Endstille
Endstille

Interview

Der überschäumende Erfolg des Black Metals ist längst Geschichte. Als Bands nur gesigned wurden, weil sie im entferntesten Sinne irgendetwas mit Black Metal zu tun hatten, ebenfalls. Trotzdem gibt es immer noch ein paar Bands, die dem guten alten Black Metal die Treue halten. Und damit meine ich nicht den Keyboardgeschwängerten Einheitsbrei, sondern Black Metal in der urigsten Form. Mayhemic Destructor, Drummer der deutschen Band Endstille, fand sich Zeit für ein Interview, welches sehr aufschlussreich über seine Ansichten zur heutigen Metalszene und natürlich zur Band selbst ist.

EndstilleIhr werdet gerne mit dem Vermerk „größte Black-Metal-Hoffnung Deutschlands“ angekündigt. Ist das eher ein Druck auf euren Schultern oder sind solche Aussagen nicht wichtig für euch?

Druck ist es nicht, denn wir machen alles so wie wir es wollen. Wenn es den Leuten gut gefällt ist es bestens, wenn nicht ist es auch egal. Wichtig sind solche Aussagen nicht, bestätigen aber dafür unsere Einstellung zu Endstille und dem Rest der Musikszene.

Glaubt ihr, dass mit Endstille und solchen Bands wie z.B. Negator das alte Black-Metal-Feeling zurückkommt und diese ursprüngliche Form wieder mehr Bedeutung haben wird? Wäre es in euren Augen positiv, wenn dieser Black Metal wieder populärer werden würde?

Black-Metal ist immer ursprünglich. Dieses Keyboardgeschwaller innerhalb der schwarzen Musik ist Gothic-Mucke. Hat also nichts mit Black-Metal zu tun. Das alte Feeling kann man nicht zurückholen, die Zeit dafür ist gewesen, wie man es ja an den ganzen hoffnungslosen Versuchen sieht, das alte Thrash-Feeling wieder aufleben zu lassen. Wir machen unser Ding, ob es nun Old-School ist oder nicht, ist uns egal. Endstille ist Endstille und macht die Musik die Endstille macht. Uns ist es auch egal ob die Musik wieder populärer wird. Die Leute haben die Schnauze voll von diesem ganzen Hochglanzscheiß und orientieren sich wieder um, und wollen back to the roots. Ob wir da mit reingehören, überlasse ich euch.

Was hat es mit der Kampagne gegen Trigger auf sich?

Die Kampagne hat die norwegische Ausnahme Black-Metal Band Koldbrann gestartet. Sind gute Kollegen von uns. Wir haben sie dann gefragt ob wir das übernehmen können und sie haben es natürlich für sehr gut befunden. Warum diese Kampagne? Kann man schnell erklären. Hör dir bloß mal diese ganze Triggerscheiße von Drumsound an, der momentan, besser gesagt schon seit Jahren, in der Metal Szene herumgeistert. Es klingt zwar sauber und fett, aber es ist der totale Beschiss. Man kann einen fetten Drumsound auch ohne Trigger bekommen. Das ist dann die Arbeit des Mischers sich da einen Kopf zu machen, wie er das umsetzten will. Und JAK hat es bestens hinbekommen. Die geile Sau….

Ihr habt euch nicht nur ein Mal vom „rechten Image“ distanziert und darauf möchte ich heute euch gar nicht eingehen. Ist es jedoch wichtig für euch, dass ihr euch davon distanziert oder ist es eher weil solche Anspielungen immer wieder kommen? Könntet ihr euch vorstellen, dass ihr eure Texte etc. ändert, damit solche „Verwechslungen“ nicht mehr passieren?

Warum sollen wir die Texte ändern? Da steht doch nichts Verwerfliches drin. Wir müssen uns immer wieder davon distanzieren, da ziemlich viele Vollidioten uns immer wieder vorwerfen, wir seien rechts. Aber na ja, dazu haben wir, glaube ich, genug gesagt. No politics in Black-Metal….
Änderungen der Lyrics bzw. Cover wegen irgendwelchen dummen Leuten wird es bei Endstille nie geben.

Die Lyrics sind ja nun auch im Booklet abgedruckt. Warum denn nicht alle?

Das sind nur die Lyrics von L.Wachtfels. Er kann sich damit anfreunden seine Texte abzudrucken. Iblis druckt seine Texte nicht ab, da er dazu keinen Bock hat. Warum auch.

Warum ist Lyakon nicht mehr mit dabei? Wird er noch bei Liveauftritten aushelfen oder habt ihr da jetzt nur noch eine Gitarre?

Lykaon ist nicht mehr erforderlich. Ab und zu überlegen wir noch, evtl. wieder einen zweiten Gitarristen aufzunehmen, aber eigentlich wäre auch der nur überflüssig. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass jemand es mit uns lange aushält. Wir sind ein ziemlich eingeschworenes Team, und wenn man da noch jemanden aufnehmen will, wird es schwer für die Person sich zu integrieren.

Ihr habt ja immer noch kein Label und wollt dieses anscheinend auch gar nicht, im Gegensatz zu fast allen anderen Bands. Ist das eure Antwort auf den Kommerz oder warum sträubt ihr euch so dagegen?

Mit Twilight läuft alles bestens. Twilight ist ja auch so etwas wie ein Label für uns. Man kann unsere Scheibe überall bekommen. Wofür brauchen wir dann ein Label. Damit ist doch alles getan. Mehr kann man nicht tun. Wir bezahlen alles selbst und Twilight haut den Kram raus. Wir sind unsere eigenen Herren und keiner funkt dazwischen. Vor allen Dingen ist natürlich auch die räumliche Nähe sehr wichtig.

Ihr arbeitet ja nun mit Shure Shot und Twilight zusammen. Was hat sich da für euch als Musiker geändert? Verläuft diese Zusammenarbeit bisher gut für euch?

Bisher läuft alles bestens. Geändert hat sich nichts, bis auf, dass wir nun täglich irgendwelche Interviews beantworten müssen.

Ihr veröffentlicht jedes Jahr ein Album…habt ihr da nicht dass Gefühl, dass es irgendwann zu gleich klingen könnte, wenn der Abstand zwischen den Alben zu kurz ist oder seht ihr da keine Probleme?

Wir schreiben uns nicht vor, wann die nächste Scheibe rauskommt. Wenn wir genug Material zusammen haben, gehen wir ins Studio. Alle Songs, die wir bisher gemacht haben, wurden auch aufgenommen. Und alles was wir aufnehmen, sind Songs, hinter denen wir alle auch 110%ig stehen. Wem es nicht gefällt, kauft es nicht. Fertig.

„Dominanz“ ist vom Sound her ein richtig dicker Brocken geworden. Denkt ihr, dass SO Endstille klingen müssen oder seid ihr mit dem Sound gar nicht mal so zufrieden?

Der Sound ist fett und JAK die taube Nuss hat ganze Arbeit geleistet. Natürlich sagen wir ihm wie es klingen soll. Aber er kann sich es meistens auch schon vorstellen und deshalb läuft die Zusammenarbeit auch so verdammt gut. Jede Scheibe klingt so wie sie klingen muss. „Frühlingserwachen“ klingt richtig „breit“ und „dick“, während Wintersturm ein einziges Gewitter ist. Genau so war es auch gedacht. „Dominanz“ klingt schön kompakt und wie ein 40-Tonner-Diesel, der direkt über einen rüberrauscht.

Ihr alle in der Band seid keine Jungspunde mehr, sondern schon jahrelang in der Szene aktiv. Was hat sich für euch mit der Zeit verändert und wo seht ihr die wichtigen Punkte innerhalb eurer musikalischen Laufbahn? Hat sich in euren Ansichten viel verändert im Gegensatz zu früher?

Die ganze Metalszene ist wie eine Achterbahn. Es gibt Höhen und Tiefen. In den letzten Jahren überwogen die Tiefen. Hier und da gibt es mal einen Lichtblick. Aber das ist eher die Seltenheit. Ein wichtiger Punkt in meiner musikalischen Laufbahn war das Einsteigen bei Endstille. Endstille war endlich das Ventil für die ganze fehlgeleitete heruntergekommene Musikszene die uns seit Jahren umgab/umgibt. Mit Iblis und Cruor waren genau die richtigen Kollegen dabei und es geht seitdem aufwärts. Unsere Ansichten haben im Gegensatz zu früher doch schon ordentlich geändert. Hat man sich früher noch regelmässig auf neue Releases gefreut, wird man heutzutage mit uninteressanten Releases überschüttet. Die Szene ist gespalten, und wir tragen unseren Beitrag dazu bei, dass es weitergeht. Erst wenn alles im Arsch ist, wird man wissen, das Metal keine Trendmucke ist und eine Szene für sich bleibt.

Das „Bands Battle“ war für euch gleichzeitig die Releaseparty für eure neue Scheibe. Wie verlief der Abend für euch. Konntet ihr das doch recht Death-Metal-mäßige Publikum ansprechen?

Das Publikum in Stavenhagen liebt uns abgöttisch und hasst uns zutiefst. Das ist gut. Bei uns war die Hütte auf jeden Fall von allen Bands gesehen her am vollsten. Wir haben Bier ausgegeben, der Mischer hat (obwohl wir 45 Minuten Soundcheck gemacht haben) uns einen miserablen Bühnensound hingedreht. Besser gesagt, es war eine glatte Nulllinie auf der Bühne. Erst nach dem fünften Song war der Sound in der Halle auch gut. Naja, egal. Wir waren voll, die Leute haben das bekommen, was sie haben wollten, nämlich Bier und Endstille, und der Gig verlief ansonsten sehr gut.
Wollen wir es mal nett ausdrücken, wenn ich den Mischer das nächste Mal sehe, bekommt er ordentlich einen auf die Fresse.

Sind außer dem diesjährigen Party.San noch weitere Konzerte in Planung?

Im September sollen wir noch in Berlin mit den Schweizern von Disparaged und einer dritten Band spielen. Wo das stattfindet, kann ich nicht sagen. Auf unserer Homepage werden wir dann alles bekannt geben wenn es soweit steht. Im Winter ist dann noch eine Tour mit Koldbrann aus Norwegen, Behexen aus Finnland sowie Asmodeus aus Österreich geplant. Wann, was wie und wo weiß noch keiner….

Wie wichtig ist für euch der Kontakt zu anderen Musikern oder Hörern eurer Musik? Einige (Black) Metaller sind da ja eher verhalten.

Wenn wir irgendwo auftreten, saufen wir gerne auch mit den Leuten die da sind. Kontakt haben wir zu den Bands mit denen wir uns gut verstehen. Ausserdem werden auch alle Mails eigentlich relativ fix beantwortet. Sogar Drohungen werden beantwortet, ihr kleinen süssen Wichser……

Habt ihr schon neue Ideen für das kommende Album? Werdet ihr dann auch wieder in JAKs Hell aufnehmen?

Naja. Wir proben, machen Mucke und wenn genug Kram zusammen ist nehmen wir das auf. Keiner von uns weiß wie sich die nächste Scheibe anhören wird, sie wird einfach entstehen. Und natürlich nehmen wir wieder bei JAK auf. Er ist unsere Mischerhure und lässt sich am besten ficken.

Möchtet ihr noch irgendwas loswerden? Letzte Worte?

Gute Nacht und Fuck Hell!!!
Endstille für alle!

26.05.2004

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