Harmful
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Interview

15 Jahre HARMFUL. Sieben Alben. Immer noch ein Geheimtipp – den inzwischen auch Flemming Rasmussen und vor allem Billy Gould für sich entdeckt haben. Dessen Label Koolarrow wird sich um eine größere internationale Reichweite bemühen und außerdem wird Billy die Band als zweiter Gitarrist bei Konzerten unterstützen. Termine dafür gibt es zahlreich – von Schwerin, Jena, Cottbus bis Köln, Berlin und London. Davor stellte er sich jedoch zusammen mit Sänger und Gitarrist Aren Emirze (links im Bild) für Gespräche zur Verfügung. Im Büro des Berliner Indie-Labels Nois-O-Lution herrschte auch reges Interesse, denn Presselieblinge sind HARMFUL spätestens seit „Sis Masis“.

HarmfulGroße Namen haben an „7“ mitgearbeitet. Lasst uns erst mal über Flemming Rasmussen reden. Er ist vor allem durch seine Mitwirkung an METALLICA- und BLIND-GUARDIAN-Klassikern bekannt. Warum hat er die neue HARMFUL-Platte gemischt und wie habt ihr überhaupt mit ihm Kontakt aufgenommen.

Billy: Das war ich, weil ich mit Flemming an einem experimentellen dänischen Album gearbeitet habe. Es war sehr interessant für mich, weil er als Metal-Typ bekannt ist, aber eigentlich alles macht und sehr aufgeschlossen ist. Als ich die Musik hörte, dachte ich einfach, dass das eine sehr interessante Kombination sein könnte – und es hat ziemlich gut funktioniert.

Da er so berühmt ist, wäre er normalerweise vermutlich sehr teurer. Oder ist er inzwischen so wohlhabend, dass er sich die Bands aussucht, mit denen er arbeitet?

Billy: Nein, er hat seine eigenen Studios (Sweet Silence Studios in Kopenhagen). Also macht er eigentlich viel dänisches Radio-Zeug und mischt die meiste Zeit kommerzielle Projekte. Aber ich denke, das langweilt ihn auch nach einer Weile und er arbeitet gerne an hartem Stoff, denn daran hängt sein Herz wirklich.

Sicherlich wollen die Leute alles über euer neues Band-Mitglied wissen. HARMFUL haben seit ihrer Gründung in derselben Trio-Besetzung gespielt. Jetzt ist zusätzlich Billy Gould dabei. Ihr habt euch wahrscheinlich besser kennen gelernt, während Billy produziert hat?

Billy: Exakt!

Aber woher kanntest du HARMFUL?

Billy: Wir haben einen gemeinsamen Freund, der Aren meine Telefonnummer gegeben hat. Also hat er mich angerufen.

Das war alles??

Billy: Das war eigentlich so ziemlich alles. (lachen) Wir haben ein paar Mal telefoniert und dann war ich sowieso in Europa, also in der Nachbarschaft, haha, bin aus dem Flugzeug gestiegen, kannte ihn nicht, habe mich in seinem Haus aufgehalten und bin zu den Proben gekommen.

Und warum haben HARMFUL beschlossen ein neues Mitglied in die Band aufzunehmen?

Aren: Nach 15 Jahren und sieben Alben hast du es satt, so viel Verantwortung zu tragen. Und es begann damit, dass Bill live die zweite Gitarre spielen wird, um den HARMFUL-Sound zu unterstützen – damit ich mich mehr auf den Gesang konzentrieren kann, der Sound größer wird. Unser Geschmack ähnelt sich so sehr, dass mir klar wurde, dass es eine nette Erweiterung für die HARMFUL-Sache ist, wenn wir in Zukunft zusammenarbeiten.

Wie macht ihr das dann mit den alten Sachen? Die wurden doch noch auf einer Gitarre geschrieben.

Aren: Nein, nein, auch im Studio habe ich mit zwei Gitarren gearbeitet, sie gedoppelt und solche Sachen. Jetzt können wir auch live noch größer klingen. Ich glaube, das neue Album klingt sehr tief und fett und das können wir dann auch so reproduzieren.

Wie wird eure Zusammenarbeit in Zukunft aussehen?

Aren: Wir planen noch. Billy kam rüber, wir haben an dem Album gearbeitet, wir waren sehr glücklich mit den Resultaten und uns wurde klar, dass wir zusammen auf Tour gehen und abwarten sollten, was die Zukunft bringt. Wir sind also ziemlich aufgeregt über die ganze Situation.

Billy: Ich muss immer noch die Songs für die Tour lernen. Ich würde gerne auch zusammen Songs schreiben, denn ich glaube, da würde cooles Zeug entstehen. Aber ich will der Zukunft einfach offen gegenüberstehen und denke, dass sich die besten Dinge schon ergeben werden. Wir haben jedoch darüber geredet und es ist wahrscheinlich, dass wir ein Album zusammen schreiben werden.

Billy, ist es eigentlich richtig, dass du schon ein paar Mal in Berlin gewesen bist?

Billy: Ja, für gewöhnlich komme ich einmal im Jahr hierher, hänge in Berlin rum – meine Frau mag das. Und ich habe mal eine BEATSTEAKS-Platte produziert, da war ich auch eine Weile hier. Ich kenne die Stadt ganz gut, habe hier viele Freunde.

Lebst du jetzt auch in Deutschland?

Billy: Ich lebe in San Francisco, aber möglicherweise werde ich nach Europa umziehen.

Wie organisiert du das mit HARMFUL?

Billy: Ich übe die Songs zu Hause. Erst kurz vor der Tour proben wir dann zusammen.

Stimmt es, dass du nach FAITH NO MORE nicht mehr auf besonders vielen Konzerten gespielt hast?

Billy: Ein paar einzelne Shows, aber keine wirkliche Tour…

War das ein Grund, warum du bei HARMFUL eingestiegen bist?

Billy: Das war einer. Weißt du, ich bin Musiker – kein verdammter Büro-Typ! Ich sollte spielen, aber ich bin da auch sehr wählerisch und ich mache es nur, wenn ich eine Seele in der Musik finde. Ich kann es nicht nur des Spielens wegen tun.

Billy ist noch mit Koolarrow Records beschäftigt, Aren hat sein Solo-Projekt, aber was ist eigentlich mit Chris und Nico? Sie müssen noch normalen Jobs nachgehen, wenn sie nicht auf Tour mit HARMFUL sind, oder?

Aren: Ja, aber das sind keine feste Jobs. Ich meine, sie arbeiten, um zu überleben, doch ihr Hauptinteresse gilt der Musik. Aber wir arbeiten daran, von der Musik überleben zu können.

Billy: Working on not working! (lachen)

„7“ überrascht, weil es ein sehr pures Rockalbum ist. Nach den ersten Durchläufen scheint es nicht viele Besonderheiten zu geben, die Spielzeit ist mit 35 Minuten relativ kurz ausgefallen und auch Titel sowie Cover sind relativ unspektakulär. Warum sollten sich die Leute trotzdem für „7“ interessieren?

Aren: Ähm, weil es ein gutes Rockalbum ist, hinter dem eine Band steht, die bewiesen hat, dass sie sich entwickeln kann und ihren eigenen Stil hat. Das sollte genug sein. Wir haben keine exotischen Elemente eingebracht, weil es um den Kern geht, um die Musik. Es ist ein nacktes Ding. Ich denke, wenn man den etwas populäreren Weg von „Sis Masis“ weiter gehen würde, würde ich das nicht mehr mögen. Es wäre zu weit entfernt von meinen melancholischen und schweren Wurzeln. Deswegen sind wir in eine andere Richtung gegangen, aber ich denke, es ist ein Schritt vorwärts. Beispielsweise ist ’Elaine’ ein sehr melodischer und tiefer Song.

Ich erinnere mich an das letzte Interview mit Chris und Nico. Damals wurde „Sis Masis“ gerade veröffentlicht und viele vermuteten, dass es zumindest einen kleinen Durchbruch für HARMFUL bedeuten würde. Aber soweit ich weiß, konntet ihr nicht unerwartet viele Platten verkaufen und auch eure Shows in den kleinen Klubs wurden wieder eher mäßig besucht. War diese Situation nicht enttäuschend für euch?

Aren: Ja, auf der einen Seite war es enttäuschend, aber auf der anderen Seite lief es besser als früher. Es war auch ein Geschenk. Auch wenn „Sis Masis“ kein kommerzieller Erfolg war, war das ein künstlerischer Erfolg für uns. Nach „Sis Masis“ haben wir 70 Shows in Deutschland gespielt, da ist es auch normal, dass wir die Promotion nicht so konzentrieren konnten, wie wir das wollten. Wir haben eigentlich jede Platte ganz ordentlich verkauft und immer neue Fans gewonnen, aber es gab halt oft Leute, die sich eine Platte gekauft haben, sich aber dann nicht mehr für die nächste interessierten. Was ich jetzt hoffe, ist, dass bei der neuen Platte alle Leute, die sich alte HARMFUL-Alben gekauft haben, zusammen mit den neuen Fans auf unsere Shows kommen. Und dann bin ich sicher, dass wir viel Spaß haben werden.

18.02.2007

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