Rotting Christ
"The Heretics" Listening Session

Special

Dass es bald ein neues Album von ROTTING CHRIST geben wird, teaserte die Band schon im Oktober mit dem Posten diverser Fotos von Listening Sessions an. Wir selbst haben uns natürlich auch nicht zwei Mal bitten lassen und waren bei der Berliner Ausgabe mit von der Partie. Mittlerweile sind auch weitere Details zum Album bekannt. „The Heretics“ wird der Nachfolger von „Rituals“ heißen, und ab 15.02.2019 könnt ihr euch das Teil ins Regal stellen. Als erste Single wurde „Fire God and Fear“ veröffentlicht.

In einer entspannten und sehr familiären Atmosphäre dürfen wir am 30.10.2018 in der Berliner Rock & Wikingerbar also schon mal exklusiv in „The Heretics“ reinhören. Schon beim herzlichen Empfang fühlt man sich von den beiden anwesenden Vertreterinnen von Season of Mist und von den gastgebenden Barbetreibern gleichermaßen warm willkommen geheißen. ROTTING CHRIST-Fronter Sakis Tolis ist bester Laune und muss sich – Achtung, Spoiler – angesichts der abgelieferten Qualität des Albums keine Sorgen machen. Seine Willkommensrede zu Beginn fällt kurz aus. Er sei kein Mann großer Ansprachen. Später wird er in Interviews aber noch Rede und Antwort stehen.

Bild ROTTING CHRIST "The Heretics" Listening Session - © Gina Wetzler

ROTTING CHRIST „The Heretics“ Listening Session – © Gina Wetzler

Der erste Eindruck

Nun aber ohne weitere Umschweife zum Album „The Heretics“. Eine richtige Review wird es natürlich zu gegebener Zeit auch noch geben. Aktuell aber schon mal unsere ersten Eindrücke.

1. In The Name of God
Nach ein paar kleinen Dissonanzen schwenkt das Intro direkt in einen sehr melodischen und episch-atmosphärischen Einstieg um. Wie eine Predigt wirkt der eingesprochene Textpart, der die ruhigeren Stellen des Stücks begleitet. „In The Name Of God“ besticht aber vor allem durch ein sehr angenehmes und nachvollziehbares Pacing, das sich in sehr unterschiedlichen Tempos äußerst, die stets gekonnt miteinander verwoben sind.

2. Ветры злые (Vetry Zlye)
Mit rollenden Drums steigt der zweite Track ein, bevor sich melodische Gitarren hinzugesellen. Wie der Titel schon sagt, sind die Lyrics hier auf Russisch gehalten. Guest Vocals hat dazu GRAI-Sängerin Irina Zybina beigesteuert. Abgerundet wird der Gesang außerdem durch cleanen und roughen Chorgesang.

3. Heaven and Hell and Fire
Mit einer Geräuschkulisse, die an einen Horrorfilm erinnert, startet „Heaven And Hell And Fire“ äußerst passend. Der Song wirkt auch im weiteren Verlauf härter und düsterer als seine Vorgänger, schafft es dabei aber mit einer sehr coolen, melancholisch anmutenden Melodie und einigen leicht arhythmischen Stellen ein wirklich breites Spektrum abzudecken. Der erste Hörtipp wäre hiermit gefunden.

4. Hallowed Be Thy Name
Mit „Hallowerd By Thy Name” hält der Doom Einzug auf „The Heretics“. Mit geflüsterten Vocals entsteht eine unheilvolle Atmosphäre, die durch die Chöre und die epischen Anleihen des Stücks noch weiter verstärkt wird. Im Outro bringt ein „schreiendes Flüstern“ diese beklemmende Stimmung dann auf den Höhepunkt.

5. Dies Irae
Im Vergleich zu seinem Vorgänger ballert „Dies Irae“ geradezu los. Das hohe Tempo wird aber nicht durchgehend gehalten, sondern wechselt sich mit langsameren Passagen ab. Entspanntes Kopfnicken und Headbanging passen sich so regelmäßig den Ball zu. Besonderer Hinhörer dieses Stücks ist das Riff in der Bridge, die allgemein ordentlich Spannung aufbaut.

6. Πιστευω
Vom Titel und vom Text verstehen wir erst mal nichts, was den Hörgenuss aber nicht schmälert. Hier ballert es wieder, und zwar angeschwärzt. Chorgesang ist auch wieder mit von der Partie, wenn auch mehr im Hintergrund. Dazu passiert noch einiges anderes. Die Musik wirkt atonal/dissonant, und das zweifellos mit voller Absicht als Kontrast zum gesprochenen Text im Vordergrund.

7. Fire God And Fear
Der ätherische Sound und das Vogelgezwitscher, das einen am Anfang von „Fire God And Fear“ erwartet, steht im krassen Gegensatz zum fast bedrohlich wirkenden Ende seines Vorgängers. Besonderen Eindruck macht, bevor es Musik auf die Ohren gibt, das Voltaire-Zitat „Those who can make you believe absurdities, can make you commit atrocities“. Intoniert wird es von Dayal Patterson, der – neben einigen anderen Werken – zusammen mit Sakis Tolis die ROTTING CHRIST-Biografie verfasst hat. Auch die ungewöhnliche Melodie besticht. Der nächste Tipp wäre hiermit gefunden.

8. The Voice Of The Universe
Gerade als man schon gedacht hatte, mit „Fire God and Fear“ das Highlight auf „The Heretics“ gefunden zu haben, kommt „The Voice Of The Universe“ um die Ecke. Schon das Riff zu Anfang versprüht eine dunkle Atmosphäre, die wenig später durch fast atavistisch klingende Trommeln noch verstärkt wird. Diese wechseln sich mit wunderbar melodeathigen Gitarren ab. Gastsänger ist übrigens Ashmedi von MELECHESH. Hier haben ROTTING CHRIST einen Volltreffer erzielt.

9. The New Messiah
„The Heretics“ ist aber noch nicht zu Ende. Im Gegenteil, es wartet noch mal mit etwas Neuem auf. Ein sludgiger Einstieg überrascht und nimmt den weiteren Verlauf von „The New Messiah“ gleich vorweg. Eine coole Gitarrenmelodie kommt zwar noch dazu, aber insgesamt ist das Stück dann doch deutlich schwächer als der Rest dieses ROTTING CHRIST-Albums. Dieser Eindruck kann aber natürlich auch täuschen, denn die beiden Stücke davor haben wirklich stark vorgelegt.

10. The Raven
Wie der Titel schon verrät, basiert „The Raven“ auf dem gleichnamigen Gedicht von Edgar Allan Poe. Ein Kracher zum Abschluss wird zwar auch dieses Stück nicht, aber es hat einige definitive Momente. Dazu gehören unter anderem ein sehr cooles Solo und die Stimme des Gastsprechers, Stratis Steele, den ROTTING CHRIST für dieses Stück gewonnen haben.

ROTTING CHRIST sprechen in Rätseln

Insgesamt fallen auf „The Heretics“ vor allem die durchdachten und hervorragend in Szene gesetzten Melodien auf. Diese sind überwiegend sehr gefühlvoll. Die zahlreichen gesprochenen Passagen, von denen man zumindest die aus „The Raven“ sehr gut kennt, lassen schon erahnen, dass es eventuell noch weitere literarische Zitate auf dem Album geben könnte. So wird es ein wenig dauern, bis man vollends durch die Symbolik und Thematik durchgestiegen ist. Es entsteht oft auch der Eindruck einer Lesung, was den literarischen Charakter des Albums zusätzlich unterstreicht.

Bild ROTTING CHRIST "The Heretics" Listening Session - © Gina Wetzler

ROTTING CHRIST „The Heretics“ Listening Session – © Gina Wetzler

Es kommen auch immer wieder Assoziationen zu Predigten auf. Wie auch die Ästhetik des Albumartworks andeutet, geht es auf „The Heretics“ augenscheinlich allgemein recht klerikal zu. Die Elemente, derer sich ROTTING CHRIST bedienen – in diesem Fall hauptsächlich die Chöre – sind aber selbstredend als Persiflage zu verstehen. Damit geht die Band einen ähnlichen Weg wie BEHEMOTH, die mit ihrem aktuellen Album „I Loved You At Your Darkest“ ebenfalls der Kirche einen Spiegel vorhalten.

Auf „The Heretics“ darf man mit Vorfreude gespannt sein

Mit „The Heretics“ haben ROTTING CHRIST ein Album geschaffen, das auf Anhieb überzeugt. Vor allem „Fire God And Fear“ und „The Voice Of The Universe” schlagen bereits bei der Listening Session hohe Wellen und werden im Anschluss an den Hördurchlauf diskutiert. Das Zitat „Those who can make you believe absurdities, can make you commit atrocities“ hat sich längst in unser Hirn gebrannt und darf guten Gewissens der inhaltliche Dreh- und Angelpunkt des Albums genannt werden. Wir freuen uns darauf, weitere Facetten zu entdecken.

Galerie mit 11 Bildern: Rotting Christ - Trident's Curse Tour 2018 in Saarbrücken
Quelle: Rotting Christ
07.12.2018

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