Kylesa
Interview mit Laura Pleasants zu "Spiral Shadow"

Interview

Einmal mehr haben KYLESA mit „Spiral Shadow“ gleichzeitig ihre Individualität und Fähigkeit großartige Songs zu schreiben bewiesen. Über das neue Album, die drei Schlagwerker, Hip-Hop und andere Musikstile sprach metal.de mit Sängerin und Gitarristin Laura Pleasants.

Kylesa

Hallo, ich hoffe dir geht’s gut?

Mir geht’s gut, Danke. Wir dümpeln gerade in einem Van über die Straßen und ich versuche dabei, mit meinem Laptop zu schreiben, soweit wie mir das möglich ist. Und unsere Klimaanlage ist gerade kaputt gegangen, ziemlich heftig, da wir gerade durch die Wüste fahren.

Ich gehe mal davon aus, dass du mit den bisherigen Reviews zu “Spiral Shadow” sehr zufrieden sein wirst, oder gibt es schon eine wirklich negative Kritik? Mit eurem Werk bist du doch sicher auch zufrieden, oder?

Bis hierhin sehr gut. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass sämtliche Reviews gut sein werden. Unsere Musik ist nichts für jedermann. Es gibt einen ganzen Haufen Hater da draußen und eine Menge Leute, die zuhause hinter dem Schreibtisch sitzen und Müll reden. Viele Leute versuchen mit ihren Reviews das Fass zum überlaufen zu bringen und gehört zu werden, bis jetzt sind wir aber sehr zufrieden. Das war durchaus eine schöne Überraschung. Insgesamt bin ich überaus zufrieden mit dem Produkt und ich denke, es handelt sich um unser bestes Werk bis jetzt. Ich mag die warme und offene Produktion sowie die Fülle aus Tönen und Dynamiken. Die Fans, die es bisher hören konnten, standen voll drauf, das freut uns natürlich zu hören.

In meinen Ohren folgt “Spiral Shadow” einer logischen Entwicklung nach “Static Tensions”. Gibt es irgendwelche schwerwiegenden Veränderungen oder Neuerungen, die auf eurem Neuwerk zu finden sind?

Die größten Unterschiede finden sich sicherlich im Songwriting und im Gesang. Nicht dass wir uns um 180 Grad gedreht hätten, aber unser Handwerk hat sich definitiv hörbar verfeinert und verbessert. Wir bemühen uns stets darum, uns in vielerlei Hinsicht zu verbessern. So bleibt es für uns immer interessant und fordernd – für den Hörer natürlich auch. Wenn du mit unserem Erstling anfängst und unsere Platten chronologisch durchhörst, wirst du eine Progression feststellen. Ich denke auch, dass unser aktuelles Album eher wächst als ”Static Tensions”. Wo dich die besagte Scheibe sofort umhaut, tut dies “Spiral Shadow” ebenso, ergreift dich aber gleichermaßen und nimmt dich mit auf eine weitaus längere Reise. Alle Songs sind in sich verschieden, gehören aber durch den Fluss und die Bindekraft des Albums zusammen.

Hast du irgendeinen Lieblingssong auf “Spiral Shadow”? Meine Favoriten sind “Crowded Road” und “Don’t Look Back”, die ich jeweils sehr eingängig wie atmosphärisch finde.

Ich glaube bisher habe ich noch keinen wirklichen Favoriten. Vielleicht der Titeltrack, weil er eine persönliche Bedeutung für mich hat.

Ihr benutzt ja nicht unbedingt diesen ultramodernen Saubermann-Sound – keine Frage, er ist recht klar, hat aber immer noch eine gewisse raue Note. Ein wirklich komplett rein gewaschener Sound und Sludge Metal beißen sich irgendwo oder?

Wir versuchen den Sound möglichst organisch zu halten, ich glaube das steht uns am Ehesten. Es ist aber immer gut eine gewisse Rauheit zu behalten.

Wenn du ein Bild malen solltest, was du vor deinem geistigen Auge hast, wenn du “Spiral Shadow” hörst, wie würde das aussehen?

Es wäre sehr farbenfroh, pulsierend und verwirbelt mit einigen Zeichnungen, die Santos für die Platte gemacht hat. Ich sehe ganz unterschiedliche Bilder bei verschiedenen Songs in verschiedenen Situationen. Es handelt sich um eine sehr visuelle Platte.

Welche lyrischen Aspekte verwendet ihr auf “Spiral Shadow” im Wesentlichen und wie sind diese mit dem doch recht interessanten Artwort verknüpft?

Die Thematik der Distanz ist sowohl im Album selbst als auch in gewisser Weise im Artwork eingebunden. Phillip wollte das Thema Distanz als grundsätzlichen Aspekt für die Texte auf diesem Album haben und ich habe zugestimmt. Es gibt viele Assoziationen in dieser Sache, die uns direkt oder indirekt tangieren und reflektieren auf welchem mentalen und physischen Level wir während des Songwriting-Prozesses waren. Eine Definition zu diesem Wort lautet: „Das Außmaß im Raum zwischen Punkten auf einem bemessenem Kurs“. Wir sind einen langen Weg mit dieser Band gegangen und haben unsere eigenen Pfade gefunden. Dort ist die physikalische Distanz in Raum und Zeit, wo wir vor neun Jahren waren, gegenüber dem hier und jetzt. Die emotionale Distanz und deren Wachstum…physikalische Distanz, Wachstum und das Streben nach vorne… all das kommt auf diesem Werk thematisch zusammen. Das Aufsteigen von einem alternden Baum ist zyklisch – Tod und Wiedergeburt – er erfindet sich immer wieder neu. Diese Bilder beschwören eine Bedeutung hinter der Musik und dem Wortschwall der Lyrics.

Auf der einen Seite klingt KYLESA unheimlich simpel, auf der anderen aber auch gleichermaßen so einzigartig, das keine andere Band diese Aura reproduzieren kann? Wo liegt in deinen Augen eure Erfolgsformel?

Ich denke zum Teil hängt das damit zusammen, dass wir an dem Weniger-Ist-Mehr-Prinzip festhalten. Viele meiner Lieblingsbands sind recht einfach gestrickt. Ich finde, dass wir so ziemlich unser eigenes Ding machen und keine andere Band zu kopieren versuchen.

Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Interessenten wissen, dass ihr mit zwei Drummern arbeitet. Wie kam es eigentlich zu dieser Idee und wo siehst du die Vorteile dessen?

Es war eigentlich schon immer unser Plan, mit zwei Schlagzeugern zu agieren, als wir aber die Band im Jahr 2001 gegründet haben, hat das nicht funktioniert. Es hat bis 2005 gedauert, als wir endlich die Gelegenheit hatten, dies zu realisieren. Der Drummer vom Album “To Walk A Middle Curse” hörte auf und wir haben nach einem Ersatz geschaut. Währendessen jammten wir immer mal wieder mit unserem Kumpel Carl, der auch aus Savannah kam und in der Band UNPERSONS spielte. Er ging zur Schule, hat aber gelegentlich noch bei UNPERSONS mitgewirkt. Dennoch hat er auch bei uns mitgejammt, bis wir einen Ersatz gefunden hatten. Wir wussten genau, dass wir Carl gerne fest dabei gehabt hätten, nicht allein da er ein wirklich toller Drummer war, aber er hatte einfach nicht genug Zeit, sodass wir weiterhin munter Leute ausprobierten. Dann haben wir Jeff aus Detroit kennengelernt, der schließlich zum Try-Out kam. Er war wirklich gut und schien willig zu sein, mitzumachen. Wir dachten Carl sollte sich um die Samples und Percussions kümmern, während Jeff das Hauptschlagwerk spielt. Wir haben es so hinbekommen, dass Carl uns begleiten konnte. In dieser Zeit entschieden wir, dass Jeff der Ersatzdrummer werden sollte, da Carl nun Zeit hatte sich Vollzeit um KYLESA zu kümmern. Das waren großartige Neuigkeiten für uns, denn nun hatten wir beide mit ihren Schlagzeugen beim Proben dabei. Jeff war ein bisschen überrascht, denn er wollte “der” KYLESA-Drummer sein, aber es klang einfach so gut, wenn beide spielten, sodass wir zu dem Entschluss kamen, so weiterzumachen. Carl ist nach wie vor der Hauptdrummer, wobei wir bisher einige “zweite” Leute an Bord hatten. Ich denke mal der wesentliche Vorteil von zwei Schlagzeugern ist, dass das Live-Set einfach viel heavier und dynamischer klingt. Wir waren schon immer eine Heavy-Metal-Band und die beiden Drummer konnten das bisher super umsetzen. Mit dem Songwriting hat das letztendlich nicht viel zu tun, denn schließlich wollen wir ja solide Stücke schreiben. Na gut, vielleicht schreiben wir den ein oder anderen Part, um die Drums etwas hervorzuheben, aber das ist nicht unser Hauptziel.

Ebenso habt ihr ja auch drei verschiedene Stimmen. Ich habe in einem anderen Interview gelesen, dass ihr diese Idee dem Hip-Hop entlehnt habt. Mögt ihr den privat Hip-Hop? Was kann man dort realisieren, was im Metal nicht möglich ist und in welche anderen Musikrichtungen tendiert ihr noch?

Wir haben nur noch zwei Sänger. Corey ist nicht mehr für die Vocals zuständig. Zum Hip-Hop, ja gerade die Undergroundseite und der experimentelle Hip-Hop haben viele sehr interessante Schichtungstechniken bezogen auf die Vocals. Das war zweifellos eine große Inspiration für uns…gerade die frühen Releases von ANTICON. Ansonsten lieben wir fast alle Musikrichtungen. Die Skala läuft von Punk, Crust, Metal, Sludge, Doom und Indie über Psychedelic, Electronic, 70er-Rock, Gothic und noch vieles mehr. Ich denke, wenn du wirklich etwas Originelles machen willst, dann musst du auch genrefremde Elemente einbringen.

Zu guter Letzt würde ich gerne noch wissen, ob ihr euch vorstellen könntet mit KYLESA irgendwann mal in den Charts zu landen? Grundsätzlich könnte eure Musik doch für jeden Rock-Fan interessant sein oder?

Oh, wenn ich eine magische Kugel hätte, die mir das verrät…! Ja, aber das stimmt, ich denke unsere Musik könnte vielen Rock-Fans gefallen. Ich denke vieles hängt einfach von der Publikation ab. Die Leute müssen schließlich an die Musik rankommen und diese muss für sie verfügbar sein. In der Vergangenheit war das ein großes Problem für uns, dass wir nie den entsprechenden Background hinter uns hatten und alles alleine realisieren mussten.

Das war es schon! Danke für das Interview und nochmals Glückwunsch für das tolle Album “Spiral Shadow! Die letzten Worte gebühren dir!

Vielen Dank! Cheers!

Galerie mit 22 Bildern: Kylesa - Kylesa - Berlin
11.10.2010

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