Vintundra - Isländskasagor

Review

Ähm … ich bin mir nicht sicher, wie ich an diesen Text herangehen soll. Einerseits ist „Isländskasagor“ so klischeetriefend, dabei aber auch langatmig und vor allem irgendwie naiv, dass sich VINTUNDRA nichts anderes als einen Veriss verdient haben – und zwar einen, der sich gewaschen hat. Andererseits haben wir es hier mit dem ersten, in Eigenregie veröffentlichten Album einer vergleichsweise jungen Band zu tun, weshalb ich damit eigentlich nicht zu hart ins Gericht gehen will.

Sagen wir mal so, Jungs: Wenn man 15-minütige Songs schreibt, dann muss man erstmal dafür sorgen, dass man das aufbaut, dass man einen Spannungsbogen schafft, dem Hörer immer wieder mal Höhepunkte präsentiert (unterschiedliche Höhepunkte, immer mal wieder dasselbe Gitarrenlead dazwischenzuspielen zählt bei einer solchen Spielzeit nicht). Nicht nur, aber gerade die beiden Songs über der Zehn-Minuten-Marke (der Opener „In des Eiskönigs Hallen“ und der Rausschmeißer „Ewiger Winter“) wirken sehr, sehr künstlich in die Länge gezogen, als wäre die Länge nicht aus den Songs und den Ideen heraus entstanden, sondern eben aus dem Versuch, etwas möglichst langes zu schreiben. „Wanderer auf dem Runenpfad“ ist zwar kürzer, aber auch da beschleicht mich das Gefühl, dass man die Ideen darin auch in zwei Minuten weniger hätte verarbeiten können. Das wäre der Hauptkritikpunkt, auch wenn es noch einige andere gibt. Zum Beispiel sind Spoken-Word-Intros und -Outros nur bedingt cool (um nicht zu sagen: unfreiwillig komisch), wenn sie mit saarländischem Einschlag vorgetragen werden und von isländischen Heldensagen berichten.

Ansonsten ist das im Grunde gar nicht soooo schlecht. Das Songwriting erinnert immer wieder an die großen Namen im von Heiden und Wikingern beeinflussten (Melodic) Death Metal, etwas wirklich eigenes ist VINTUNDRA damit also auch nicht gelungen. Zumal man sich mal eher im Melo Death, mal eher im amerikanisch geprägten (Brutal) Death Metal bedient, ohne das so wirklich zu einem roten Faden verarbeiten zu können. Aber zumindest gibt es mit „Auge des Kriegers“, mit „Die wiederkehrenden Geister der ehrlosen Toten am Fuße des Berges der Morgendämmerung“ (NILE anyone?) und mit „Im Moor der einsamen Götter“ auch drei kürzere, knackigere Stücke, die schneller zum Punkt kommen – und die sind durchaus hörbar, wenn sie auch weit davon entfernt sind, neu oder eigenständig zu sein.

Potenzial ist auf „Isländskasagor“ also vorhanden – aber sorry, für’s erste war das nichts.

23.12.2013

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1 Kommentar zu Vintundra - Isländskasagor

  1. Kloakula sagt:

    In jüngster Zeit könnt ihr scheinbar mit dem Zertifikat „Brutal Death“ nicht an euch halten. Allgemein könntet ihr diese Tags (entschuldigt den ekligen Anglizismus) etwas sparsamer und vor allem weniger optimistisch nutzen. Death Metal als Kategorie ist (in diesem Fall) denke ich klar, aber Brutal Death? Gutturales Gegurgel? Blasts und Geknüppel? Tempowechsel? (Wahlweise) Textliche Brutalität? Alles nicht vorhanden. Ich will auch gar nicht den Schubladennazi spielen, aber das ist einfach irgendwie ziemlich unnötig, überflüssig und vor allem irreführend.

    Ansonsten: Weiter so und schöne (brutale!!!!!) Feiertage (der Brutalität!!!!!).^^