1Wirklich gewartet hat die Welt auf MIDNIGHT PREY und deren jüngstes Album „Jenseitsritt“ eher nicht. Das hat allerdings weniger mit der Qualität der Musik zu tun als vielmehr mit dem bisherigen Output. Mit nur einem Album seit der Bandgründung 2012/2013 sind die Hamburger eher unter dem Radar geflogen. Fast sieben Jahre nach ihrem Debüt hätte das Trio mehr Aufmerksamkeit allemal verdient – die euphorischen Kommentare auf Bandcamp sprechen eine deutliche Sprache. Vor gut einem Jahr konnten sich Rheinländer unter anderem in Monheim live ein Bild vom Sound der Norddeutschen machen. Die Frage ist nun: Ist das zweite Album so gut wie das bisherige Œuvre oder vielleicht sogar besser?
MIDNIGHT PREY klingen auf „Jenseitsritt“ schmutzig
Winston Ziller (Gitarre/Gesang), Daniel Friesen (Bass) und Hannes Ruhland (Schlagzeug) bewegen sich vor allem zwischen Hard Rock und der New Wave of British Heavy Metal, doch zwischen diesen Polen finden sich immer wieder auch Einsprengsel von Speed Metal und Hardcore Punk. Damit klingen sie erfreulich wenig nach dem, was derzeit sonst aus der traditionellen Metal-Ecke kommt. „Jenseitsritt“ ist roh, schmutzig und bisweilen sperrig.
Dazu passt die organische Produktion, bei der Bass und Schlagzeug deutlich hörbar bleiben, während Zillers schneidender Gitarrensound ordentlich Dreck mitbringt. Schon „Grimoire“ zum Auftakt verbindet fuzzy Riffs mit galoppierenden Rhythmen und reichlich emotionaler Unruhe. „Torn Into Pieces“ beginnt deutlich geradliniger, entwickelt aber zunehmend verschachtelte Riffs und dunklere Gitarrenpassagen. „Witch King“ zieht das Tempo danach wieder an.
Besonders gut funktioniert die ungestüme Herangehensweise bei „Kaspar Hauser“. Deutsche Texte und vorwärtsstürmendes Schlagzeug verleihen dem Stück einen eigenen Charakter. „Unknown Trails“ trumpft mit Speed-Metal-Schlagseite auf, während „Starlit Nebulas“ danach eher klassische Heavy-Metal-Luft schnuppert. Mit dem deutschsprachigen Titelstück endet „Jenseitsritt“ schließlich so eigenwillig, wie die gut halbe Stunde zuvor verlaufen ist.
Winston Ziller singt gegen den Strich
Über allem steht Zillers Gesang – und an dem dürften sich die Geister scheiden. Er vermeidet erwartbare Gesangslinien und klagt, bellt und schreit seine Texte heraus. Gelegentlich entsteht dabei sogar der Eindruck, als wollten die Melodien seiner Stimme davonlaufen. Das kann man schwierig finden, doch gerade der eigenwillige Stil übt mehr Reiz aus als makellose Gesangstechnik.
„Jenseitsritt“ macht es seinem Publikum deshalb nicht immer leicht. Die Melodien gehen ungewöhnliche Wege, offensichtliche Hooks sind eher Mangelware und Refrains zum Mitsingen offenbaren sich beim ersten Hören nicht. Was man dem Album als Schwäche vorhalten könnte, macht jedoch einen beträchtlichen Teil seines Charmes aus. MIDNIGHT PREY klingen nicht so, als hätten sie lange darüber nachgedacht, in welche aktuelle Schublade sie passen könnten. Stattdessen gibt es Leidenschaft, Energie und Schmutz unter den Fingernägeln. Wahrscheinlich macht „Jenseitsritt“ gerade deshalb so viel Spaß.

Torsten Meierhöfer



























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