Corvus Corax
Cantus Buranus II (Preview)

Special

Vor drei Jahren vertonten die Berliner Spielleute zum ersten Mal Texte aus der Carmina Burana. Dudelsäcke, Chöre, Orchester – großer Einsatz, viel Lob! Nebenbei stellte man mögliche Nachahmer aus der Szene vor gewaltige Hürden: Insbesondere das finanzielle Risiko und hoher organisatorischer Aufwand dürften neben dem notwendigen musikalischen Fachwissen dafür verantwortlich sein, dass keine Mittelalter-trifft-Klassik-Schwemme einsetzte. Nun wollen CORVUS CORAX die eigene Vorgabe zumindest erreichen. Doch eigentlich streben sie mit “Cantus Buranus II“ (“Cantus Buranus 2“) natürlich nach mehr…

Corvus Corax

Für die Aufnahmen konnte diesmal das Babelsberger Filmorchester gewonnen werden. Den weiblichen Sologesang übernahm erneut Ingeborg Schöpf, Sopranistin an der Staatsoperette Dresden. Als Tenor wurde Klaus Lothar Peters verpflichtet, der bereits in den Opernhäusern von Brüssel und Nizza seine Stimme erhob. Außerdem hat man die Beziehung zu Bernard Fabuljan vertieft; der international erfahrene Dirigent, Arrangeur und Pianist ist seit 2006 in das Projekt involviert. Die Band entwickelte zudem neue Dudelsäcke, um besseres Zusammenspiel mit den klassischen Musikern zu gewährleisten (mehr demnächst im Interview). Frisch an der Instrumenten-Front tauchten auch Taikos auf. Seit mehreren tausend Jahren sind diese Trommeln Teil der asiatischen Kultur, jetzt sind sie also ebenfalls Teil weltmusikalischen Crossovers. Beste Voraussetzungen, um mit dem zweiten “Cantus Buranus“-Werk die Messlatte vielleicht sogar noch etwas höher zu legen? Hier stellen wir schon mal neun von dreizehn Stücken näher vor.

Veritas Simplex

„Nie erlernte ich die Kunst / Lob zu zollen dreister Schmach / an der Falschheit mir’s gebrach / zu erschleichen Fürstengunst…“ Auch im zweiten Teil werden alle Texte auf Latein vorgetragen. Die Übersetzung verdeutlicht jedoch, dass den Hörern diesmal kein alles erschlagendes „Fortuna!“ entgegengeschmettert wird. Stattdessen führt sich mit den ersten Zeilen der Tenor ein, bevor getragene Klänge in dramatischen Streicher-, Trommel-, Dudelsack- und Chor-Einsätzen aufgehen.

Miser

Das zweite Stück dagegen legt sofort düster, bedrohlich und gewaltig los. „…Asche ist dein Sein / also füg dich drein…“ Bei aller Schnelligkeit und Dynamik wurde trotzdem Wert auf einen differenzierten Sound gelegt.

De Mundi Statu

Die Klänge können sich entfalten, die Dudelsäcke wirken integrierter, die Spannungsgestaltung variabler. „…Immer hatte ich gehofft, dass da einer lebe / der der Welt im Niedergang neuen Auftrieb gebe…“ Nun, zumindest “Cantus Buranus II“ erscheint sogar noch etwas ausgefeilter – von wegen Niedergang!

Vitium In Opere

Sicherlich trägt auch die finsterere Grundstimmung ihren Teil dazu bei, den Eindruck von mehr Tiefgang zu erzeugen. Mit Trommeln und Bläsern startet dieses Stück rhythmisch-rituell. Definitiv der Stoff, aus dem Hollywoods Soundtrack-Träume sind.

Quid Agam Misera

Zu reichhaltigen Portionen weiblicher und männlicher Chor-Dramatik erklimmt man einen Berg. Gelegentlich verschnaufen, den Blick schweifen lassen. Wieder fällt das gelungene Zusammenspiel von Band und Orchester auf. Dudelsäcke sind wahrscheinlich selten so sehr Teil des Ganzen gewesen wie hier. „…Für die Freuden dieser Welt sterbe ich mit Freuden / an die Güter dieser Zeit will ich mich vergeuden…“ Alle erreichen die Spitze, vorneweg der Tenor.

Causa Ludi

Vor dem Finale ein gleichmäßiges, getragenes Stück. Sanft schunkeln Percussions und Streicher dahin, bevor zum Schluss in der Ferne schwarze Wolken aufziehen…

Magnum Detrimentum

…und langsam näher schweben, kommen, stampfen. Auftritt der Diva: „…Hört denn, Allerwerteste, Schmach geht im Lande / Diese Brüder, scheint mir, sind Ursach aller Schande / hundert Tage Ablass sie für ein Frühstück geben / Gold und Silber sammeln sie für ihr Sünderleben.“

In Orbem Universum

Drama, Baby!

O Varium Fortune

Zum versöhnlich-erhabenen Ausklang gibt es die volle Breitwand-Chor-Seite. Feierliche Atmosphäre wird beschworen. Großartig.

Die gehörten 51 Minuten lassen keinen Raum für Zweifel: Auch “Cantus Buranus II“ wird über Genre-Grenzen hinweg zu den absoluten Glanzlichtern des Jahres gehören. „Die anderen Stücke waren eigentlich auch schon fertig, aber wir haben das mit dem Mischen nicht mehr rechtzeitig geschafft. Der Thommy Hein (TANZWUT, ZERAPHINE, EXTRABREIT, DIE ÄRZTE…) hatte im Anschluss nahtlos die nächste Produktion, deswegen mussten wir warten, bis das Studio wieder frei war. Wir haben aber die Songs so ausgewählt, dass wir das ganze Spektrum drin haben. Die restlichen vier passen da also rein. Ein Sonderfall ist noch ’Chou Chou Sheng’. Da haben wir einfach mal einen eigenen Song, den man vielleicht von CORVUS CORAX schon kennt, genommen und orchestriert – so als eine Art Bonus-Track.“ Was gibt es noch zu wissen? “Cantus Buranus II“ erscheint am 1. August. Am Abend zuvor wird das Projekt Zehntausende in Wacken begeistern. Das ausführliche Gespräch mit „Harmann der Drescher“ folgt. Bis dahin kann man sich unter www.myspace.com/cantusburanus einen ersten Eindruck von ’O Varium Fortune’ und dem Entstehungsprozess verschaffen.

Galerie mit 22 Bildern: Corvus Corax - Der Fluch des Drachen
18.06.2008

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