Hail Of Bullets
Hail Of Bullets

Interview

Für nostalgisch veranlagte Menschen sind HAIL OF BULLETS ein echter Segen, kann man den schnörkellosen Old School Death Metal des Quintetts, der trotz seiner offenkundigen Rückwärtsgewandtheit jederzeit verdammt frisch und knackig aus den Lautsprechern donnert, doch derzeit berechtigerweise als das Nonplusultra im Sektor "klassischer Todesblei" bezeichnen. Das Kommando über die schwere Artillerie bei den Niederländern hat der vom Schlagzeug-Magazin "Slagwerkwereld" schon etliche Male zum besten Trommler der Benelux-Staaten gewählte Ed Warby (ehemals GOREFEST) – er stand anlässlich der anstehenden Veröffentlichung des wieder einmal verdammt starken neuen Albums "On Divine Winds" Rede und Antwort.

Hail Of BulletsHallo Ed, wie geht es dir? Wie war dein Tag soweit?

Hallo! Sehr entspannt. Wir haben gestern eine Festivalshow gespielt und jetzt erhole ich mich davon und beantworte ein paar Interviews, so wie Dir jetzt.

Dann darf ich Dir zunächst einmal zu „On Divine Winds“ gratulieren. Das Album ist genau wie der Vorgänger ein äußerst starkes Stück Todesblei geworden – und das in einer Zeit, wo man die wirklich guten Death-Metal-Alben schon fast mit der Lupe suchen muss.

Danke! Ich bin extrem stolz darauf und es ist schön, dann solch ein Lob zu bekommen. Wir haben sehr hart gearbeitet, um das aus unserer Sicht bestmögliche Album zu erschaffen. Und Du hast Recht, es gibt nicht annähernd genug guten Death Metal heutzutage.

Hattet ihr euch für dieses zweite Album ein besonderes Ziel gesetzt? Gab es Dinge, die ihr im Vergleich zum Vorgänger anders gemacht habt, anders angegangen seid?

Nein, nicht wirklich. Wir wollten einfach alles an unserem Stil so beibehalten, wie wir es mögen und im Vergleich zum Debüt noch eine Schippe drauflegen, das heißt bessere Lieder, besserer Sound – alles eben noch das kleine Quäntchen besser. Wir wollten keine großen Kurskorrekturen, weil wir alle den primitiven, brutalen und groovigen Death Metal, den wir machen, mögen. Und das wird immer die Hauptzutat bleiben.

Vergleicht man das neue Album aber mit seinem Vorgänger „…Of Frost And War“, so scheint es doch etwas weniger aggressiv und zu sein, dafür auf der anderen Seite mit einem Plus an Atmosphäre ausgestattet. Insbesondere der Gesang wirkt etwas gedrosselt, denn Martin beginnt beispielsweise – anders als auf dem Debüt – keines der zehn Stücke mit einem seiner charakteristischen Schreie. Wie siehst du das?

Nun, ein erstes Album ist wahrscheinlich immer rauer und unpolierter, aber ich denke, dass wir auf „On Divine Winds“ mindestens genauso viel Aggression haben. Es gab jedenfalls keine bewusste Entscheidung, Aggression heraus zu nehmen und bisher denken die meisten Leute sogar, dass die Vocals dieses Mal noch besser und besessener klingen. Ich weiß zudem, dass Martin sie für seine beste Darbietung überhaupt hält.
Was den etwas atmosphärischeren Ansatz betrifft, gebe ich Dir Recht, den haben wir definitiv, besonders bei Liedern wie „Tokyo Napalm Holocaust“.

Da Du das Stück gerade ansprichst: „Tokyo Napalm Holocaust“ – das für mich beste Stück des Albums – und „To Bear The Unbearable“ fangen die gleiche beklemmende Stimmung ein, wie es das großartige „Berlin“ tat. Ihr mögt es also, Alben auf diese Weise zu beschließen?

Absolut! „To Bear The Unbearable“ war das letzte Lied, was wir für das Album geschrieben haben und bevor es existierte, fühlte Martin, dass „On Divine Winds“ noch nicht vollständig war. So aber haben wir jetzt einen passenden Abschluss. „Tokyo Napalm Holocaust“ ist ein sehr visuelles und brutales Stück. Du kannst die brennenden Leichen beinahe riechen …

Wessen Idee war es denn, sich dieses Mal mit dem Pazifikkrieg zu befassen? Übernimmt Martin die ganze Arbeit an Thematik und Texten allein?

Ja, Martin ist unser „Textmeister“ und macht in der Hinsicht alles alleine. Es hat eine Weile gedauert, bis alles geschrieben war, Martin hat stapelweise Bücher gewälzt und sogar für einen Besuch bei der US-Flotte bezahlt, als er in den Vereinigten Staaten war. Der Pazifikkrieg ist weit weniger dokumentiert als der Deutsch-Sowjetische-Krieg, weshalb es schwer war, genug fundiertes Material zusammen zu bekommen. Aber ich denke, dass Martin wieder einmal einen brillanten Job gemacht hat.

Womit wird es denn thematisch weitergehen? Werdet ihr euch anderen Kriegen widmen, jetzt, wo zum Zweiten Weltkrieg alles gesagt scheint?

Wir haben bereits einige Optionen diskutiert, es gibt zahllose Kriege, die man näher betrachten könnte. Solange es Menschen lieben, sich für ein Stück Land gegenseitig abzuschlachten, werden wir genug haben, über das wir schreiben können.

Was würdest Du Menschen sagen, die behaupten, dass HAIL OF BULLETS Krieg und Gewalt glorifizieren?

Ich würde ihnen raten, ihre Köpfe aus ihren Ärschen zu bekommen und unsere Texte zu lesen. Dann wird es völlig offensichtlich, dass wir Krieg und Gewalt nicht verherrlichen. Natürlich ist es gewalttätige Musik, aber ein schneller Blick auf Martins Formulierungen macht seinen und unseren Standpunkt zum Thema klar: Krieg ist eine Grausamkeit. Aber eben eine, die so tief mit dem menschlichen Sein verwachsen ist, dass sie niemals verschwinden wird.

Hast du eigentlich ein Lieblingsstück auf dem neuen Album?

Das ändert sich eigentlich immer, aber ich bin vom Opener „Operation Z“, den es jetzt auch auf unserer Myspace-Seite gibt, besonders angetan, wie auch von „Tokyo Napalm Holocaust“. Es gibt kein Lied auf der Scheibe, das ich nicht mag. Auch das Bonus-Stück „Sugar Loaf Hill“ finde ich so stark, dass es mich doch ziemlich stört, dass es nur auf der Limited Edition sein wird.

Bei welchen anderen Bands bekommst Du denn glänzende Augen? Kannst Du mal einige Deiner derzeitigen Favoriten nennen?

Ich lebe und atme Musik und deshalb gibt es tonnenweise Bands, die ich mag: Aufgewachsen bin ich mit den Klassikern wie JUDAS PRIEST, KISS, QUEEN, RAINBOW, MOTÖRHEAD usw. und ich liebe diese Gruppen immer noch. Aber ich höre natürlich auch neuere Sachen und kaufe um die 15 CDs im Monat, mittlerweile hauptsächlich Doom, Death und Black Metal. CANDLEMASS sind eine meiner Lieblingsbands und auch TRIPTYKON liebe ich, weil sie so nah an den mächtigen CELTIC FROST sind.

Du bist seit über 20 Jahren in der (Death-)Metal-Szene, sahst viele Moden kommen und gehen. Was denkst Du über die heutige Szene und was sind Deiner Meinung nach die entscheidenden Veränderungen im Vergleich zu den Anfangstagen?

Einer der Gründe, warum wir mit HAIL OF BULLETS anfingen, war, dass heutzutage einach zu viel Wert auf Geschwindigkeit und sogenannte „Brutalität“ gelegt wird und eben nicht mehr auf Groove und Songwriting im alten Stil. Die meisten der heutigen „extremen“ Bands langweilen mich zu Tode, aber die Jüngeren scheinen es ja zu mögen. Glücklicherweise sehe ich aber auch viele jüngere Fans bei unseren Konzerten abgehen – das macht Hoffnung!
Generell denke ich auch, dass Metal sehr lebendig ist. Das ist eine gute Sache und es funktioniert auch ohne die Unterstützung des Fernsehens und großer Radiostationen.

Gab es denn einen Punkt in der Vergangenheit, an dem Du müde warst, Death Metal zu machen?

Ja, Ende der 90er Jahre, als GOREFEST auseinander fielen, stand mir die Musik bis oben. Ich habe sogar für einige Jahre kaum Schlagzeug gespielt. Aber wie Du sehen kannst, war meine Metal-Müdigkeit nur temporär und meine Begeisterung kam stärker zurück, als sie jemals zuvor war. Metal ist wahrhaftig etwas, dass man für sein ganzes Leben liebt.

Macht es dich denn traurig, wenn sich das Objekt dieser Liebe verändert? Damit meine ich, dass wir in einigen Jahren aufgrund der Download- und mp3-Geschichte vielleicht keine LPs und CDs mehr haben werden? Oder glaubst Du, dass die Metal-Hörer diesen klassischen Formaten weiterhin treu bleiben werden?

Es ist eine absolute Schande, wie die Leute heutzutage mit Musik umgehen. Mp3 hat eine Berechtigung und einen Sinn, aber der ganze iPod-Trend macht mich in der Tat sehr traurig. Natürlich ist es eine schöne Sache, dass man seine Musik unterwegs auf Reisen immer dabei haben kann, aber das kann niemals das Erlebnis ersetzen, es sich mit einem neuen Album zuhause bequem zu machen und die Musik über eine gute Anlage zu hören. Es gibt immer noch Leute wie uns, die diesen „echten“ Musikgenuss vorziehen, aber wir werden schnell weniger und ich weiß nicht, was in ein paar Jahren sein wird.

So weit sind wir ja zum Glück auch noch nicht. Im November wird es erst einmal im Turock in Essen eine CD-Release-Party für „On Divine Winds“ geben. Was können die Fans erwarten and warum habt ihr euch ausgerechnet für diese Lokalität entschieden?

Es wird eine großartige Mischung aus alten und neuen Stücken geben – und zwar in ohrenbetäubender Lautstärke. Das Turock haben wir gewählt, weil es ein fantastischer Club ist und Deutschland – was die Fans betrifft – für uns mehr Heimat als die Niederlande ist. Wir freuen uns wahnsinnig auf diese Show.

Du hast die Fans gerade angesprochen: In Anbetracht der Tatsache, dass es HAIL OF BULLETS erst seit 2006 gibt, habt ihr einen großen und enthusiastischen Anhang. Was ist deiner Meinung nach der Grund dafür?

Ich denke, dass es unsere geballte Erfahrung aus all den verschiedenen Bands zusammen mit unserer Hingabe an den Death Metal der alten Schule ist. Wir wirken nicht wie eine neue Band, obwohl wir es sind. Wir machen genau die Musik, die wir selbst am liebsten hören, weshalb wir eine echte „Fan-Band“ sind – und keine konstruierte Allstar-Band, deren einziges Ziel es ist, Kohle zu machen.

Auch wenn gerade erst Album Nummer zwei veröffentlicht wird: Habt ihr bereits Pläne für euer drittes Album? Oder wird es in der Zwischenzeit eine wieder EP geben, wie 2009 schon „Warsaw Rising“?

Wir haben schon über beide Optionen gesprochen, aber es gibt noch keine konkreten Pläne. Jetzt werden wir uns erst einmal im Ruhm von neun Monaten extrem harter Arbeit sonnen. Ich habe jetzt vier Alben am Stück gemacht, ohne eine einzige Auszeit, deswegen werde ich den Akku definitiv etwas aufladen müssen.

Dann gutes Gelingen dabei! Danke für deine Zeit und viel Erfolg mit der neuen Scheibe. Gibt es noch etwas, was Du loswerden möchtest?

Danke für das Interview. An die Leser: Macht euch darauf gefasst, erneut von unserer donnernden Kriegsmaschine zerschmettert zu werden!

Galerie mit 6 Bildern: Hail Of Bullets - Way Of Darkness 2011
01.10.2010

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