
Books & Blast Beats
Interview mit The Black Court, Damnation Defaced und Nico Rose
Interview
THE BLACK COURT feiern ihren 15. Bandgeburtstag und laden dafür unter dem Banner „Books & Blast Beats“ nicht nur DAMNATION DEFACED und PARANOIAC ein, sondern auch Metal-Autor NICO ROSE. Denn was passt schon besser zusammen als Literatur und Metal? Darüber und über vieles mehr sprechen wir vor dem Event mit den Philipps von THE BLACK COURT und DAMNATION DEFACED und Nico Rose.
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Ihr habt das Format Konzert und Lesung schon mal zusammen gemacht. Was war eure Vision? Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
The Black Court: Das war eigentlich aus diesem Konzertüberfluss geboren, den es in Städten wie auch Hamburg gibt. In Hannover ist es mittlerweile auch so, dass man immer auf so viele Konzerte geht und dann das Gefühl hat, es ist immer derselbe Ablauf: Band 1, Band 2, Band 3.
Irgendwie fehlt dann manchmal diese große Rahmung oder irgendwas, was das Ganze zusammenhält. Letztes Jahr war dann unsere Album-Release-Show von THE BLACK COURT, und das war der Anlass, mal zu sagen, dass irgendein Element an diesem Abend über ein Konzert hinausgeht.
Etwas, das diesen kulturellen Part mit reinbringt oder eröffnet. Es hätte auch genauso gut eine Metal-Karaoke-Party im Anschluss sein können. Oder irgendeine geile Aktion, wo man die Leute, das Publikum, mitnimmt.
Damnation Defaced: Kinderschminken zum Beispiel.
The Black Court: Das Ganze mit einem Autor zu machen oder mit einem Release, ist technisch relativ einfach umzusetzen. Und Kinderschminken oder Karaoke-Party ist bei der Bar nicht so auf Gegenliebe gestoßen.
Das mit Michael Goehre, der letztes Jahr gelesen hat, war das Naheliegendste. Und es hat gut funktioniert, die Leute haben es gut angenommen.
Macht ihr dieses Mal irgendwas anders? Hat sich euer Plan verändert?
The Black Court: Anders ist, dass wir es offiziell unter das Banner „Books & Blast Beats“ gepackt haben. Das könnte vielleicht auch, wenn das gut funktioniert, etwas für die Zukunft sein. Damals war es noch nicht unter dem Banner „Books & Blast Beats“, sondern einfach Lesung plus Konzert. Ansonsten ist der Ablauf relativ ähnlich – außer, dass es jetzt eine Band mehr ist.
Natürlich ist immer die Frage: Hält man die Spannung den ganzen Abend über? Wie lange sollten die Leseparts sein, damit die Leute nicht zu sehr runterkommen? Aber eigentlich hatten wir da beim letzten Mal gar kein schlechtes Gefühl. Die Angst war da, ob Leute früher abspringen, weil die Pausen zu lang sind. Aber solange Programm ist und das die Leute abholt, passt das eigentlich. Von daher hat sich nicht viel verändert.
Für die Zukunft gibt es ein, zwei Ideen. Da kann ich jetzt aber noch nichts Detailliertes zu sagen. Wir schauen erst mal, wie es heute angenommen wird und ob das überhaupt etwas von Dauer ist.

Damnation Defaced
Damnation Defaced: Es ist aber auch super schwer, die Leute überhaupt noch zu motivieren. Also klar, du hast die großen Touren, da gehen die Leute hin. Da denke ich mir aber auch als Gast manchmal: „Boah, vier Bands, ey.“ Entweder kommt man sowieso später oder man hält dann gar nicht mehr so lange durch. Wir sind alle jetzt so an die Ü40, Ü50, und dann merkst du wirklich: „Ich kann nicht mehr so. Ich habe keine Lust mehr.“
Ich komme dann noch direkt von der Arbeit… Ich war letztens auf einem Konzert, da fing der Main Act um 22 Uhr an. Auf einem Donnerstag. Das ist nun mal die Realität, mit der man konfrontiert wird. Die Leute halten nicht mehr so lange durch. Du bist damit konfrontiert, dass die Leute weniger Aufmerksamkeit haben, aber auch irgendwie verwöhnt sind mit allem Drum und Dran. Deswegen ist das gar nicht verkehrt zu sagen, wir wollen irgendwas konstruieren, das ein bisschen aus der Norm rauskommt.
Und die Leute sagen: Da gehe ich hin, das finde ich spannend.
The Black Court: Ich kenne das gerade bei den Indoor-Festivals. Für mich ist es immer wahnsinnig anstrengend, wenn das so ein eng getaktetes Festival ist. Ich war jetzt gerade beim Braincrusher in Hell. Zwei Tage, eine Bühne, 15 Bands und jeweils nur 20 Minuten Umbaupause. Und man will auch viel sehen. Das schlaucht dann irgendwann – mich zumindest.
Zwischen Bands ein bisschen Entschleunigung zu haben, kommt mir selber auch entgegen. Deswegen war das ein weiterer Gedanke, der für diesen Mix aus Lesung, die eher ein geringeres Tempo hat – so ein bisschen Erzähltempo – und Konzert gesprochen hat.
Lädt das Format dazu ein, tiefer einzutauchen, weil man ein bisschen mehr Zeit hat, zwischendurch zu reflektieren und sich auszutauschen, oder reißt einen das eher raus?
Damnation Defaced: Wahrscheinlich sowohl als auch, ich bin gespannt. Ich habe tatsächlich noch keine Erfahrung in so einem Kontext.
Deswegen bin ich gespannt, was du nachher so von dir geben wirst, Nico.
Nico Rose: Ich gebe das von mir, was im Buch steht.
Damnation Defaced: Ja gut, aber das habe ich nicht gelesen.
Nico Rose: Ich muss mich heute ein bisschen daran halten, nicht zu viel drumherum zu labern. Wenn ich ganze Lesungen mache, dann erzähle ich viel drumherum. Heute ist es eher eingetaktet, deswegen muss ich das mit dem Improvisieren ein bisschen zurückfahren.
Abgesehen vom heutigen Abend natürlich – was wäre euer perfektes Line-up aus Autoren und Bands, wenn ihr selber buchen könntet?
Damnation Defaced: Ich glaube, als Autor würde ich Heinz Strunk nehmen, das wäre sehr unterhaltsam.
The Black Court: Aber mit wem würde er zusammenspielen? Es braucht Bands, die einen runterziehen, die so ein bisschen schmierig sind.
Ich muss zugeben, der einzige Autor, von dem ich bewusst Bücher kaufe, weil sie mir gefallen, ist Heinz Strunk. Ich habe auch überlegt, was die nächste „Books & Blast Beats“-Ausgabe sein könnte. Irgendwann sind ja auch die Autoren und Autorinnen, die sich mit Metal befassen, ein bisschen durchgekaut.
So viele Menschen, die das aufgreifen, gibt es nicht in der Szene. Wir hatten schon mal mit Till Burgwächter gesprochen. Und Ernie hätte man natürlich noch auf dem Zettel.
Weibliche Autorinnen drin zu haben, wäre natürlich schön. Deswegen wird es vielleicht in Zukunft mal Autorinnen geben, die zum Beispiel in Richtung Fantasy, Horror oder True Crime schreiben, und dann dazu passend Bands spielen zu lassen. Vielleicht sogar in einem noch engeren Wechsel.
Sprich: fünf Minuten Lesung, einen Song spielt die Band.
Nico Rose: Das mache ich mittlerweile tatsächlich relativ häufig. Das ist durch Zufall passiert. Vor zwei Jahren habe ich eine Band aus Lingen kennengelernt – ACOUSTIC STEEL. Auch so mittelalte, weiße Kerle wie ich. Die spielen Metal- und Rockklassiker, aber im akustischen Gewand. Immer mit ein bisschen Augenzwinkern mixen die Sachen zum Teil neu ab.
Eigentlich sollte ich bei denen in Lingen lesen und die im Vorprogramm spielen. Dann habe ich mir vorher angeschaut: Was spielt denn hier eigentlich? Und dann haben wir tatsächlich festgestellt, dass man das auch ganz gut takten könnte. Also ich lese mal ein paar Minuten, und die spielen dann den passenden Song dazu. Und das haben wir mittlerweile zum Beispiel auch schon mehrfach in Wacken gemacht. Das fand ich richtig gut.
Es ist ein bisschen gechillter, weil es eben der akustische Teil ist. Aber wir fanden das damals richtig, richtig gut – die Leute auch. Seitdem machen wir das ein paar Mal im Jahr. Diesen schnellen Wechsel finde ich richtig gut.
Damnation Defaced: Ist nicht Frank Schätzing auch Heavy-Metal-Fan? Oder hat irgendwas mit BLIND GUARDIAN zu tun? Es gibt bestimmt viele, die das gar nicht so raushängen lassen. Aber wenn man das mal irgendwo größer kundtut oder überhaupt dieses Projekt mal ein bisschen größer denkt, kann ich mir schon vorstellen, dass der eine oder andere aus einem Loch rauskommt und sagt: „Ey, ich bin übrigens auch Metal-Fan.“
The Black Court: Auf jeden Fall. Es gibt den Jean-Philippe Kindler von Studio Rot, die machen Podcasts und Sitcoms in eine linke Richtung. Das könnte man zum Beispiel kombinieren mit Punkbands, wo das geschriebene Wort, das gesungene Wort und die Musik inhaltlich übereinstimmen.
Ob man das persönlich alles supportet, ist eine andere Frage. Aber ich würde es mir zum Beispiel vorstellen, wenn es in eine Fantasy-, Horror-, Crime-Richtung geht, die übereinstimmt – oder vielleicht auch etwas Gesellschaftliches. Nicht per se politisch, aber Gesellschaftsthemen – das könnte auch eine Überschneidung sein.
Ich dachte auch, dass das Konzept mit Lyrik bestimmt funktionieren würde. Das ist ja von Lyrics logischerweise nicht so weit entfernt.
Damnation Defaced: Ich finde, man sollte dann den ganzen Abend MANOWAR-Texte vorlesen.
Nico Rose: Aber dann auf Deutsch. Das macht Ernie doch zwischendurch mal.
The Black Court: Aber dann bitte eingedeutscht. Irgendwann habe ich mal mit Britta gesprochen, warum die auf Englisch singen – das war im Rahmen von einem Studienprojekt. Und dann sagte sie, im Englischen liegt die Schwelle zur Peinlichkeit höher. Wenn wir alle die Texte auf Deutsch übersetzen würden, die man so singt… das kann man eigentlich nicht machen.
Aber wenn man kein Muttersprachler ist, ist es auch schwierig. Aber das wäre vielleicht auch so ein Fun-Ding: englische Metal-Texte auf Deutsch zu übersetzen und das als Gedicht vorzulesen.
Damnation Defaced: Wir haben auch zwei oder drei deutsche Texte. Die liest man dann 5.000 Mal Korrektur. Ist das jetzt cringe? Ist das peinlich?
Gefühlt haben wir auch eine viel feinere Sprache. Auch wenn man selber Texte schreibt – und das mache ich ja – dann brauchst du natürlich Übersetzungstools und fragst dich am Ende: Hä, das ist ja alles dasselbe Wort, aber ich möchte etwas ganz anderes ausdrücken. Man ist manchmal so limitiert im Englischen. Oder zumindest in dem, was wir als Englisch kennen.
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| Stile | Bücher, Melodic Death Metal |
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