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Soundcheck Februar 2026# 12
ZEPTER sind eine junge Band aus Österreich, „Zepter“ nach einer EP ihr erstes Album. Da stellt sich die Frage: In wessen Hand vermag es zum Instrument souveräner Herrschaft zu werden? Wer schwingt das „Zepter“ von ZEPTER authentisch und machtvoll?
Jene noble Person sollte auf jeden Fall ein Reich im Blick haben, in dem nicht zwingend jede kulturelle Neuerung der letzten vier Jahrzehnte geachtet oder auch nur gekannt wird. Ein Reich, in dem der Name High Roller Records ehrfürchtig ins Hochamt integriert ist. In dem Hosen eng und unechte Metaller komplett geschnitten werden. Und Haare maximal vorne etwas. In dem die NWOBHM und überhaupt die frühen Achtziger die zentralen Elemente von Bildung und Wissenschaft darstellen.
ZEPTER verbinden die NWOBHM mit einem Hang zum Speed
ZEPTER nämlich verbinden einen hochmelodischen frühbritischen Ansatz mit einer grundsätzlichen Offenheit für Schnelleres wie Teenage-METALLICA. Dabei gelingen der Band durchaus griffige und selbstredend nicht überproduzierte Songs, die man sich als Teil der Zielgruppe gefahrlos ins Kassettendeck des Scirocco II schieben darf. Dass man auf dem Weg zum royalen Kellerclub geblitzt wird, die Gefahr besteht allerdings trotz genannter Speed-Metal-Schlagseite auch nicht. Denn mögen frühe TYGERS OF PAN TANG beispielsweise artverwandt sein, so erscheinen deren Werke doch ungleich packender.
Doch der „Zepter“ wirkt zu ungeschlacht aus dem Stahl gehauen
Das liegt zum Teil am Gesang. Technische Perfektion ist auch im Metal kein Muss, und Überzeugung ist oftmals der Schlüssel zu Herz und Faust der Zielgruppe. Ja: Eher charakteristische denn technisch brillante Vocals, halbhoch und tendenziell lakonisch vorgetragen, können ihren Reiz haben. Und beim softesten „Lonely Night“, einem Cover der unbekannten SCREEM, funktionieren die auch bei ZEPTER ganz gut. Fast weht hier ein Hauch von Mike Tramp (WHITE LION, FREAK OF NATURE) durch die Thronhalle.
Meist aber wirkt diese Art des Vortrags eher als Bremse, nehmen die Songs nicht recht fahrt auf. Und da der ZEPTER-Sound prinzipiell mehr Metal ist als Rock (anders als zum Beispiel bei TANITH etc.), ist das zu bedauern. Spätestens bei einem Song wie „The Slayer“, der im Grundgerüst wie „Kill ‚Em All“ mit gestutzten Krallen klingt, fällt das auf und läuft nicht mehr vollends unter „charmant“.
Hinzu kommt, dass die wirklich herausstechenden Riffs und Melodien fehlen. Alles auf der Platte wirkt zwar liebenswert, aber (noch) nicht meisterhaft ausgearbeitet und verbunden.
(Variante B, auch mit Blick auf die Rezeption andernorts: Der Rezensent hat keine Ahnung und soll doch bitte auf dem Weg zur Oper weiter irgendwelche 100-Spur-Aufnahmen auf seinem High-End-Walkman genießen.)

Zepter - Zepter
Marek Protzak



























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