
JOYOUS WOLF aus Kalifornien nennen ihre erste Langspielplatte „In Between“. Musikalisch sitzt die Band um den Brasilianer Sänger Pedro Cordeiro jedoch nicht zwischen Genrestühlen. Bei dem „Spagat“ zwischen Classic Rock und Blues Rock reißt keine Schlaghose. Und mag sie obenrum auch noch so eng sein. Das ist einerseits gut – ästhetisch verquer, belästigend gar raushängen soll ja nichts. Andererseits sorgt es auch nicht für Aufsehen.
Denn die eher gemächliche Variante des Retro Rock, die JOYOUS WOLF wählen, kraft- und sehnsuchtsvoll vorgetragen, erlebt seit Jahren eine Wiederbelebung. Um der Zielgruppe die Brauen zu heben, muss eine Band im Jahr 2026 besonders sein.
„In Between“ kommt bekannt vor
JOYOUS WOLF allerdings ersetzen – anders als aktuell JAYLER – den aus unzähligen Übungsstunden vor dem Spiegel zu Ehren QUEENs und LED ZEPPELINs antrainierten Größenwahn der GRETA VAN FLEET durch das Auswendiglernen von SOUNDGARDEN-B-Seiten.
Und landen damit eben nicht im Stadion, sondern in den gleichen Clubs wie THE TEMPERANCE MOVEMENT oder THE PARLOR MOB. In deren Vorprogramm. Denn man kann JOYOUS WOLF ihr Können nicht absprechen. Auch transportiert vor allem der Gesang eine gediegene Karaffe Herzblut. Doch kein Element ihrer Songs ist auch nur im Ansatz originell. Hört man diese Musik schon länger als 14 Tage und bewusster als mittels der Classic-Rock-Playlist, spendiert vom Algorithmus des Vertrauens, ist praktisch jede Passage auf „In Between“ eine mindestens entfernte Verwandte.
JOYOUS WOLF sind okay
Das kann funktionieren, wenn man das Original ist. Rest in Peace, Lemmy und Joey! Das kann auch Wellen schlagen, wenn man ein Händchen hat für Hits oder sich im engen Rahmen doch etwas traut (siehe oben Genannte). Das ist aber sonst nur okay. So wie JOYOUS WOLF, so wie „In Between“und jeder Song der Platte: voll okay.
Vermutlich erleichtert sich niemand nach deren Genuss spontan auf den Tisch des tyrannischen Chefs und lässt die bürgerliche Existenz ohne Reue hinter sich. Vermutlich zeugt auch niemand gegen jede Zukunftsaussicht eine Parade wilden Nachwuchses, weil „In Between“ zur richtigen Zeit die Atmo angezündet hat. Vermutlich aber schraubt der eine zum Soundtrack von JOYOUS WOLF entspannt die Whiskypulle auf. Und die andere endlich mal wieder am Chopper. Und das ist ja auch etwas.

Marek Protzak































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