Emil Bulls
Tourtagebuch

Special

Exklusiv für metal.de berichtet uns Gump, Roadie der EMIL BULLS, von deren laufender „The Black Path“-Tour. Von den Leiden des jungen Mannes, hunderttausenden verbratener Kilowattstunden und ziiiiemlich dicken Rock’n’Roller-Klappen lest Ihr im Folgenden.

Emil Bulls

Tourtagebuch

Tag 1
HELL-o, oder auch Guten Tag!
Heute beginnt es also, ein weiteres tolles Abenteuer der wundervollen Straßenwelt Deutschlands, Österreichs und Sloweniens. Das sind die Länder, in die ich mich unter Obhut, oder unter Obhut nehmend, mit einer der besten Livebands aus den heimischen Gefilden begeben werde. Zu meiner Person, mein Name lautet Gump, ich begleite die EMIL BULLS seit nunmehr knapp zehn Jahren auf ihren Wegen durch das Asphaltgewirr Europas. Ich kümmere mich um das Equipment, die Backline, der Jungs. Also Tag für Tag Equipment ausladen, aufbauen, Saiten wechseln, den Gig betreuen, wieder abbauen, und in den Trailer einer unserer beiden Nightliner verladen.

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Ja… Da um eine objektive Meinung gebeten wurde, übernehme ich die Aufgabe, und wurde zum Verfasser und Urheber dieses Blogs verurteilt. Da ich mich aber nicht verurteilen lasse, von nichts und niemanden, biege ich die Story auf meinen Gedanken basierend hin, so dass es hoffentlich auch Euch gefällt. Die ersten drei Tage bzw. Gigs der seit vergangener Woche laufenden „The Black Path Tour“ hat es uns nach Österreich verschlagen. Wundervoll, denkt man. Österreich – gutes Essen, gute Luft, schöne Frauen… selten hat man etwas Schöneres auf Tour zu erleben. Den Anfang macht Wien, Hauptstadt und extrem egozentrisches Kulturgebilde um eine Bevölkerungsklasse deren Haupteigenschaft es wohl sein mag, sich möglichst unfreundlich und unhöflich gegenüber allen Fremden zu verhalten. Dazu später mehr.

Emil Bulls

10 Uhr vormittags – Bandraum – Abfahrtsvorbereitung:
Hinter einem Bauhaus und Fitnessstudio gelegen treffen sich die reisenden Kumpanen, um noch die Reste des zu verladenen Gutes im viel zu kleinen Sprinter der diesmaligen Vorband FROM CONSTANT VISIONS, kurz FCV genannt, zu verstauen. Eigentlich handelt es sich um den Merchandise der Bulls. Da wir, oder die Crew, den Merchandise als Nightliner-Trailer-unwürdig deklariert haben, belasten wir damit die FCVs. Schließlich wollen wir mit unserer Dekadenz und zwei Nightlinern – einer für die Band, einer für die Crew – protzen. Macht ja schließlich auch Spaß, außerdem ist es schon seit je her eine unaufgeschriebene Tourregel der Bulls, immer Bugwelle zu schieben. Und das wird auch gemacht. Protzen statt klotzen eben. Nachdem wir uns noch von den FCVs verabschiedet haben, ihnen nochmals verboten haben die Nightliner jemals zu betreten, und uns schließlich auch noch dazu entschlossen haben den vorher zugesagten Benzinzuschuss zu streichen, setzen sich die beiden schwarz lackierten Ungetüme in Bewegung. Autobahn, Richtung Süden, 450 km.

Es folgt Entspannung. Schon beim ersten Tankstellenstopp, der definitiv nicht für Diesel stattgefunden hat, werden die Busse belagert. Einige Dutzend Schaulustige finden sich an den Türen des Band-Busses ein um die ersten Autogramme in diesem Jahr zu erhaschen. Seltsam, dass das Klientel dieser Band immer noch zu fast 95% aus Interessierten des weiblichen Geschlechtes besteht. Seltsam aber dennoch gut, zumindest für mich, den ich bin ja der Roadie, und das zieht ungemein, nur als kleiner Tipp am Rande. Nach einer guten Stunde Aufenthalt werden schließlich auch die letzten Belagerinnen aus den Türen entfernt und die Kolonne wälzt sich wieder gen Süd-Osten. Wie wir, die Crew, nach einigen Minuten feststellen dürfen, haben wir unseren Bus nicht gründlich genug gecheckt, nach dem Tankstellenstopp. Wieder einmal gut für mich. Die beiden schwedischen Tramperinnen sind durchaus willkommene Gäste. Nach unserer Ankunft in Wien, um genauer zu sein, am Viper Room in der Landstrasser Hauptstr 38, stellen wir mit Entsetzen fest, dass es nicht genug Stellfläche für unsere Busse gibt. Telefon gezückt, Nummer gewählt, Bauunternehmer angerufen. Nach eineinhalb Stunden ist das Problem gelöst, eine Umstrukturierung sowie der folgende Umbau des Buergersteiges lassen das Straßenbild in neuem Glanz erstrahlen. Um genau zu sein, es stehen da jetzt zwei fette Busse und es sieht toll aus. Nun das Alltägliche, Trailer auf, den Stagehands angeschafft, dass sie gefälligst das Equipment sauber und ordentlich auszuladen haben, Kaffee geholt, auf die Bühne gegangen – 12m x15m – etwas schmal, aber geht noch. Equipment hingestellt und ab geht der Soundcheck. Vor den Katakomben des Viper Rooms sammeln sich, wie mir unser Merch-Mann Max, kurz Max, berichtet, die Menschenmassen sämtlicher Couleur. Nachdem der viereinhalbstündige Soundcheck erledigt ist, gibt es noch 20 Minuten Aufbau und Soundcheck für FCV – dann ist Ruhe angesagt, Essenszeit. So ist es schön, die tun was man anschafft, gefällt mir, deren Einstellung zum Touren und überhaupt. Sie meckern nämlich nicht.

Nachdem der Caterer – oder wie ich ihn nenne, der Essensbeschaffer – uns die Nahrungsaufnahme vorbereitet, geht es gesittet und im schwarzen Livre zum Diner. Vorzüglich, wenn man sich die Anschaffung eines Mitreisenden Caterers leistet. Um den Essensbeschaffer namentlich zu erwähnen, er heißt Alfredo Kreithmeier-Kambitz.
Showtime Support (Support werden Bands genannt die vor dem Headliner spielen)
Tosendes Publikum ergießt sich vor der Bühne in schweißtreibende Tänze der eher unnatürlicheren Art. Gute Resonanz kann man behaupten. Dennoch ist das was es zu sehn gab nur ein kleiner Aperitif auf die monströse Live-Show der Bulls. Allein drei Trucks in denen sich ausschließlich Material für den Bau der Bühne und die Lichtshow befindet, dazu noch mal drei Trucks mit Material für die akustischen Installationen. Wie gesagt, Protzen statt klotzen. Es wird unglaublich werden.

An dieser Stelle eine kurze Erläuterung der Show-Konzeptionierung. Es wird fett. Hell. LAUT!
Umbaupause (oder auch Changeover)
Schnell die Backline des FCV von der Bühne geschmissen, die Abdeckungen von unserem Equipment entfernt und die Amps angeheizt. Zündschlüssel an, Zündung gestartet, der Schiffsdiesel für die Stromversorgung und das Intro läuft. Ein Höllengerät.

17000 PS – Schier unglaubliche Leistung die sich hier bereitstellt.
Der Boden bebt, der Rauch verdichtet sich, die PA heult auf, die Show startet. Blitz, Donner und dichter Hagel übergießen das Publikum. Die Meute rastet aus. Die ersten Akkorde des Eröffnungssongs bringen die Speaker zum vibrieren, elektrische Signale werden in Schall gewandelt. Für eineinhalb Stunden ist Anarchie in den Köpfen des Publikums ausgebrochen, Chaos beherrscht den Saal, die Sanitäter kommen nicht mehr zu Atem.
Wahnsinn!

Nach den Schlussakkorden in Moll geht es wieder ans Werk, abbauen, einpacken, den Stagehands anschaffen dass sie gefälligst vorsichtig zu sein haben, wenn sie die noch glühend-heißen Verstärker von den Boxen nehmen – schließlich ist es nicht nötig dass die Röhren kaputt gehn. Die halten sich bei uns schon ein paar Tage, werden aber nach fünf Shows vorsichtshalber gewechselt, für den besseren Sound.

Tag 2, 3 und 4 verlaufen ähnlich, rauben mir allerdings die letzte Geduld. Ich fasse mich kurz:
s.o.

Tag 5
Wieder einmal hat das heimische Bett unsere Namen gerufen, zumindest teilweise, und frohlockend wie es nur nach einem Off-Day sein kann, trifft sich die ganze Bande, um die heimischen Gefilde zu verlassen und sich auf ungewisse Reise quer durch Rock-Geschichte unseres Landes zu begeben. Los geht es Richtung Norden, dann Westen und dann wieder Norden – Köln. Herrlich, immer wieder eine Freude. Doch die ersten Probleme lassen nicht lange auf sich warten. Kurz vor der grandiosen Rheinüberquerung die sich vollzieht, wenn man aus dem Süden gen Köln zieht, bleibt erstaunlicher und unerwarteter Weise einer der Sound-Trucks auf einem Parkplatz liegen – Motor heiß. Jetzt heißt es 6 Trucks auf 5 verteilen, keine leichte Aufgabe, wir brauchen Arbeiter. Unser Tourmanager C. merkt an dieser Stelle wie vom Blitz getroffen an, das man doch Arbeiter kaufen könne, also bezahlen, und schon steht er mit einer Handvoll Geldscheine (die Farbe konnte man nicht mehr erkennen – zu weit weg) wedelnd am Rand der Autobahn.

Schnell finden sich 27 Freiwillige, die nach eingehender Kontrolle und Voruntersuchung ausgewählt wurden. Knappe 63 Minuten danach hat der Spuk ein Ende. Es folgt der Kassensturz. 8 Helfer wollten kein Geld, sie haben sich geehrt gefühlt und verzichtet, 4 haben jeweils 8,75 Euro erhalten, und die Restlichen konnten wir leider nicht bezahlen, sie konnten nicht wechseln. Schönes Gefühl, nichts dafür zu können. Nach den überstandenen Gefahren und Anstrengungen auf der Strasse, folgt der nun doch endlich alltägliche Arbeitstrott: rumstehen, schrein und unverständliche Anweisungen brüllen. Es läuft gut, wir sind gut in der Zeit. Heute reiht sich eine weitere Band ein in die Analen der Support-Band-Geschichte – BUTTERFLY COMA (kurz: butterflycoma). Willkommen!
Volles Haus steht an, die Menge tobt, zigtausend Kilowattstunden werden verbraten, Jubel. Schnell ausgeladen, geduscht, Massage abgeholt und dann auf die „After-Show-Party“ geeilt. Der Anteil weiblicher Exoten in den Gefilden der Katakomben hinter der Bühne lässt hoffen. Hier gewunken, da gewunken, niemand hält jemanden auf. Nach dem ein oder anderen Bierchen stellt sich nunmehr auch ein Gefühl der Geselligkeit ein. Vielen Dank.

Tag 6 – 9
Nachdem im ersten Dreierblock die Hallen im westdeutschen Raum gerockt wurden, geht es heute in Magdeburg weiter. Kurz nachdem wir aus unserem 7-Sterne-Ressort ausgezogen waren, und die Busse uns in ihren Bäuchen verschlungen haben, nehmen die schwarzen Reiter Fahrt auf. Den gestrigen Offday haben wir in unserer Hauptstadt verbracht, die Wellness- und Massage-Angebote waren durchaus ansprechend, ich habe mich für die Thai-Massage entschieden.

Emil Bulls

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Nach der Wellness stand dann ein lange angekündigtes Charity-Dinner an, auf welches die Band eingeladen wurde, allerdings hatte keiner der Musiker noch genug Energie um diesen Öffentlichkeitsauftritt zu absolvieren.
Bereitwillig, wie Crews nun mal sind, haben wir entschlossen, diesen Abend für unsere Jungs zu übernehmen. An der Rezeption haben wir uns das richtige Outfit bestellt – Tuxedo war angesagt – und kurz nach 20 Uhr stand auch schon die Limousine bereit. Nach der Ankunft am Potsdamer Platz hagelte es Blitzlichter der Fotografen, die jedoch mäßig enttäuscht reagierten, als sie anstatt der angekündigten Band nur deren Fahnen im Wind fotografieren konnten. Geschmeidig haben wir uns über den roten Teppich bewegt, unbeachtet, dafür gut aussehend.
Am Tisch angekommen konnten wir einen kurzen Blick auf die Tischkärtchen der Sitznachbarn erhaschen, um festzustellen, dass uns etwas Großes bevorstand. Zu meiner Linken sollte sich eine gewisse Heidi Klum einfinden und auf der anderen Seite ein gewisser David Hasselhoff, besser bekannt als “The Hoff“. Ich musste kurz bei der Bedienung, einem jungen Pakistani namens Brabang, nachfragen, ob er mir sagen konnte wer denn diese Klum sei. Er antwortete nur brüskiert, sie sei die Frau eines afro-amerikanischen Sängers, dessen Name ihm entfallen war. Da blieb mir nur zu hoffen übrig, dass sie alleine unterwegs ist. Und so gestaltete es sich dann auch, eine hübsche Frau in ihren 30ern nahm an meiner Linken Platz. Das gab Hoffnung.

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Der Abend gestaltete sich jedoch etwas mühselig und langweilig, nachdem ich erfahren hatte, die Dame sei Model, und eine der berühmtesten Deutschen in der internationalen Presse. Über was soll man mit Models eigentlich reden? Wie viel Glück sie haben, gut aussehend geboren worden zu sein? Über Frisuren? Tagesgagen? Ja. Genau.
Der Mann zu meiner Rechten jedoch offenbarte sich als Rettung des Abends, amüsante Gespräche, Trinksprüche und lustige Anekdoten aus dem Leben des amerikanischen Multimillionärs retteten meinen bzw. unseren Abend.
In einer Zigarettenpause, die ich vor der Tür genoss, gelang es mir noch, die restlichen Sitzplätze, die der Band zustanden, gewinnbringend an den Mann, nein, an die Frau zu bringen. Glücklich und mit drei wunderschönen Frauen kam ich zurück an den Tisch und der Abend ging los. Open bar Dude.
Alles Schöne muss ein Ende haben um in den Genuss des Erfolges zu kommen, und so hat auch dieser Abend ein Ende. Ich verabschiedete mich höflichst von unseren Tischnachbarn und geleitete die drei jungen Damen zu unserer Limousine, ab ins Hotel, die Hotellobby samt Whiskey-Bar und Sofaecke ruft. Weitere Ausführungen zum Verlauf der Nacht unterliegen nicht meiner Berichterstattungspflicht.
Gegen 13 Uhr am nächsten Morgen:
Buscall (zu Deutsch: Abfahrt). Also rein in die Vehikel des Rock’n’Rolls und auf die Autobahn, Magdeburg steht an. Hoffentlich lässt die Halle nichts zu wünschen übrig.

Emil Bulls

Somit genug für heute. Morgen oder Übermorgen folgen weitreichende Erläuterungen zum Thema „Rock’n’Roll – Eine Geschichte“ sowie „Touren für Dummies – Wie es richtig geht“.
Danke.

Tag 10 – 11
Guten Tag,
es gibt viel zu berichten, nach den letzten Tatsachenberichten zu urteilen, herrscht Interesse. So soll es sein. Vielen Dank fürs Lesen.
Am heutigen Off-day – dem Zweiten in Folge – steht nicht viel an, außer das Übliche: Wäsche waschen, essen, schlafen.

Sehr fein. Dennoch sollte man so einiges nicht vergessen, zum Beispiel jede Stunde die Busfahrer anrufen, um den Stand der Dinge bei den anstehenden Reparaturen abzufragen. Auch sollte man die Truckfahrer nicht vernachlässigen, das sind listige Hunde, die schnell zu allen Mitteln greifen. Ich fordere gerne viel von unseren Crews, man muss die Räder ja schließlich am Laufen halten.

Aber abgesehen von diesen Kleinigkeiten verlaufen den allgemeinen Stimmen nach Off-days immer sehr gepflegt ab. Ich für meinen Teil habe mich in die schweigsamen Hände einer Chiropraktikerin begeben , um meinen Rücken gerade biegen zu lassen, im wahrsten Sinne des Wortes – Kaffeetassen sind eine harte Last, und irgendwie muss man ja wach bleiben.

Ganz anders geht es da in den Kreisen der Band zu, da steht gepflegtes Ablegen im weißen Bademantel an, diverse Luxushotels stellen uns Gott sei Dank ab und an Test-Coupons bereit, auf die im alltäglichen Leben wie bei jedem anderen natürlich zurück gegriffen wird. Von daher kann sich da auch niemand beschweren.

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Die letzten Konzerte der Tour, unter anderem in Frankfurt, seines Zeichens Metropole am Main, waren hervorragend. Das ausverkaufte Waldstadion machte uns allerdings in seiner Beschaffenheit als Freiluftbühne zu schaffen, als wir die Trucks voll Material aufhängen wollten, Riggings hoch, Sound rein, Licht rein, is hier leider nicht angesagt. Bühnenbau steht an. Dafür mussten heute an diesem sonnigen Sonntagmorgen ausnahmsweise 96 Stagehands mehr bestellt werden, womit wir dann bei 224 ankommen. 5.30 Uhr geht’s los. Schlafkutte angelassen, Hose drüber, Socken, Schuhe, Hut, Perfekt. Kaffee rein, System läuft, _________. Passwort rein _________. Guten Morgen.

Emil Bulls

Den Bus verlasse ich normalerweise so gegen 5:34 Uhr, dann wird erst mal hier hin geschaut, ah, Catering, da hin geschaut, Duschen, weiter wandert der Blick, Tische, almost there, Stuhl und hingesetzt, danke. Dann kommt der Crewchief an, ich verteile die to-do Liste, sehr fein, trinke Kaffee weiter, nach einiger Zeit, gegen 8:48 Uhr, sind alle eingeteilt und stehen in verschiedenfarbigen Shirts vor mir.

Alle eingeteilt, ihren Supervisors kurz vorgestellt, dann geht’s von dannen. Bis 11:30 muss hier eine Bühne stehen wie sie noch keiner gesehen hat.

Emil Bulls

Gegen 16 Uhr tauchen die Musiker für den Soundcheck auf, um zu checken. Im Schnitt würden normale Menschen denken, naja, wird sicher son bißchen dauern, vielleicht 30 Minuten. Ich jedoch kann versichern dass eine tägliche Leistungserhaltung und Feststellungsprobe für den Gesamtzustand der Musiker sorgt. Da wird nicht nur gecheckt, nein, da geht es um die Verbindung, die Gruppe.

Der Tag verstreicht von nun in geschmeidigen Wogen, Essen steht an, sehr schön. Dann der Termin mit unserem Zahnarzt, das Menu von morgen wird besprochen.

Ein normaler Tag nimmt seinen Lauf. Doch wie jeden Tag wandelt sich die Stimmung beim Einlass der Menschenmassen in ein voll Energie zuckendes Wesen, das jeden beflügelt, der sich ihm entgegenstellt. Jeder tut das gerne in unseren Kreisen. Die Show steht kurz vor Beginn, am heutigen Abend werden wir uns die Mengen von LEAF FAT anheizen lassen, vielen Dank. Großartige junge Kerle, dieser Haufen Zusammengewürfelter aus dem Süden Europas, Slovenien, um präzise zu sein.

Grandiose Stimmungen verbreiten sich in der Arena, die Menschen gehen ab, und das steil. In der Umbaupause, geht’s zur Sache, alles muss auf Anfang. Uns prescht sie davon, die Show. Sie ist ein famoses Wesen, diese Show, sobald sie beginnt mit dem was sie tut, geht’s halt voll ab, nach oben, unaufhaltsam. Das kann nur sie. Da kommen dann Sachen wie 3 neue Hämmer vom aktuellen Werk, gefolgt von stetigen und brachialen Klängen, die uns selten nur entfallen, hin zum Mittelpunkt, und drüber hinweg wie eine Rakete.

Tag 12
Guten Tag,

am heutigen Feiertag gäbe es viel zu berichten aus der Welt der Nachrichten, jedoch beschränke ich mich auf Erfolgswünsche an die Radikalen in Berlin. Wir befinden uns gerade in Karlsruhe, der Nachmittag ist gelaufen, wie immer mit Aufbauen, Soundcheck, etc. und jetzt kurz nach dem Abendessen warten alle gespannt darauf, dass sich die Halle füllt und die heutigen Supports FROM CONSTANT VISIONS und SILENT DECAY das große Rocken beginnen können. Die letzten Konzerte sind glorreich verlaufen, gestern gab es das Allgäu zu rocken, ausverkaufte Halle, Bombenstimmung und großartige After-Show-Party haben schon sehnsüchtig auf uns gewartet. Nachdem die knapp 2200 Gäste das Konzert genossen haben, und das ganze Bühnenbild sowie Technik wieder verladen waren, haben wir, die Crew, uns entschlossen das fürstliche Landhotel einzutauschen gegen Coupons für die örtliche Stripbar. Nachdem der Laden für einige Minuten betreten war, fiel die Stimmung in unseren Reihen auf den Nullpunkt. Kein schönes Lokal. Kurz den Clubbesitzer gesprochen, 4000 Euro hingelegt, und 7 der 10 Mädchen mit auf den Bus genommen und in hoheitlicher Atmosphäre den Rest des Abends genossen. Weitere Ausführungen kann man gerne im Verlauf der Tour bei mir erfragen, für die Öffentlichkeit sind diese Informationen nicht geeignet.

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Für den heutigen Tag bleibt nur zu hoffen, dass der Abend ähnlich verläuft.

Um den morgigen Freitag in vollen Zügen zu genießen, bleibe ich heute alkoholfrei, gehe nicht in den Crewbus, sondern ziehe den sogenannten Wellnessbus vor. Dort erwartet mich nicht nur eine feine After-Show-Massage, das Ganze wird unter anderem gekrönt von einem Entspannungsbad im Whirlpool, sowie einem anschließenden Saunagang. Ich habe außerdem angewiesen, dass der Bus heute leer bleibt und für mich freigehalten wird. Bleibt zu hoffen, dass das auch eingehalten wird. Vertrauen kann man da nie drauf, denn dieser beliebte Aufenthaltsort wird gern in Anspruch genommen. Vor allem von den Bus- und Truckfahrern.

Emil Bulls

 

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Desweiteren beschäftigen mich in den letzten Tagen immer wieder kleinere Probleme mit der internen Kommunikation. Unsere technischen Kommunikationsmittel funktionieren nicht sonderlich einwandfrei. Die Server sind nun schon mehrfach abgestürzt und unser fahrendes WLAN-Netzwerk, welches die einzelnen Busse und Trucks unter einander verbindet und die optimale Route errechnet, sowie allen die Möglichkeit gibt, in der virtuellen Welt des Internetzes zu surfen, tut sich schwer, auch in die letzten Winkel der Busse vorzudringen. So gibt es zum Beispiel in einzelnen Schlafkojen, auch “Bunk“ genannt, immer wieder Ausfälle der Verbindung. Und unter uns, es ist nicht leicht, auf diesen Luxus zu verzichten wenn das Ding schon mal gelaufen ist.

Aber die IT-Systemelektroniker sitzen an ihren Tischen und beheben diese Probleme hoffentlich in nächster Zeit. Das war es für den heutigen Abend, ich melde mich bald von der Rock’n’Roll-Front.

Tag 13
Guten Tag,

wieder mal ist einiges zu berichten, ich fang gleich damit an. Am gestrigen Freitagabend hatten wir die Ehre, Ulm mächtig zu rocken, ausverkaufte Halle, guter Sound und herrliches Licht mit inbegriffen. Jeder der nicht da war hat etwas verpasst, meiner Meinung nach die bis jetzt gelungenste Show der Tour. Die famosen GRANTIG eröffneten die Halle mit ihrer brachialen Show und anschließend spielten sich SILENT DECAY wiedermals in die Herzen des Publikums. Ein rundum gelungener Konzertabend eben.

Nachdem ja gestern Freitag war, und an diesem Wochenende die Aerobic-WM in Ulm stattfindet, hat sich die Crew zusammen mit allen Singles an Bord eine Menge vorgenommen. Daraus resultierend ergab sich die schnellste Beladezeit auf dieser Tour, vielen Dank an die lokalen Stagehands vor Ort, in nur 38 Minuten waren Bühne, Licht und Sound in die Trucks verladen. Daraufhin begab ich mich, ähnlich dem Rest der Bande, unter die Dusche, Rasierer gezückt, gekämmt und so weiter, und dann auf ins Ulmer Nachtleben.

Als wir die Limousine vor dem Hotel betraten, durften wir überrascht feststellen, dass sich eine nicht zu verachtende Menschenmenge um uns herum gebildet hatte. Kann man auch durchaus verstehen, diese 18-Meter-Hummer-Limos erregen aber auch immer so ein Brimborium.

Nun gut, in der Limo stellten wir mehr oder weniger überrascht fest, dass wir fünf Personen zu viel waren, blinde Passagiere hatten sich eingeschlichen. Mit Erleichterung stellten sich zugleich fünf Mitglieder des ukrainischen Aerobic-Damen-Nationalteams bei uns vor. Sie hatten sich in der Limousine geirrt. Nachdem der Wagen sich schon in Bewegung gesetzt hatte, beschlossen wir, die hübschen Damen einfach auf unsere Tour der Nachtclubs mitzunehmen, früher oder später werden wir schon auf ihre Kolleginnen treffen, haben sie zumindest gesagt. Und welch Wunder – nach einem kurzen Telefonat und einer Anweisung an den Fahrer landeten wir nach knapp 20 Minuten und einer oder anderen Flasche Champagner in einem der unzähligen Nachtclubs Ulms. Uns bot sich eine wahnsinnige Kulisse. Knapp 2000 Turnerinnen tummelten sich fröhlich auf der Tanzfläche und tanzten uns ein Schauspiel in ungeahntem Ausmaß. Nach gefühlten 30 Sekunden stand kein Mann mehr alleine herum, manch einer konnte sich fast nicht mehr gegen die anstürmenden weiblichen Personen erwehren. Der Abend verlief für jeden Mann äußerst erfolgreich. Naja, ich kann nur von meiner Wenigkeit berichten, da mir die anderen meistens relativ schnell egal sind, sobald sich der Abend in die Zweisamkeit bzw. Mehrsamkeit wendet. Mit dem Taxi ging es dann für mich und meine beiden Begleiterinnen, Nadeshka und Anastassja, weiter in die umliegenden Clubs. Nach mehreren durchtanzten Stunden erinnerte mich mein mobiles Telefon daran, doch jetzt bitte das Hotel aufzusuchen, um am morgigen Tag verhältnismäßig einsatzbereit zu sein. So geschah es dann aber leider nicht. Im Hotel angekommen, vernahm ich durchdringende Bass-Laute, wie von Musik, tat mir aber schwer, diese zu orten. Nach zwei Sekunden traf es mich wie der Schlag, natürlich, Wellness-Area. Dort angekommen bot sich ein Bild für die Götter. Knapp 40 Personen belagerten zu lauter Musik und gedämpftem Licht den Pool, den Whirlpool, die Sauna und das Dampfbad. Nur das Kaltwasserbecken blieb auf wundersame Weise unberührt.

Mir wurde klar, dass der Abend sich dem Ende wendet, als das Hotelpersonal in Form zweier in weiß gekleideter Frauen sich uns zuwandte und uns langsam für den wohlverdienten Schlaf vorbereitete. Ich verzichtete jedoch und wand mich gleich meiner Suite zu, natürlich nicht alleine, aber diese Ausführungen würden sich zu weit in die Privatsphäre meiner beiden Begleiterinnen begeben.

Am heutigen Tag wenden wir unsere Aufmerksamkeit dem Örtchen Amberg in der Oberpfalz zu. Ob da jedoch wieder eine Aerobic-WM ansteht, bezweifele ich einfach mal so.

Vielen Dank fürs lesen, und nicht vergessen, der Frühling ist da, verliebt euch.

Tag 14 – 15

Guten Tag,

nach der gehaltvollen Rockshow in Amberg vergangenen Samstag, wendeten wir am gestrigen Sonntag unsere Häupter nach Nürnberg. Um genauer zu sein ins Parkhotel Nürnberg, in dem wir einen weiteren Offday genießen durften. Selbstverständlich hat die Hotelleitung uns mit dem üblichen Luxus, den eine Rockband samt Crew nun mal benötigt, ohne Verzagen versorgt. Roomservice, Sauna, Dampfbad, Pool, Pianobar, Hotellounge, Internetzugriff und das nötige Personal. So trug es sich dann auch zu, dass am Sonntagabend die Hotelbar in unsere Privatbar umgewandelt wurde, nachdem sich einige der Gäste über unseren unzulänglichen Umgang beschwert hatten. Die Hotelleitung warf innerhalb von 30 Minuten alle Gäste vor die Tür, kein Wunder, nachdem wir mit unserer Crew und sämtlichen weiteren Anhängseln knapp zwei Drittel des Hotels in Anspruch nahmen. Als Besonderheit hat sich die Hotelleitung dann für unser Sonntagsdinner ein Spezialmenu einfallen lassen. Kurzerhand wurde ein 3-Sterne-Koch aus dem Umland bestellt, um uns mit den köstlichsten Kostbarkeiten der internationalen Küche zu verwöhnen.
Nach dem Abendessen wurde uns das Hotel zu klein und wir beschlossen, uns noch auf ein Konzert in der Nähe des Hotels zu begeben. Dort durften wir jedoch feststellen, dass der einzige Grund, sich dort aufzuhalten in der köstlichen Pizza vom Kiosk vor der Tür bestand.

Nun gut, ein paar Bierchen haben uns dann doch den Spaß bereitet, den wir gesucht haben.

Am heutigen Morgen überraschte uns auf unserem Weg in die Wellnessarea eine Gruppe ankommender Japanerinnen, vielleicht auch Chinesinnen, man weiß es nicht genau. Kurzerhand überredeten wir sämtliche Gruppenmitglieder auf ein morgendliches Workout im Pool mit anschließender Entspannungssitzung in der Sauna. Leider musste die Hotelleitung davor die Saunakapazität auf knapp 70 Personen erweitern. Dies nahm, aufgrund meiner hervorragenden Kontakte in die Bauszene, nur knapp 1,5 Stunden in Anspruch. Nach einem ausgiebigen Sonntagsbrunch im Hotelgarten wandten wir uns dann dem angedachten Wellnessaufenthalt vor unserer Abfahrt in die Konzertlocation zu.

Nach knapp 5 Minuten Fahrt kamen wir dann gegen 7 Uhr an und der alltäglich gewordene Trott nahm seinen Lauf: Ausladen, aufbauen, checken, essen, Internet. Sehr fein.

Jetzt ist es 19:18 Uhr, alles steht in den Startlöchern und in 10 Minuten gehen die Türen auf, um wiedermals die mündigen Massen in den Bauch der Halle zu verschlucken.

Ich wünsche einen geruhsamen Montagabend, bei uns wird gerockt.

Tag 16, 17 und 18

Guten Tag, mal wieder.

Jaja, die lange Hin- und Herreiserei läßt nicht viel Zeit um zu schreiben. Deswegen wird das jetzt nachgeholt. Es geht heute auch ausschließlich um unsere Gigs in Slovenien. Um eins gleich vorweg zu nehmen: der Akku meiner Digicam war leider nach 3 Stunden Aufenthalt in Slovenien schon leer und ich hatte meine Ladegerät vergessen. Nachdem dieser Aufenthalt in Slovenien auch unser erster war, zumindest für die Band gesprochen, gab es dementsprechend viel Neues zu sehen und kennen zu lernen. Um uns dieses Feeling des neuen und unbespielten Publikums nicht vorzeitig zu rauben, beschlossen wir, uns in den vorhergehenden Offdays sozusagen back-to-the-roots-mäßig zu orientieren. Also kurzerhand den Truckern und Busfahrern mittgeteilt, dass sie die nächsten 4 Tage unerwarteten bezahlten Urlaub haben, die Backline in den guten alten Bandsprinter umgeladen und dann gegen 10.30 Uhr mit Vollgas auf die Autobahn Richtung Salzburg. Ausnahmsweise nahmen uns dieses Mal keine freundlichen Helfer in Olivgrün und Ockergelb in Empfang an der österreichischen Grenze. Das letzte Mal konnte ich es fast noch schaffen, den Herren und Damen Polizei doch noch ein T-Shirt oder eine CD anzudrehen, dieses Mal kamen sie gar nicht.

Nach kurzer Zeit auf der Autobahn wurde uns bewusst, welche Vorteile so ein Nightliner mit sich bringt,. Klimaanlage zum Beispiel, oder Betten, in denen man schlafen kann, während der Bus in Fahrt ist, oder Fernseher mit DVD-Player, Musikanlage, Toilette, etc. Dennoch ließen wir uns den Spaß nicht verderben und freuten uns tierisch auf die Ankunft in Maribor.

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Erwartungsgemäß gestaltete sich der Club, bzw. die ehemalige kommunistische Bäckerei, als eher leger und ungezwungen. Nachdem ich es geschafft hatte die gesamte Backline auf einer Fläche von knapp 3 Doppelbetten aufzustellen, und der Soundcheck über die Bühne gebracht wurde, ging es zur Nahrungsaufnahme, wobei ich mich an dieser Stelle meistens frage: „Wer ist denn eigentlich dieser Nahrungsaufnahme von dem immer alle reden?“

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Die Show ließ mit knapp 200 Zuschauern im Publikumsraum auch definitiv nichts zu wünschen übrig. Nachdem das Equipment verladen war und wir alle unser Feierabendbier genossen hatten, stiegen wir wieder in den Sprinter und machten uns auf die 1-stündige Reise Richtung Ljubljana, bzw. einem Vorort, namens Medvode, in dem sich unser Hotel befand. Mit Spannung rätselten der ein oder andere was uns wohl dort erwarten würde. Klassiker. Dort angekommen bezogen wir unsere Zimmer, in denen wir dann die nächsten 3 Nächte verbracht haben. Sauber waren sie, groß genug auch, mit Terrasse sogar, super. Leider, und das durften wir nach nicht allzu langer Zeit, um genau zu sein, circa 4 Minuten und 27 Sekunden, auch feststellen hatte die Sache einen Haken. Hinter dem Haus, und ich meine nicht mit 150 Metern Abstand, nein ich meine mit 1,8 Meter Abstand zum Haus, befand sich die Bahntrasse Richtung Ljubljana. Also fuhr somit circa 2,30 Meter neben unseren Köpfen in unregelmäßigen Abständen mal ein Güterzug, mal ein Personenzug vorbei. Daran gewöhnten wir uns dann auch schnell, denn wir wollten ja eh nur schlafen. Und so einen richtigen Rocker bringt nichts aus der Ruhe, wie ihr euch vorstellen könnt. Das Wundersame daran war nur, dass die Züge tagsüber langsamer fuhren als nachts. Naja.

Die zweite Show in Slovenien bestritten wir am darauffolgenden Tag im kleinen Städtchen Kranj. Die Fahrt dorthin dauerte etwa 30 Minuten, die Location war eine Openair Bühne im Innenhof einer Rockkneipe, die interessanterweise „Rockbar“ hieß. Die Bühne war dieses Mal etwas größer und somit konnte die Show auch ohne Probleme gerockt werden. In dem Städtchen Kranj vollzog sich an diesem Wochenende ein kurioses Schauspiel, ein Stadtfest würde man bei uns sagen, dort sagt man eher Stadtfestival. Neben der Bühne, die wir bespielten, gab es noch eine weit größere Bühne, auf der wohl einer der größten Acts Sloveniens rockte. Mitbekommen haben wir davon allerdings nicht sehr viel, da die Shows parallel liefen. Desweiteren gab es aber noch, und das direkt vor unseren Nasen, den slovenischen Strongmen-Contest. Hihi. Große muskulöse Männer, die LKWs ziehen find ich lustig. Und auch noch mehr als in irgendeiner Art beeindruckend.

An diesem Abend wurde dann auch, wie so oft in den letzten Jahren, mein Geburtstag während des Abbaus begossen. Nachdem der ganze Scheiß verladen war, gaben sich unser Mercher Max, Bassist James, Drummer Fabian, unser slovenischer Begleiter Tesky und meine Wenigkeit noch den frivolen Genüssen eines Geburtstages hin. Ergo, es wurde getrunken. Ich habe nebenbei versucht, den Kram einzuladen, was nicht immer geklappt hat und die ortansässige Damenwelt wurde ebenfalls noch begutachtet. Und da, meine lieben männlichen Freunde, kann man wirklich nur empfehlen, sich Slovenien mal genauer anzuschauen. Wunderschön, kann ich nur sagen.

Am nächsten Morgen, bzw. Nachmittag ging es dann mit anständigem Kater in die kleine aber feine Gala Hala, in der wir unser drittes Konzert rocken wollten. Der Club war 1A, Anlage spitze, Bühne geräumig, alle waren richtig glücklich, diesen Samstagabend rockend in Ljubljana zu verbringen. Die Show war der absolute Wahnsinn, unglaublich viel Resonanz, jeder Refrain wurde mitgesungen, es wurde getanzt, gesprungen, gehüpft und geschwitzt. Alles was dabei sein sollte. Über den weiteren Verlauf des Abends bin ich mir etwas unklar, da es ja mein Geburtstags-raus-feier-Abend war. Dementsprechend ging es nach der Show mit Absinth los und endete gegen 5 Uhr morgens mit Whiskeycola und dem ein oder anderen Spitzentütchen auf dem Bordstein. Da war mir schlecht und die liebliche Barkeeperin konnte mir auch nicht mehr helfen als ich planlos in ein Auto befördert wurde, in dem witzigerweise der Rest meiner Reisegruppe war, und dann am nächsten Morgen der Kater mit Sonnenstrahlen durchs Fenster „Hallo“ sagte.

Ja, und dann gings wieder heim, Richtung Bavaria.

Vielen Dank fürs Lesen

Gump

Die letzten Tage

Guten Tag,

so, die letzten 3 Gigs dieser Tour stehen an. Traunstein, München und Hamburg. Wir, Band und Crew, befinden uns grade in den letzten Einpack-Arbeiten vor diesen letzten Tagen, T-Shirts werden umgepackt, Ersatzteile verstaut und Vorräte angelegt. Der gesamte Tross befindet sich in einer ungewöhnlichen Ruhe, denn alle wissen, wenn auch nur unterbewusst, dass das interne Highlight dieser Tour bevorsteht. Soll heißen, keiner der gespielten Gigs war wichtiger als ein anderer, aber mit der Heimatstadt hat es nun mal immer mehr auf sich. Und dieses „Highlight“ steht uns nun bevor.

Doch ich möchte nicht zu weit vorgreifen an dieser Stelle, denn es ging ja anders von statten. Traunstein war das Ziel das auf dem Itinerrienarynnn, unserem Tourplan, als nächstes anstand. Noch waren wir nicht im Stress, unser Zeitpolster ließ die ein oder andere Gemütlichkeit durchaus zu. Als wir uns dann auf der A8 Richtung Salzburg dahin bewegten, und in Gedanken und Blicken auf der an uns vorbeischießenden Umwelt verweilten, machte sich ein kurzes Lüftchen des sich nahenden Unguten auf den Weg in unsere Nasen. Gummi. Verbrannt. Bremsen. Wir stehen. Hier standen wir nun mit unseren Bussen und den Trucks auf einem Rastplatz in direkter Nachbarschaft zu den bayrischen Alpen und ihren Ausläufern. Toll. Sehr idyllisch. Vor allem wenn in gefühlten 1,2 Millisekunden-Abständen in 40 Meter Entfernung grob geschätzte 25 – 35 Mobile an uns vorbeirasen würden. Nach einiger Wartezeit ging es weiter, gut bestückt und beladen mit Alkohol und Zigaretten, sowie Accessoires für den folgenden letzten Auftakt in einem Stück Musik-Geschichte. Legendär. An der Halle angekommen wurden Trucks entladen, Bühnen gebaut und T-Shirts verladen, das Übliche. Kaum angekommen wurden wir auch gleich auf unseren uns zustehenden vollkommenen frei zugänglichen Alkoholvorrat hingewiesen, es kam einem vor, als ob der Clubbesitzer ein Schnapslager IN unserem Backstage-Raum eingerichtet hätte, danke dafür. Am heutigen Abend beehrten uns die famosen GRANTIG in der Rolle des Anheizers. Ihre Show begeisterte die Mengen und bereitete uns ein hervorragendes Schauspiel der Show. Nach ihrem Set ging es dann für uns in die Vollen, im wahrsten Sinne des Wortes, gute Action, viel Response, eine sehr gelungene Show. Am heutigen Abend werden wir alle gut schlafen. Deshalb gestaltete sich die Party nach der Show, zumindest für meine Wenigkeit auch eher genüsslich und kurz. Gegen 4:07 Uhr fand ich mich in meinem Zimmer ein und genoss die übrig gebliebene Stunden Schlaf. Denn es steht ja das sogenannte Heimspiel bevor.

Nach einem hervorragenden Frühstück im Biergarten unter Bäumen trollten wir uns in unsere Busse und machten uns auf den Weg Richtung München. Sobald wir die Autobahn verlassen hatten gruben sich unsere neugierigen Augen in die Fensterscheiben, diese Menschenmengen konnten sich unmöglich für uns versammelt haben, und dann – die ersten selbstgemalten Flaggen – …. – es wird dunkel, hui, Tiefgarage, ich liebe Stadien. Man sitzt im Bus und es ist hellichter Tag, zack, es ist Nacht und man fragt sich, was man grad verpasst hat, Weltuntergang oder Ähnliches. Aber weiter in der SOP die wir Tagesablauf nennen. Ausgestiegen, Load-in, Aufbau. Heute durften wir zu unserer großen Ehre unseren guten Freund und Lichtmeister Crap als Showeinlage aus den Staaten einfliegen lassen, sein enger Terminplan lässt leider nicht viele Treffen zu, unserer auch nicht. Jeder, der das liest und bei der Show war, weiß, wovon ich spreche wenn ich sage: die Lichtshow war atemberaubend. Die Rolle der Anheizer sollten an diesem Abend gleich mehrere Kappelen übernehmen, BUTTERFLY COMA, FROM CONSTANT VISIONS und GRANTIG. Es krachte und fetzte.

Das Schöne daran, eine Show in der Heimatstadt zu spielen ist, dass man unglaubliche viele Freunde und Bekannte auf die Gästeliste schreiben muss oder soll, weil… ich hab den Grund vergessen, aber man macht es irgendwie möglich. Hinzu kommen noch all die Leute die man so aus dem alltäglichen Leben zwischen Clubtür und U-Bahn kennt, dann noch die Freunde von denen (+1), für die man alle gar keine Zeit hat, eigentlich. Man nimmt sich die Zeit, und das Einzige, was dabei nach einem Arbeitstag raus kommt, ist….: es gibt keinen Alkohol mehr nach der Show weil ALLE, die da waren, ALLES weggesoffen haben was eigentlich so da war. Alles. Geil. Danke.

Zurück zum Essentiellen, der Show, wegen der waren wir alle hier und die sollte auch wirklich richtig grandios werden. Nach den 3 Anfangsvollgaskrachern, The Most Evil Spell, All In Tune With The Universe, schlitterten wir rüber in den Vollgasactionpart dieses nicht zu bändigenden Biestes. Mit Revenge, sowie Mirror (Me) und Cocoon bretterte die Maschine den Highway entlang und machte sich bereit in den dritten Gang zu schalten – die Show zerfetzte alles, dieses Biest. Weiter ging es mit Nothingness über die kurze Schwelle im Getriebe zum 4.ten Gang um dann sanft in die oberen Gänge hoch zu schalten und immer weiter Gas zu geben. Im 8.ten Gang bei 563 Km/h folgten dann Smashhits wie Collapsed Memorials, Close To The Wind, Worlds Apart, Symphony Of Destruction, These Are The Days, Newborn, Smells Like Rock’n’Roll, – Atmen – bis kurzzeitigen Ende des Sets. Die Menge tobte und hatte noch nicht genug. Die Show musste wiederkehren, ein Choral aus Zugaben-Rufen (Klingt auch ab und an nach „Flughafen“) begleitete die mächtig antrabenden Schritte der Show, die sich unerwartet den Barhocker aufs Gaspedal klemmte, die Zigarette anzündete, und sich durch das Acoustic-Special mit Friday Night und Monogamy tragen ließ. Nur um nach kurzer Auftankpause wieder mit beiden Füßen aufs Gaspedal zu stampfen und sich selbst, die Show, zum Ende durch die Mengen zu fahren. Wolfsstunde und Leavin‘ You With This lieferten den passenden Soundtrack dazu. Zum Glück können wir haargenau, aufgrund mathematischer Höchstleistung und schier unzubändigem Wissen auf die 1000stel Sekunde berechnen wann der Show der Sprit ausgeht. Sie fährt übrigens nur auf Kerosin, schön dreckig.

Emil Bulls

Nach dem üblichen Abbau-Zeremonial, auf das an dieser Stelle nicht weiter eingegangen wird, begaben wir uns alle in die frommen Arme der Aftershowparty. Ein wollüstiges Bild bot sich uns dar, Massen drängten sich in den angemieteten Nebenraum der Halle, vom Rauch getrübtes Rotlicht machte das Sehen in mehr als 2,45 Meter Entfernung unmöglich – alles klar, da wollen wir hin. Nach einem mehrstündigen Party-Exzess, dessen Ausmaße bis heute ungeklärt sind, machten sich bei mir gegen 6 Uhr die Müdigkeit breit und – ich muss zu meiner Schande gestehn – ich verliess das Spektakel in einem angemieteten gelben Fahrzeug in Richtung meines Penthouses. Ich hatte meinem Assistenten im Voraus aufgetragen, alles Nötige vorzubereiten. Als ich ankam, warteten wie immer meine beiden Lieblings-Physiotherapeutinnen auf mich und ich konnte mich noch nach diesem ganzen Spektakel meiner Massage in Ruhe hingeben. Ich habe mir für den Fall, dass ich einschlafe bei einer dieser Massagen einen Specialservice dazugebucht. Er beinhaltet unter anderem das Duschen ohne mich aufzuwecken, sowie dazugehöriges Abtrocknen und ins Bett tragen.

Emil Bulls

Das nächste Ziel war dann, ja ich wechsle einfach die Perspektive, huhu, Hamburg. Eine wunderschöne Stadt im Norden. Da sind wir immer alle sehr gerne. Auch hier bereitete uns das Publikum eine grandiose Show auf. Kochend heiß. Wow. Man konnte die Show ja auch das erste Mal als Livestream im fast weltweit zugänglichen Internet mitverfolgen. Find ich super. In Hamburg geben wir uns gern nach der Show dem, wie wir es nennen, „Lucullus“-Spektakel hin. Wer mal eine der besten Currywürste Deutschlands haben will, bestellt beim Lucullus einmal Krakauer als Curry mit Extra-Brötchen und Pommes. Hallelujah, und das gibt’s da die ganze Nacht, und um einen herum die beste Amüsiermeile Deutschlands. Juhu. Ich bin daheim, sozusagen.

Emil Bulls

 

Emil Bulls

Als abschließende Worte kann ich nicht viel sagen, außer Danke, dass Ihr auf die Shows gekommen seid. Das, was ich tue, kann ich auch nur wegen Euch tun. Macht das bitte weiterhin, ich hab voll Lust, das auch weiterhin zu machen. Nicht aufhören nachzudenken, und ein freudiges SCHEISSTDIEWANDAN! von mir und den EMILBULLS.

Galerie mit 15 Bildern: Emil Bulls auf dem Knockdown Festival 2018
25.04.2008

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