
Highfield Festival One Last Dance: Episode 2 mit HI! SPENCER und wenn Melancholie Euphorie trifft
Special
HI! SPENCER kommt mit einem Album über Vergänglichkeit zum Highfield Festival, ausgerechnet in jenem Jahr, in dem das Festival am Störmthaler See vorerst zum letzten Mal in dieser Form stattfindet. In der Minipodcastreihe „One Last Dance“ spricht Sänger Sven über „Immernie“, über Melancholie und Euphorie, über die Angst vor Stillstand und darüber, was verloren geht, wenn Festivals und kleine Clubs verschwinden.
Für Sven ist das Highfield selbst mit Erinnerungen aufgeladen. 2016 reiste er noch als Besucher aus Osnabrück an, gemeinsam mit Freunden und dem heutigen HI! SPENCER-Gitarrist Jannis im kleinen Suzuki mit Wohnwagen im Schlepptau. Jahre später spielte die Band am Beach, nun steht sie auf einer der großen Bühnen. „Ich hab das Highfield seitdem sehr ins Herz geschlossen“, sagt Sven. Dass HI! SPENCER bei dessen vorläufigem Abschied noch einmal Teil des Festivals ist, fühlt sich deshalb an wie ein Kreis, der sich schließt.
Auch „Immernie“ kreist um Momente, die ihren Wert gerade darin haben, dass sie nicht bleiben. Das Bild dafür findet die Band auf dem Albumcover: eine Kaugummiblase kurz vor dem Zerplatzen. Sie wächst, zieht den Blick auf sich, und im nächsten Augenblick ist sie verschwunden, manchmal mit großem Knall und manchmal still und heimlich, ganz unbemerkt. Genau diese Spannung durchzieht auch die Songs.
Hi! Spencer: „Melancholie trifft Euphorie“
Besonders deutlich wird sie in „Wenn der Sommer geht“. Musikalisch treibt der Song nach vorn, fast euphorisch, während sein Text vom Tod eines geliebten Menschen erzählt. „Melancholie trifft Euphorie“, fasst Sven eine Grundidee von HI! SPENCER zusammen. Freude und Trauer stehen dabei nicht gegeneinander. Sie dürfen gleichzeitig existieren.
Diese Gleichzeitigkeit prägt auch das Selbstverständnis der Band. Bei Konzerten sieht Sven Menschen weinen, kurz darauf im Moshpit stehen und am Ende mit Freunden in den Armen liegen. Für ihn liegt darin etwas Wesentliches: Bei HI! SPENCER muss sich für eine Emotion entscheiden. Ein Abend darf traurig, ausgelassen und zugleich tröstlich sein.
Nach inzwischen mehr als einem Jahrzehnt Bandgeschichte stellt sich zwangsläufig auch die Frage, was noch kommt. „Unsere Jahre“ entstand aus genau dieser Unsicherheit: Liegen die besten Zeiten irgendwann hinter einem? Gibt es noch etwas zu erzählen, wenn das eigene Leben stabiler wird? Sven beschreibt fast augenzwinkernd das Problem, persönlich immer mehr bei sich anzukommen und als Songwriter trotzdem nach den Stellen suchen zu müssen, an denen es noch reibt.
Noch persönlicher wird es bei „Motel One“. Der Song ist für Sven das „Worst-Case-Szenario“ eines Lebens, das sich nur noch zwischen Bühnen, Autobahnen und Hotelzimmern abspielt. Rund 110 Auftritte absolviert er im Jahr mit Band und Soloprogramm. Trotzdem versucht er, nachts nach Hause zu fahren, wann immer es möglich ist. „Ich brauche ein Zuhause“, sagt er. Der Erfolg soll nicht irgendwann dazu führen, dass das eigene Klingelschild verblasst.
Highfield Festival: One Last Dance
Damit führt das Gespräch beinahe zwangsläufig zurück zum Highfield Festival. Denn Vergänglichkeit ist hier längst keine abstrakte Albumidee mehr. Wenn selbst ein Festival dieser Größe verschwindet und zugleich immer wieder kleine Clubs ums Überleben kämpfen, betrifft das für Sven die gesamte Entwicklung von Bands. Kleine Bühnen sind Orte, an denen Musiker herausfinden können, wer sie überhaupt sein wollen. Große Festivals wiederum schaffen Perspektive: das Ziel, irgendwann dort oben zu stehen.
„Wenn das nach und nach wegbricht, dann bricht vielleicht so eine Art Perspektive weg und damit auch die Hoffnung“, sagt Sven. Sein Appell ist entsprechend schlicht: öfter zu kleinen Shows gehen. Vielleicht einmal weniger das große Stadionkonzert und dafür häufiger in den Club nebenan.
Am Ende bleibt damit genau jener Gedanke, der auch „Immernie“ durchzieht: Nicht alles lässt sich festhalten. Aber gerade deshalb lohnt es sich, da zu sein, solange es noch da ist. Für HI! SPENCER gilt das ebenso wie für einen kleinen Club, einen Festivalsommer oder diesen letzten Tanz am Störmthaler See.
One Last Dance Episode 1: KAFVKA
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Diana Heinbucher
































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