Dreamlike Horror
Dreamlike Horror

Interview

DREAMLIKE HORROR konnten mich mit dem ersten Album "Delightful Suicides" mehr als nur begeistern. Das Projekt um Deadly Kristin und Aphazel bewegt sich fernab gängiger Schubladen und sprengt gleich mehrere Grenzen. Die Musik weist eine atmosphärische Tiefe auf, die seinesgleichen sucht. So war es für mich mehr als nur eine Ehre, mit Deadly Kristin ein Interview zu führen. Diese hat die Fragen sehr ausführlich und auf einer sehr persönlichen Ebene beantwortet. Man merkt Ihr einfach die Leidenschaft für Musik an und die Hingabe, welches sie in DREAMLIKE HORROR steckt. Eine wirklich außergewöhnliche Künstlerin.

Dreamlike HorrorEndres: Hallo! Als erstes möchte ich Dir zu dem exzellenten Album „Delightful Suicides“ gratullieren! Bitte erzähle uns ein wenig von den Aufnahmen. Diese entstanden in 2 verschiedenen Zeitperioden?

Deadly Kristin: Hallo! Vielen Dank! Ich freue mich, dass es Dir gefällt! Um ehrlich zu sein ist es nicht ein Album, von welchem ich ausgehe, dass es vielen Leuten gefällt. Es wird von einer sehr starken verhängnisvollen Atmosphäre getragen und ist sehr dramatisch. Einige Menschen, die unsensibel in spirituellen Dingen sind und einfache Musik lieben warden es langweilig finden oder nicht verstehen. Aber wenn Du die richtige Neigung zur Depression und Melancholie besitzt, wenn Du melodramatische Lyrics liebst und die Musik für Dich die Bilder von den Visionen malt, die ich beim Songwriting hatte, dann bist Du in der richtigen mentalen Reise. Dinge in Dir werden sich bewegen, von denen Du nicht wußtest, dass es sie gibt. Du hast Recht, die Aufnahmen fanden in zwei verschiedenen Perioden unserer Leben statt. Einige Songs wie „Damien“, „Moonshine“, Wedding In Horror“, „Your Laying Body“ und „Night Hunt“ wurden 1999 komponiert und 2000 in Italien aufgenommen. Das waren die ersten Songs, die wir für DREAMLIKE HORROR schrieben. Diese fanden im folgenden Rahmen statt, daß ich und Aphazel als Paar zusammenlebten in einem entlegenen mittelalterlichen Viertel einer kleinen Stadt wohnten, welches bekannt dafür ist, dass es dort spukt. Die kleine Stadt wurde über eine uralte römische Nekropolis gebaut, nahe der Schweizer Grenze im Norden Italiens. Diese Songs wurden nie veröffentlicht und unterscheiden sich doch ziemlich stark von den neuen. Da einige Leute nach diesen Stücken fragten und sie bisher nicht erhältlich waren, entschieden wir uns, diese ebenfalls auf das Album zu packen. Wir hätten sie modifizieren und verändern können, aber wir entschieden uns dagegen, aus Respekt für die Gefühle und Empfindungen als wir diese erschufen. Die neuen Stücke wurden im letzten Winter komponiert. Ich schrieb und nahm einige Songs selbst in meinem Homestudio in Schweden und Aphazel in Italien auf. Die neuen Stücke wurden individuell getrennt geschrieben, während die alten in Zusammenarbeit entstanden. Heutzutage sind ich und Aphazel kein Paar mehr, wir leben in verschiedenen Ländern mit sehr unterschiedlichen Umgebungen und Lebenssituationen. Wir haben daher entschieden unsere Beiträge zum Album auf einer persönlicheren Ebene beizusteuern.

Endres: Bitte gehe ein wenig auf die Texte ein und beschreibe uns diese.

Deadly Kristin: Die Lyrics sind sehr dramatisch. Es handelt sich hier nicht um Texte, die ich nur schrieb, damit es cool oder dunkel klingt, wie es viele Bands machen. Ich erleidete jedes einzelne Wort, das ich schrieb und sang. Ich schreibe für mich selber und ich schreibe zu jeder Zeit. Es war hart für mich, diese Texte für ein Album zu benutzen, welches auf den Markt gebracht wird. Da ist so vieles von mir in diesen Texten, dass ich mich nackt und exponiert fühle. Es war, als ob ich einige Teile meines Herzens öffnen und enthüllen würde. Als ob ich andere unbekannte Leute ansehen würde und vielleicht richten würde, welche denken dass Sie alles über mich wüssten aber in Wirklichkeit nichts wissen. Ich benutze DREAMLIKE HORROR als Therapie für meine eigenen Depressionen. Ich schreibe über Visionen, die ich habe (Ich bin eine echte Visionärin!), über Träume, über Ängste, über meine Obsessionen. Auch über Liebe… aber immer auf eine makabre Art und Weise. In meinen Texten finden sich auch viele biografische Details… ich benutze alter ego aber die Songs sprechen alle über mich oder unterschiedliche Seiten meiner Persönlichkeit. Viele von Ihnen erzählen von meinem schlimmen Verlangen nach Selbstmord. Ich bin ein Sklave meiner eigenen Emotionen. Ich fühle mich unwohl, dieser Mensch zu sein. Dieses Subjekt, das Schmerz fühlt, alt wird, geliebte Menschen verliert. Ich kranke am Leben. Es ist, als ob mein Geist nach etwas verlangt, was es nicht in dieser menschlichen Situation gibt. Darum ziehe ich von Land zu Land, erschaffe neue Situationen und zerstöre sie. Ich flüchte vor etwas, was nicht von mir weggenommen werden kann. Ich schaue nach etwas, was ich niemals auf dieser Erde finden werde. Einige Texte handeln auch von Geistern und meinen Erfahrungen mit Paranormalen Experimenten.

Endres: Welche Reaktionen hast Du bisher auf Deine Musik bekommen?

Deadly Kristin: Einige Menschen lieben das Album und halten es für sehr speziell. Ein Album reich von sehr intensiven Momenten. Einige andere fanden es langweilig und wollten mehr Metal hören. Diese Menschen können sich etwas anderes kaufen, wenn sie nicht das Herz und die Sensibilität besitzen, die Texte zu lesen, sich der Musik zu öffnen und in sie einzudringen. Es gibt eine reichhaltige Anzahl an Metal Bands. Und der Grund, weshalb ich und Aphazel dieses Projekt starteten war, etwas tieferes und anderes zu erschaffen als das, was wir normalerweise tun. Ein weiterer wichtiger Grund… dieses Album habe ich für mich selbst gemacht, zu meinem eigenen Vergnügen. Es bedeutet mir sehr viel. Wenn dann jemand sagt, daß die Gefühle und der Schmerz, den ich fühlte (wovon es wirklich genug auf diesem Album gibt) langweilig sind, spricht es für sich selbst. Sollte ich mich um die Kommentare von solchen Leuten kümmern?

Endres: Es war für mich sehr schwierig, beim Review von „Delightful Suicides“ für unsere Leser den musikalischen Stil zu beschreiben. Die Musik sprengt einfach sämtliche Grenzen und kann nicht eingeordnet werden. Wie würdest Du die Musik von DREAMLIKE HORROR beschreiben?

Deadly Kristin: Es ist sehr schwierig es zu beschreiben, da es nicht wirklich in ein Genre passt. Die Musik reflektiert unsere Stimmung und die Atmosphäre, in welcher wir waren als diese erschaffen wurde. Es variiert von Song zu Song. Einige Stücke sind sehr Gothic, einige sind eher wie klassische Musik, einige sind etwas Metal mit einigen Industrial Einflüssen… wieder andere würden auf einen Horror Soundtrack passen. An Instrumenten verwendeten wir Synthesizer, Violinen, Pianos, gespenstische Klänge, Kirchen Orgeln, einige Percussions und Gitarre in wenigen Parts.

Endres: Was sind Deine hauptsächlichen Einflüsse?

Deadly Kristin: Um ehrlich zu sein habe ich, was die musikalische Seite anbelangt, für dieses Projekt nicht nach irgendeiner Inspiration gesucht, es kam einfach aus meinem Inneren. Im Allgemeinen, auf andere Projekte bezogen, ziehe ich Inspirationen für den Gesang von Nawal Al Zoghby, eine großartige Libanesische Sängerin und arabische Musik allgemein.

Endres: Welche Fans möchtest Du mit Deiner Musik erreichen, was für eine Sorte Mensch möchtest Du ansprechen?

Deadly Kristin: Wahrscheinlich Menschen, die sich im Gothic wiederfinden… Menschen mit sensiblem, romantischem Geist, die sich unglücklich mit Ihrem in einem Körper eingefangenem Wesen fühlen. Menschen, die sich von melancholischer Musik und Texten berühren lassen. Menschen, die verhängnisvolle, depressive Musik….Bands wie DEVIL DOLL, LYCIA, DEAD CAN DANCE mögen. Menschen, die Texte genauso wichtig wie die Musik erachten, weil sie total in ein Album eintauchen möchten und nicht nur einfach einen Song oder eine spezielles Riff hören möchten. Emotionale Menschen würde ich sagen… die Kunst leben und nicht blos als eine Form von Unterhaltung sehen. Ich bin nicht an langweiligen und oberflächlichen Menschen interessiert. Mich interessiert es, in Kontakt zu treten mit Menschen, die eine ähnliche Einstellung zum Leben wie ich haben. Solche, die auf die inneren Aspekte von Dingen achten und nicht nach der äußeren Gestalt oder Impressionen richten.

Endres: Bitte erzähle uns die Gründe die dazu führten, dieses Projekt zum Leben zu erwecken. Kannst Du uns bitte die Geschichte von DREAMLIKE HORROR erzählen?

Deadly Kristin: Ich gründete das Projekt um auf musikalische Weise einen Weg zu finden, mit meiner eigenen existenziellen Krise fertig zu werden. Ich dachte, Musik würde mir helfen, die schlechten Dinge in mir nach außen zu bringen, würde mir helfen, mit Ihnen über die Kunst umzugehen. Für mich gab es nie viel Platz in ANCIENT, daher entschied ich mich dazu, mein eigenes Projekt zu erschaffen. So konnte ich mich selbst auf meine eigene Weise ausdrücken. Ich fragte dann Aphazel, ob er mir mit der Musik helfen würde, da er damals die mir am nähesten stehende Person war und er mich wirklich kennt. Er war also die beste Person, mit der ich arbeiten konnte. Er ist ein großartiger Musiker, er versteht mich und ist der einzige, der meine Gefühle interpretieren und an der Erschaffung der richtigen Atmosphäre für DREAMLIKE HORROR helfen kann. Wir begannen mit dem Projekt 1999, allerdings planten wir damals, es für uns selbst zu behalten, da es für mich sehr persönlich war. In diesen Jahren bekamen wir viele Emails von Menschen die daran interessiert waren, die Musik zu hören. Letztes Jahre erhielten wir einen interessanten Vorschlag von Sleaszy Rider Records, also arbeiteten wir weiter daran um „Delightful Suicides“ veröffentlichen zu können.

Endres: Ich habe gelesen, dass Du nicht mehr weiter in ANCIENT involviert bist. Entspricht das der Wahrheit? Was sind die Gründe?

Deadly Kristin: Das stimmt. Ich war gezwungen, die Band zu verlassen, als ich mich dazu entschloss, nach Schweden zu ziehen. Meine Rolle bei ANCIENT war auch nicht so wichtig. Ich hatte blos eine Rolle zum Ausfüllen. Sie spielten viele Konzerte ohne mich und alles lief gut. Vielleicht weißt Du auch, dass ich nicht nach Schweden gezogen wäre, hätte man mir mehr künstlerische Freiheit in der Band gegeben. Ich wäre geblieben, wenn ich eine aktivere Rolle gespielt hätte. Als ich nach Schweden zog wusste ich, dass nun alles kompliziert werden würde. So weit weg zu sein würde einige Probleme mit sich bringen in Bezug auf die Teilnahme am Band-Leben. Sie boten mir einen Gastauftritt für das letzte Album an, aber ich zog es vor das Angebot nicht anzunehmen. Ich wollte entweder richtig in der Band sein oder gar nicht. Trotzdem vermisse ich sie sehr stark und ich werde auch weiterhin Ihre Musik lieben. Ich hoffe, dass wir in der Zukunft nochmals vereint sind, wenn auch auf einem tieferen und anderem Level.

Endres: Kannst Du uns bitte Deinen persönlichen, musikalischen Werdegang erläutern?

Deadly Kristin: Ich begann im Alter von 14 Jahren mit einer Schweizer New Wave/Gothic Band namens SOF. Danach war ich Mitglied in einer großen Anzahl von kleinen, regionalen Metal Bands und sang von Black Metal über Heavy Metal bis Death Metal. Diese Bands haben wie es scheint niemals Ihre Garagen verlassen. Sie hatten die Möglichkeiten aber niemals die richtige Einstellung, um es zu schaffen. 1997 traf ich Aphazel und wurde seine Freundin für das folgende Jahr. Kurz nachdem er mich singen hörte befahl er mir, ANCIENT beizutreten. Er fragte nicht einmal, er sagte nur: „Du singst ab jetzt für mich und nächsten Monat gehen wir auf Tour!“. Es war für mich eine Ehre und gleichzeitig eine großartige Verantwortung. 1999, noch während meiner Mitgliedschaft bei ANCIENT, startete ich das DREAMLIKE HORROR Projekt und 2001 ein verrücktes Death Metal Internet Projekt namens FROZEN SOUL. Alle Mitglieder lebten in verschiedenen Ländern und wir sandten uns Files über das Internet. Sogar das Proben, hehehe! Im Jahr 2003 siedelte ich in die USA und stieg in eine großartige, progressive Death Metal Band aus Seattle namens BYAXIS ein. Wir nahmen 4 Songs zusammen auf. Aber dann siedelte ich wieder zurück nach Europa, ich hatte Schwierigkeiten in Amerika, ich mochte es nicht, dort zu leben. 2003 war gleichzeitig auch mein letztes Jahr in ANCIENT. Heutzutage, neben DREAMLIKE HORROR, habe ich noch 2 weitere Projekte. NOCTEM DK hier in Schweden (bestehend aus mir und einem tollen Musiker namens Noctem), in welcher wir Electronic Musik spielen und ANALOGUE FAKIR, ein Sufi Electronic Projekt aus England, in welchem Islamische Einflüsse mit Drum’N’Bass und Electronic Musik gemixt wird.

Endres: Sind irgendwelche Konzerte mit DREAMLIKE HORROR geplant?

Deadly Kristin: DREAMLIKE HORROR sind keine Live Band. Die Musik ist gedacht, um zu Hause in Dunkelheit und kompletter Einsamkeit zu hören, um die richtige Atmosphäre zu kosten. Sollten wir jemals Live spielen möchte ich etwas komplett anderes machen als ein reguläres Konzert. Ich würde gerne in Theatern auftreten und unsere Musik in einem theatralischen Schauspiel präsentieren. Aktuell arbeite ich gerade an einem Skript für einen Kurzfilm, welcher unsere Musik als Soundtrack beinhaltet. Es wäre sehr interessant, wenn wir das in einer dramatischen, theatralischen Form präsentieren könnten.

Endres: Da bin ich echt mal gespannt! Was sind Deine liebsten Horror Bücher und Filme?

Deadly Kristin: Alle Bücher von Stephen King, vor allem „It“ und „Christine“. Was Horrorfilme anbelangt sind es ohne Zweifel Koreanische Filme. Da gibt es eine Firma namens Asian Vision die eine große Anzahl an exzellenten koreanischen Filmen veröffentlicht. Ich liebe sie, da sie eine so total andere Herangehensweise an den Horror haben als wir. Sie benutzen nicht viele Effekte, oder Splatter und Gore. Sie sind sehr elegant und subtil in der Art und Weise, wie sie Unordnung in Deinem Kopf verbreiten. Auch sind sie sehr psychologisch, hinterlassen in Dir einige Ängste, die Du nur schwer wieder los wirst. Zombie Filme mag ich nicht wirklich, ich finde sie zwar amüsant, aber sie bringen mich nicht zum Fürchten, da es zu offensichtliche Fakes sind. Ich fürchte mich eher vor Serienmördern und verrückte Menschen. Dinge, die einem wirklich passieren können, keine furcht einflößenden Monster.

Endres: Eine Frage, die wir öfter stellen: Was bedeutet Metal für Dich?

Deadly Kristin: Metal war das, was mir Kraft und Energie spendete während meiner schwierigen Jahre als Teenager. Er hielt mich ab von den Drogen, Metal ließ mich fühlen wie ein Rebell, der ich auch noch immer bin. Es war meine Leidenschaft, gab mir die Kraft um durch schwierige Zeiten zu kommen, mein Ventil um den ganzen Ärger und Hass rauszulassen, für all das unfaire und hässliche in der Welt.

Endres: Was sind Deine nächsten Ziele?

Deadly Kristin: Weiter Musik zu machen, weiter die Welt bereisen, mich weiterhin zu verlieben und ein höheres und weiseres sprituelles Level zu erreichen, das mir Helfen soll den Tod zu akzeptieren und mein Leben angenehmer macht auf dieser Erde als bisher.

Endres: Gibt es noch etwas, daß Du unseren Lesern mitteilen möchtest?

Deadly Kristin: Ja, besucht unsere Homepage und falls Ihr mögt was wir tun hinterlaßt uns eine Nachricht. Ich bin immer an interessanten Konversationen mit tiefgründigen und intellektuellen Menschen interessiert.

16.08.2005

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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