutchNixon sagt:

    Kann man als Kunstperfomance ohne doppelten Boden abtun, oder aber einfach nur kagge finden. Ich tendiere dann doch zu letzterem.

  2. nili68 sagt:

    Ich habe das Lied jetzt 3 mal gehört und weiß immer noch nicht, was ich davon halten soll. Grundsätzlich mag ich das ja, von Musik etwas gefordert zu werden. Low-key gefällt mir das..

  3. doktor von pain sagt:

    Ist mein erstes Valborg-Album, und mir gefällt’s. Habe direkt auch mal den Vorgänger „Endstrand“ geordert.

  4. Headcleaner sagt:

    Ich fand die Jungs von Anfang an interessant, aber so richtig „Klick“ hat es gemacht, als ich sie dann mal im Vorprogramm von Worship gesehen habe. Einfach nur eiskalt und monolithisch. Erinnerten von der Performance etwas an Celtic Frost/Triptykon. Aber eben vollkommen eigenständig. Geil.

    8/10
    1. Nether sagt:

      Ging mir genauso. Genau wie Mysticum. Beide Bands hab ich am Anfang auf Platte „nie verstanden“.
      Dann kam das Roadburn 2017 und live bliesen mich Valborg und Mysticum mit ihrer Eiseskälte vor der Bühne um.

      1. ClutchNixon sagt:

        Dann wäre doch die Frage, warum man überhaupt Platten aufnimmt eine berechtigte an die Band, so sie womöglich ausschließlich live funktioniert 😉 nein, mal im Ernst: Ich habe wirklich versucht es zu mögen, aber es gelingt mir nicht.

  5. Enemy ov God sagt:

    Spätestens jetzt weiß ich, dass mit mir wohl was nicht stimmen kann … ich find’s geil!