
Mit „Endless Beginnings“ melden sich WARSENAL nach sieben Jahren Funkstille zurück. Eine so lange Pause ist in einer schnelllebigen, digitalisierten Welt ein Risiko – auch im Metal. Die Kanadier nutzen die Zeit seit „Feast Your Eyes“ jedoch sinnvoll, um mit dem dritten Werk Old-School-DNA in die Gegenwart zu transferieren. Deutliche Referenzen an Genregrößen dürften die einen begeistern, während andere darin eher fehlende Eigenständigkeit sehen.
WARSENAL verweigern sich modernen Sounds
WARSENAL setzen klar auf Speed- und Thrash-Metal der Achtziger, verweigern sich modernen Spielereien und treiben ihre Songs kompromisslos nach vorn. Wer Referenzen sucht, landet schnell bei frühen DESTRUCTION, RAZOR oder MEGADETH. Das liegt an Mathieu Rondeaus spitzen Schreien, die stellenweise sehr deutlich an Schmier erinnern, aber auch am Riffing und dem Songaufbau.
Gleichzeitig bietet das Material mehr als stumpfes Geballer. Die Riffs wechseln zwischen aggressivem Vorwärtsdrang und technisch versierten Ansätzen, die fast schon progressive Züge tragen. Damit bedient das Album sowohl die Moshpit-Fraktion als auch aufmerksame Hörer:innen.
Der Opener „Mass Grave Mass“ bestimmt sofort die Tonlage, „Flying Fortress“ legt mit messerscharfen Leads nach und weckt mit seinen Harmonien Erinnerungen an MEGADETH. „Feeding The Wildfire“ und „The Numbening“ halten das Tempo hoch. „Phantom Hope“ zeigt sich dynamisch. Der mit knapp über sieben Minuten längste Song des Albums beginnt melancholisch und kippt anschließend in ein kontrolliertes Inferno.
Druck, Tempo und ein neuer Motor am Schlagzeug
Die Produktion liefert Druck und Transparenz, ohne den rohen Kern zu glätten. Die Gitarren dominieren, während der Bass von Francis Labine eng mit den Riffs arbeitet und für das Fundament sorgt.
Zack Osiris‘ Drums – er gehört dem Trio seit 2023 an – treiben die Songs präzise und kraftvoll an, setzen Akzente und verleihen dem Material zusätzliche Schärfe. Besonders in „Onward To Our Death“ zeigt sich die enge Verzahnung von Rhythmussektion und Gitarrenarbeit.
Tracks wie der am Ende stehende Titeltrack „Endless Beginnings“ oder „Dusk Dwellers“ bringen erfreuliche Abwechslung ins Gesamtbild. Erstgenannter bündelt viele Stärken des Albums, während letzterer mit ausgedehnten instrumentalen Passagen arbeitet – zwar nicht immer treffsicher, aber mutig.
„Endless Beginnings“ überzeugt auch ohne neue Duftnoten
Nicht jeder Part sitzt zwingend punktgenau, einige Passagen wirken gestreckt. Gleichzeitig verhindern klare Strukturen und starke Riffs, dass das Album auseinanderfällt. Die einzelnen Stücke liefern konstante Energie und genug Variation, um über die gesamte Spielzeit zu tragen.
Für die absolute Spitzenklasse fehlen noch ein Quäntchen Eigenständigkeit und mehr Mut zur Zuspitzung. Das Verdikt von Colin Büttner zum Zweitwerk trifft nach leichtem Update weiterhin ins Schwarze: „Unter dem Strich bleibt ein Album, das sich 1985 sicher besser als 2026 gemacht hätte.“

Warsenal - Endless Beginnings (Digipak)
Torsten Meierhöfer






























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