Wovenwar - Honor Is Dead

Review

WOVENWAR haben auf ihrem Zweitwerk „Honor Is Dead“ genau den richtigen Weg eingeschlagen. Damals auferstanden direkt aus den Ruinen von AS I LAY DYING, verlassen sich die fünf Musiker  heute nicht mehr so stark auf alte Muster und loten vage neue Grenzen hinsichtlich Progressivität aus. Es entstehen sicherlich keine phantasievoll geknüpften Prog-Epen, aber „Honor Is Dead“ ist deutlich erwachsener, durchdachter und nachhaltiger, als noch das Debüt der Band. Im Falle von WOVENWAR ist die Annäherung des Metalcore an den Thrash Metal durchaus sinnvoll. Nicht selten erinnern WOVENWAR an SYLOSIS oder THE SORROW, die mit ähnlichen Werkzeugen ackern.

Josh Gilbert und Shane Blay geben stimmlich etwas mehr Kante, was „Honor Is Dead“ ebenfalls gut steht und häufig den entscheidenden Ausschlag nach oben unterstützt. Sicherlich ist es eine Geschmacksfrage, ob man es gesanglich lieber grob oder gefühlvoll mag (wobei das eine das andere auch nicht wirklich ausschließt). Die wahre Hürde, die man bei der Kombination von Growls und Klargesang aber nehmen muss, ist die der Dynamik. Häufig zerhauen zu schmierige Elemente den Fluss des Liedes, fahren alles wieder runter und hemmen somit die wahre Eskalation. Aber schon im Opener „Confession” zeigen WOVENWAR, dass sie daran diesmal nicht scheitern, das anstrengende Wechselbad im später folgenden „Cascade“ mal ausgenommen. Im Gegenteil, in zweiten Song „Censorship” bieten sie sogar noch eine stimmliche Zwischenstufe an. Das erzeugt Fläche und im Zusammenspiel mit dem selbstbewusst stampfenden Takt zaubern WOVENWAR hier ein Paradebeispiel dafür, wie Modern Metal 2016 klingen sollte.

Preiswerte Gefühlsduselei

Leider kommt aber auch „Honor Is Dead“ nicht ohne Balladen aus – Balladen, die eher aufzeigen, dass auch das ein schwer bespielbares Feld mit hoher Rutschgefahr („Compass“) ist, und übertrieben deutliche Aussprache Hand in Hand mit Discofox noch lange keine Gänsehaut zaubert („Silhouette“). Parallel zur Spieldauer sinkt dann auch etwas das Interesse an „Honor Is Dead“, richtig platzt der Knoten nämlich nicht, wahre Experimente werden vermieden und das Laut-Leise-Spiel kann irgendwann jeder Hörer im Schlaf mitsummen. Aufgehorcht wird besonders dann, wenn sich die Herren von der Gitarrenfraktion mal losreißen. Dann können sie zeigen, was sie solotechnisch im Repertoire haben und auch mal etwas Qualität dazwischen mogeln. Das wertet ursprünglich vorhersehbare Songs massiv auf und rüttelt wach.

WOVENWAR haben zumindest den ersten Schritt gewagt

Positiv hervorstechen kann auch der Refrain von „Lines in the Sand“, der die schmetternden Riffs nicht nur ablöst, sondern auch den Takt ändert. Ebenso wie das durchweg garstige „Stones Thrown ”, das von drückender Instrumentierung mit aller Gewalt am Boden gehalten wird und praktisch keine Chance zur Entwicklung von Pathos und Kitsch hat. Abzug gibt es auch in der Dramaturgie, die Songs auf „Honor Is Dead“ folgen einer unlogischen Anordnung und das abschließende „130“ macht den Deckel nicht zu, sondern lässt ihn nach kurzer Zerstörungswut offen stehen und den Hörer eher ratlos zurück. Bleibt spannend, wohin sich die Band entwickeln wird, momentan scheinen sich WOVENWAR noch nicht so ganz darüber im Klaren zu sein, wo es hingehen könnte.

Mal abgesehen von den beiden Balladen, würde sich jeder einzelne Song auf einer Modern-Metal-Playlist gut machen – „Honor Is Dead“ kann als Ergebnis aber nicht erschüttern, lässt den letzten Schliff vermissen. Der WOVENWAR-Review zum Debüt von Kollege Kreutzer kann meinerseits zu 100% zugestimmt werden, aufgrund der hörbaren Steigerung, schließt „Honor Is Dead“ mit einer aufgerundeten 7-Punkte-Wertung ab. Hier noch was für’s Phrasenschwein und weil es so gut zu christlichem Metalcore passt: Der Weg ist das Ziel.

 

14.10.2016

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