Emergency Gate
World Infected Tourblog Teil 3 (Shanghai, Peking)

Special

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World Infected Tourblog Teil 1 (Mons, Moskau)

World Infected Tourblog Teil 2 (Beijing, Shanghai, Zhengjiang, Shanghai)

Shanghai – Peking

An unserem Off-Day haben wir noch ein bisschen Zeit, Shanghai zu erkunden und schlendern am Nachmittag über ein paar Märkte. Vlad, unser Gitarrist, hat dabei immer mindestens einen Spieß mit gegrilltem Fleisch/Oktopus/Schuhsohle in der Hand. Am Abend gehen wir noch mit unseren Freunden von MASTERPLAN und LACRIMAS PROFUNDERE zum gefühlten hundertsten Mal chinesisch essen. Gestärkt geht es am kommenden Tag zurück nach Peking, wieder mit dem Zug, wieder recht entspannt. Und tadaa: Wir haben endlich ein Hotel mit Pool! Zwar recht klein aber mit richtigem Wasser. Die lustige chinesische Crew des Hotels sieht, nachdem wir ihnen Shirts und CDs signiert haben, auch über die Sperrstunde von 22 Uhr im Hallenbad hinweg.

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Am nächsten Vormittag erkunden wir noch ein wenig das Einkaufszentrum, das um die Ecke des Hotels liegt: Das „Golden Resources Shopping Centre“ ist gefühlt dreimal so groß wie der Münchener Flughafen und hat auf fünf Stockwerken wirklich alles, was das Herz begehrt. Alles, bis auf Deo. Es gibt tatsächlich kein Deo in China, es sei dann, man möchte importiertes Nivea Super Sensitive Deo für umgerechnet 15 Euro. Auf Nachfrage kriegen wir die Antwort, dass das „eher was für junge Leute sei“. OK. Ich verstecke mein Axe in meinem doppelten Kofferboden, als ich wieder im Hotel bin. Sicher ist sicher.

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Am Nachmittag werden wir abgeholt und ins „Yu Gong Yi Shan Lifehouse“ gefahren, einem sehr rocknrolligen Club, in den ungefähr 400 Leute passen. Lustigerweise treffen wir unsere Freunde Franz und Co. von ANTHELION wieder. Die sind heute Vorband von uns und wir wiederum Vorband von ORIGIN, unfassbarer Death Metal aus Australien. Als wir gerade dabei sind, unser Zeug in die Halle zu laden, stecken die Aussies schon mitten im Soundcheck und zocken dermaßen einen auf, dass es bei uns erstmal etwas still in der Band wird. Weiße KEYTAR mit Electro-Sounds vor dem brutalsten Siebensaiter-Doublebass-Gerammel? Naja wir bauen auf, checken Sound und werden von Wu, unserem Freund, der uns auf den ganzen Festivals als Tech und Hand zur Seite steht und heute unser Kindermädchen ist, in eine kleine Kneipe entführt. Die anderen aus unserer Band haben sich schon seit einer Woche auf Ging-Bao Chicken und Chilli Rindfleisch eingegroovt aber mich interessieren dann doch auch kleine lokale Gerichte (was bei „nur Gemüse“ zwar immer ein bisschen schwierig ist, aber dann meistens doch funktioniert). Also lasse ich mich von Wu beraten. Der bestellt daraufhin kleine Reisdreiecke. Ich sehe zum Glück erst danach auf der Karte, dass das Gericht mit „Fried Enemy“ übersetzt ist. Wir ignorieren den englischen Teil der Karte und hauen uns das Zeug in den Bauch, „Zshá guànchang“ ist nämlich unfassbar gut. Anscheinend besteht es aus Reis, Soja und Mais und wird noch heiß in etwas getaucht, was nach Wasser und Knoblauch aussieht aber unfassbar gut schmeckt. Für die letzten Tage in China muss uns Wu zu jedem Essen das Knoblauch-Wasser bestellen.

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Mit Fahne geht es zurück in den Club, unsere lustigen Taiwanesen sind mit Corpse-Paint und Kunstblut fast nicht mehr zu erkennen, haben aber ordentlich Spaß auf der Bühne. Als wir dannach selber auf die Bühne gehen, merken wir zwar, dass die Crowd eher auf den Schnellzug-Death-Metal von ORIGIN wartet, aber nach dem zweiten Song gehen die Chinesen gut ab. Nach der Show werden wir in Van Gaos Kneipe gefahren, um dort in den Geburtstag von Jari, dem Bassisten von MASTERPLAN, hineinzufeiern. Die Rezeptionistin seufzt zwar, hält mich aber nicht auf, als wir um 4:30 Uhr mit dem Taxi ins Hotel kommen und ich noch einmal in den Pool hüpfe.

Die Nächsten drei Tage stehen für uns ganz im Zeichen des letzten und auch wirklich großen Festivals, das wir in China spielen: Dem MIDI FESTIVAL BEIJING. Dieses Jahr findet das Festival auf einem riesigen Konferenzareal mit Trabrennbahn und Tempelrestaurant auf dem Berg statt. Eigentlich sollten wir um 16 Uhr und MASTERPLAN um 17 Uhr Soundcheck machen, aber als wir um 15 Uhr ankommen, sehen wir, dass es bei dem morgigen Headliner SUEDE (die Engländer kennt jeder: „Heere they cooome the beautiful ones… the beautiful oooaannes“) ziemliche Probleme mit der Technik gibt. Wir amüsieren uns derweil mit streunenden Hundewelpen, Schwänen und Kaninchen, die oben auf der Tempelanlage hin und her rennen.

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Nach viel Geschrei und Gezeter brechen die Techniker der britischen Band den Soundcheck erfolglos ab und MASTERPLAN können auf die Bühne. Irgendwie ist das Festivalgelände schon offen, denn als unsere Freunde um kurz nach 20 Uhr ihren ersten ganzen Song spielen, werden sie von etwa 500 Chinesen, die vor der Bühne stehen, abgefeiert. Wir können auch noch schnell checken aber, war ja klar, bei uns verirren sich nur noch 50 Leute vor die Bühne. Ist ja auch schon spät.

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Da MASTERPLAN schon am nächsten Tag spielen nutzen wir die Zeit, um mit Van Gao die Verbotene Stadt und den Tian’anmen Platz anzusehen. So schön die Sonne auch scheint und so kalt das Bier auch ist, das uns dort aus parkenden Autos heraus verkauft wird, trotzdem überkommt uns etwas wie eine kühle, ehrfürchtige Brise, als wir von dem Ort, an dem vor 25 Jahren einer der größten demokratischen Volksaufstände niedergeschlagen wurde, Richtung Verbotener Stadt laufen, von deren Eingang uns ein überdimensionales Mao-Portrait begrüßt. Womit niemand gerechnet hatte: Auch in China ist der 1. Mai ein Feiertag. Und so kämpfen wir uns mit etwa 100.000 Chinesen durch die ersten Paläste der Verbotenen Stadt. Als es zu regnen anfängt, flüchten wir in die U-Bahn unter dem Tian’anmen Platz und warten darauf, uns nach unten zu kämpfen. Bisschen eng, nass und stickig (die Deo Sache kommt uns wieder in den Kopf). Vor uns Chinesen, hinter uns Chinesen, nur der Oberkörper von Vlad unserem Gitarristen ragt mit seinen 2 Metern gute 20 cm aus der Masse.

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Als wir am nächsten Tag auf das Festival fahren, hat unsere Bühne schon kein Dach mehr. „Weggeflogen“, Schulterzucken. Na gut, wenigstens regnet es nicht. Es ist nur windig, und der Himmel ist schwarz. Ein leichtes Déjà-vu-Gefühl von unserer Shanghai-Festival-Show kommt auf. Unser Intro startet und wie auf Bestellung fängt es an zu regnen, zwar nicht wirklich stark aber naja es gibt halt auch kein Dach. Hacker unser Techniker hat während der Show alle Hände voll zu tun, umgewehte Beckenständer wieder aufzustellen, den Monitor-Mann anzuschreiben und meinen Laptop in Plastik zu packen. Unser Soundmann Max hat derweil damit zu kämpfen, dass der Regen viele Festivalbesucher in das FOH-Zelt treibt. Keine Absperrung, keine Hemmungen. Mit jedem Fader, den er verschieben will, muss er zwei bis drei Chinesen aus dem Weg schieben. Trotzdem bläst der Sound die Leute vor der Bühne gut weg und die Chinesen verwandeln das Infield wieder in ein Schlachtfeld. Feucht aber glücklich fahren wir wieder ins Hotel zurück, schließlich geht es um 3:00 Uhr schon nach Nagoya, Japan. Der kommende Flug sollte dann auch so ziemlich das coolste sein, was uns bis jetzt auf Tour an Verkehrsmitteln geschehen ist…

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Galerie mit 28 Bildern: Emergency Gate - Rockharz Open Air 2013
13.05.2014

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