
Soundcheck April 2026# 1
Galerie mit 24 Bildern: At The Gates - Wacken Open Air 2022


Nach dem Tod von Sänger Tompa befinden wir uns am Ground Zero des schwedischen Death Metal. Neben Stille und Traurigkeit bleibt uns nur das finale Studioalbum, das Tomas kurz vor seinem letzten Krankenhausaufenthalt eingesungen hat.
Es fällt schwer, das Album losgelöst von den Emotionen zu betrachten, die sein Verlust verursacht hat. „The Ghost Of A Future Dead” soll mehr sein als nur ein Grabstein und eine Vorhersehung. Es soll sich auch musikalisch auszeichnen und nicht nur von Tod und Vergänglichkeit geprägt sein.
Ein würdiges Requiem.
So verzeichnen wir auf „The Ghost Of A Future Dead“ nach mehrjähriger Abstinenz von Gitarrist Anders Björler, der einen starken Einfluss auf das Songwriting der Platte ausübt. Im direkten Vergleich zur letzten Scheibe „The Nightmare Of Being“, die für Bandverhältnisse vertrackt, verkopft und stellenweise unnahbar wirkt, lebt das neue Album von einer sehr runden Mischung aus Nostalgie, griffigen AT THE GATES-Riffs und natürlich den unverkennbaren Vocals. Es ist in sich sehr dynamisch, vielseitig und aggressiv, aber auch sehr düster und nihilistisch.
Die einzelnen Songs sind meist eingängig, erinnern oft an den „Slaughter Of The Soul”-Vibe, fangen aber hin und wieder auch das Flair von noch älteren Nummern ein. Ein Track wie „The Dissonant Void” erinnert beispielsweise stark an „Terminal Spirit Disease” und ist wirklich eines der Highlights des Albums. Ebenfalls absolut grandios ist das darauffolgende „Det Oerhorda”, das sich eher im Midtempo bewegt, aber durch Leads und verspielte Variationen eine sehr intensive Atmosphäre erzeugt. Mit „Tomb Of Heaven” gehen AT THE GATES dann noch einmal mit Gänsehaut-Intro und Riffing par excellence in die Vollen.
Bei allem Respekt und aller emotionalen Ergriffenheit muss jedoch auch klar gesagt werden, dass nicht jeder Track das Niveau der Höhepunkte halten kann. Gut gespielte Raser wie „A Ritual Of Waste”, „Of Interstellar Death” oder „The Phantom Gospel” sind ganz typische AT THE GATES-Nummern, die handwerklich kaum Wünsche offenlassen. Im Vergleich zu den bereits erwähnten Tracks reichen sie jedoch weder vom Songwriting noch von der Emotionalität heran.
Traurigkeit soll nun mein Begleiter sein.
„The Ghost Of A Future Dead“ ist in jeder Hinsicht hörenswert: Es ist das letzte Album mit Tompa und hinterlässt bei jeder Rotation einen düsteren Schatten, der uns unsere eigene Sterblichkeit bewusster denn je erscheinen lässt. AT THE GATES werden mit diesem Album unvergesslich bleiben. Genau aus diesem Grund ist das Album so wichtig: Es ist die bestmögliche Variante, die nach Lindbergs Vorstellungen und Ideen umgesetzt wurde und sich auf höchstem Niveau bewegt. Es gibt somit für keinen schwedischen Death Metal-Liebhaber einen Grund, sich diese gut produzierte, hoch emotionale und musikalisch anspruchsvolle Platte nicht in den Schrank zu stellen.
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Oliver Schreyer


















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