Fleshcrawl
Mit voller Kraft voraus

Interview

Nach dem letzten Album aus dem Jahr 2019 hat es diesmal sieben Jahre gedauert, bis FLESHCRAWL zum zehnten Mal etwas Neues aus dem Studio präsentieren und mit „Epitome Of Carnage“ all das vereinen, was die Band über die Jahre charakterisiert hat. Tatsächlich hat das Schicksal die Süddeutschen als Kollektiv zwischenzeitlich nahe an den Rand des Abgrundes gerückt, insbesondere der Tod des langjährigen Sängers Sven war eine klare Zäsur. Aus diesem Tief arbeitete sich die Band mit geradliniger „Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität“ heraus und belohnt sich selbst sowie die Fanschar mit einem der besten Releases der neueren Schaffensphase.

Man hat das Gefühl, dass euer Status als Band über Jahre hinweg unverrückbar scheint. Ist das, weil ihr veröffentlichungstechnisch zuletzt wenig aktiv wart, oder weil ihr so konsequent euren Stiefel durchspielt?

Bastian Herzog: Wir spielen unseren Stiefel durch und hatten auch nie die Absicht, etwas daran zu ändern. Unseren Status haben wir uns in den frühen Neunzigern erarbeitet und bis in die Zweitausender fortgeführt, wo etwa unser Zenit lag. Die Abstände von einmal zwölf und einmal sieben Jahren sind nun aus verschiedenen Gründen länger geworden. Wir hatten durchaus auch Probleme im Line-Up – die komplette Saitenfraktion wurde ausgewechselt. Dann unser Sänger Sven, der verstorben ist und für den wir einen Ersatz brauchten, sowie Corona, was uns ebenfalls enorm viel Zeit gekostet hat. Da musst du dich erstmal wieder aufrappeln.

Auch mental sicherlich, bei diesen teilweise wirklich schwerwiegenden Themen.

Herzog: Ja, die Sache mit Sven war für uns extrem schlimm und es gab eine Zeit, in der überhaupt nicht klar war, ob wir als Band weiter machen wollen und können. Darüber musste man sich erstmal klar werden. Er hat ja selbst gesagt, dass er sich wünscht, dass wir weiter machen, doch gerade während Corona, wo andere Bands Material für vier weitere Alben aufgenommen hatten, ging für uns nichts mehr vor und nichts mehr zurück. Diese Themen liefen alle komplett parallel und haben uns ziemlich ans Limit gebracht. Umso froher sind wir, dass wir nun mit neuem Line-Up und Kraft zurück sind und alle am selben Strang ziehen.

Da kann man vielleicht einhaken, denn nach der „Into The Catacombs Of Flesh“ stehst nur noch du, Bastian, im Aufgebot, und doch ist euer Signature-Sound sofort unverkennbar.

Apu Justin Reisch: Das ergibt sich prinzipiell ja von selbst. Die Band gibts jetzt fast seit 40 Jahren und da sagst du nicht einfach: „Lass mal etwas komplett anderes machen“. Wir kommen selbst auch aus der Richtung und ich kenne FLESHCRAWL nun auch schon ewig.

Herzog: Wenn man es von 1987 betrachtet, dann werden es 2027 40 Jahre, auch wenn wir da noch eher Thrash Metal gespielt und unseren Sound gesucht haben. Meine Zeitrechnung beginnt allerdings eher 1991 nach der Umbenennung in FLESHCRAWL, aber das sind trotzdem auch 35 Jahre.

„Es ging nichts mehr vor und nichts mehr zurück“

In meinen Ohren sind im Vergleich zum letzten Album diese melodischen Heavy-Metal-Einflüsse, die sehr an DISMEMBER erinnern, etwas zurückgefahren worden. Liegt das daran, dass nun ein Großteil der Songs aus der Feder von Christian Kalbrecht gekommen sind und eben nicht mehr von Olli, der ja auch bei STALLION aktiv ist?

Christian Kalbrecht: Nein, die meisten Stücke kommen von Apu. Er hat sechs Stück gemacht, ich vier und Borisz hat mit Basti zusammen einen weiteren geschrieben.

Reisch: Also wenn ich einen Song schreibe, dann kommt der ziemlich frei aus mir raus. Meistens wirds ziemliches Geballer. Ich gehe da nicht mit irgendwelchen Vorstellungen dieser Art heran, sondern es muss einfach passen. Da gibt es keine Blaupause. Du kannst dir das gut merken, wenn du schaust, was etwas gediegener ist, das kommt von Chris und alles, was richtig ballert, ist von mir.

Herzog: Ich finde, die Platte hat unglaublich viele Trademarks, die FLESHCRAWL ausmachen. Wir wollten hier genau das erreichen und ein hohes Maß an Abwechslung einbringen. Jeder Gitarrist hat natürlich eine eigene Herangehensweise, wie er Songs schreibt. Mit dem Austausch der kompletten Gitarrenriege, war es eigentlich klar, dass es nun auch wieder ein bisschen anders klingen würde, als auf der „Into The Catacombs Of Flesh“.

Umso besonderer, dass ihr es erreicht habt, euren ureigenen Sound trotzdem wieder genau zu treffen.

Herzog: Das ist schön, dass Du das so siehst, denn dann haben wir unser Ziel quasi erreicht.

Eure Fans erwarten wohl kaum eine 180-Grad-Wendung…

Herzog: Nein, das sicher nicht. Es gab durchaus Stimmen bei der „Into The Catacombs Of Flesh“, die unseren Sound dort vermisst hatten. Das war aber eine natürliche Entwicklung, nichts, was wir irgendwie beeinflusst hätten. Nun wollten wir aber wieder klarer zu den Roots von der „Descent Into The Absurd“ und in die brachialere Richtung von „Bloodred Massacre“ oder „As Blood Rains From The Sky“. Dazu noch bisschen Melodik als passenden Kontrast.

Auf jeden Fall finde ich die Produktion deutlich fetter als auf dem Vorgänger.

Herzog: Das habe ich nun auch schon gehört, auch wenn das ebenfalls wieder Geschmackssache ist. Der Sound kommt aus dem eigenen Hause von Apu.

Reisch: Eines meiner größten Ziele war, dass es nicht so unheimlich glattgebügelt klingt, sondern den Klang der 2000er-Platten trifft. Gerade im Death Metal klingt vieles der neueren Sachen brutal nach Plastikdose. Man darf ruhig mal hören, dass die Musik ein bisschen live nach Studio klingt, denn da haben wir es auch aufgenommen. Death Metal dieser Richtung soll ehrlich klingen und eben so, wie wir es aufgenommen haben. So macht es auch am meisten Spaß.

Heutzutage gibt es als Band ja auch nicht mehr die Notwendigkeit, eine Platte live einzuspielen, sondern du kannst tausende Songfragmente digital zusammenschnipseln und am Ende gibts auch ein fertiges Album.

Reisch: Genau. Wir haben sechs Tage Schlagzeug aufgenommen. Das ist natürlich anstrengend, manchmal auch lästig, aber am Schluss hat man eben Drums, die Basti eingespielt hat. Man hört das auch. Ein Album, dass aus nur zusammengestückelten Parts besteht, kickt am Ende auch nicht so.

Herzog: Der Drumsound ist auch sehr naturell. Da wurde sehr wenig dran gedreht, keine Trigger drauf und so weiter. Mein Schlagzeug klingt immer noch gut, obwohls schon alt ist. An den Gitarren geht auch wenig über die Standardgeschichten wie Re-Amping hinaus.

Galerie mit 12 Bildern: Fleshcrawl – 2024 in Saalfeld

Seiten in diesem Artikel

12
Quelle: Zoom-Interview mit Bastian, Apu und Christian
05.06.2026

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38506 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Off Topic
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Fleshcrawl auf Tour

26.06. - 27.06.26metal.de präsentiertUnderground Death Fest 2026 (Festival)Fleshcrawl, Wombbath, Repulsive Vision, Godless, Defaced, Victim, Fall Of Serenity, Falling Meat, Cauterized Flesh, Self Destruction Mode, Flammenzorn und Five Of SwordsHirt's Brau- & Gasthof, Liebengrün
06.08. - 08.08.26metal.de präsentiertParty.San Metal Open Air 2026 (Festival)Testament, Amorphis, Hypocrisy, Firespawn, Deceased, Desaster, Jungle Rot, Wolfbrigade, In The Woods..., Sorcerer, Hexvessel, Fleshcrawl, Tulus, Sunken, Sarcator, Baxaxaxa, Crawl, Temple Of Dread, Endonomos, Rats Of Gomorrah, Murder Squad, Sear Bliss, Guttural Slug, A Canorous Quintet, Wormed, Gates Of Ishtar, Sadistic Intent, Dark Funeral, Devourment, Sacred Reich, Wolves In The Throne Room, Misery Index, Asagraum, Groza, Internal Bleeding, Begging For Incest, 200 Stab Wounds, Bloody Vengeance, Messticator, Evoken, Lucifer's Child, TodoMal, Impurity, Morbus Dei, Sventevith, Moonspell, Alcest, Marduk, Iotunn, Schirenc Plays Pungent Stench, Panzerfaust, Gut, Nail By Nail, Celeste, Death Worship und For VictoryParty.San Open Air, Obermehler

Kommentare