Mayfair
Interview mit Sänger Mario Prünster

Interview

Mayfair

Sie waren jung, unbekümmert und hatten vielleicht sogar ähnlich viel Unsinn im Kopf wie wir als das Jahr 1993 geschrieben wurde, dennoch ist es jenen vier Burschen aus dem Ländle binnen kurzer Zeit gelungen den Underground mit ihrem ersten Album aufzumischen wie es zuvor keiner anderen rot-weiß-roten Formation gelingen konnte – und, wie man heutzutage neidlos anerkennen muss – es auch nachher nicht mehr in dieser Form geschehen ist. Besagte Wundertüte wurde auf den Titel „Behind…“ getauft und enthielt sechs edel ausgeführte, aber dennoch von jugendlicher Frische nur so sprühende Kompositionen, die an Tiefgang keine Vergleich zu Genre-Helden des Progressive Metal zu scheuen brauchte und zudem der Band im Nachhinein gesehen gar eine Vorreiter-Rolle einbrachte, da sie englischsprachige Texte mit deutschen kombinierte, was damals fast noch exotisch anmutete.

Zugegeben, eine gewisse Sentimentalität schwingt immerzu in mir wenn der Name dieser Band erwähnt wird, doch seit geraumer Zeit besteht dafür nicht mehr wirklich Bedarf, schließlich sind MAYFAIR schon seit geraumer Zeit wieder vereint (wobei die beiden Originalmitglieder Mario (Gesang) und Rene (Gitarre) mittlerweile von Drummer „Jolly“ und dem früheren PSYCHO HOLIDAY und ART OF FEAR sowie immer noch bei DIVINE TEMPTATION aktiven Hannes am Bass unterstützt werden) und zum anderen erscheint das erwähnte 1993er-Edel-Schnittchen dieser Tage in neu abgemischter Version und mit sensationell üppigen Bonus-Material als Doppel-CD – für Fans ohnehin eine Pflichtveranstaltung und zudem eine geniale Idee um als Neueinsteiger in das Klang-Universum der Band einzutauchen. Worauf sollte ich also noch warten? Was müsste noch weiter geschehen um endlich loslegen zu können?

Eben: Nichts weiter und deshalb gab sich Sänger Mario Prünster die Ehre und Griff bereitwillig und auskunftsfreudig zum Telefon um uns mit weiteren Informationen zu füttern:

Na endlich, sag‘ ich nur, na endlich! Gibt es denn eine bestimmten Grund, weshalb „Behind…“ gerade jetzt neu aufgelegt wird? Das 20-jährige „Jubiläum“ des Albums macht auf jeden Fall Sinn…..

Nein, das war eigentlich gar nicht der Hintergrund! Und auch die Tatsache, dass wir demnächst unser 25-jähriges Band-Bestehen zelebrieren könnte, hat nicht den Ausschlag gegeben. Uns geht es um mehr, in erster Linie aber darum, dass wir uns damit mehr oder „offiziell“ zurückmelden! Zwar sind wir nun seit fast drei Jahren wieder beisammen, bis zu unserem nächsten Album dauert es aber doch noch ein wenig. Mit ein Grund für die Neuauflage war auch jener, dass wir unsere brandneuen Songs in Kombination mit den „Behind..“-Tracks bei unseren Gigs als perfekte Kombination empfunden haben. Somit lag es auf der Hand „Behind…“ abermals in Umlauf zu bringen.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Original-CD mittlerweile ein durchaus gesuchtes Stück Musik darstellt, oder nicht?

Das kommt noch dazu. Offensichtlich dürften sich nur noch ganz wenige Stücke der Original-Ausgabe in Umlauf befinden und ich hab‘ vor einiger Zeit im Internet festgestellt, dass diese um gutes Geld gehandelt werden. Ich selbst besitze nur noch ein einziges Exemplar – von daher erscheint die Neuauflage mehrfach Sinn zu machen!

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Exakt, zumal man ja auch endlich seine abgenudelten Demo-Tapes in Friede ruhen lassen kann, da ihr uns ja auch mit massig Bonus-Material die Ehre erweist.

Hähä, aber nicht nur für all jene, die das „Find My Screams Behind This Gate“-Demo ihr Eigen nennen, werden damit bedient, zusätzlich gibt es auch noch einige weitere Songs, die es zuvor noch nicht, zumindest aber noch nicht in diesen Versionen zu hören gab.

Ich für meinen Teil habe das Gefühl, dass ihr irgendwie einfach eurer Zeit voraus wart – wenn ich mir die weitere Entwicklung der Progressive-Szene so ansehe, empfinde ich immer wieder, dass es auf euren Scheiben – auch auf den im Laufe der Zeit nachgereichten „Die Flucht“ (1995) und „Fastest Trip To Cyber Town“ (1998) – zuvor als „unvereinbar“ geltende Element ein trauter Eintracht zu vernehmen gab. Seht ihr Euch selbst als „Vorreiter“?

Der Ausdruck Vorreiter schmeichelt natürlich sehr und macht uns stolz da wir doch eine gewisse Außenseiterrolle innehatten bzw. haben, die wir aber auch gerne als solche annehmen. Ich weiß aber genau, was du meinst und bin mir auch ziemlich sicher, dass wir als eine der ersten Bands des Genres englische und deutsche Texte gemeinsam auf einem Album hatten. So etwas hatte sich zu jenem Zeitpunkt noch nicht etabliert, sondern war nur im Underground der Gothic-Szene in Gebrauch, von wo aus es „eingeführt“ wurde, wobei ich dabei an Formationen wie GOETHES ERBEN oder dergleichen denke.

In dieser Ecke sollte man sich aber durchaus auch für MAYFAIR interessieren, zumindest auf „Behind…“ lassen sich ja auch jede Menge Elemente davon finden.

Auch diesbezüglich kann ich Dir nur beipflichten, denn die Scheibe hatte auf jeden Fall eine Gothic-Schlagseite, die jedoch von Songs zu Song unterschiedlich ausgeprägt war, aber einen erheblichen Beitrag zur atmosphärischen Wirkung hatte. Beim Mastering für die Neuauflage war es uns wichtig exakt jene Atmosphäre, die das Material in seiner ursprünglichen Form hatte beizubehalten und ich denke das ist uns auch gelungen, auch wenn man den soundtechnischen Unterschied durchaus hört.

Das klingt nachvollziehbar und macht zumindest für mich Sinn – eine „Modernisierung“ von MAYFAIR an sich dagegen sehe ich nicht als notwendig, denn wenn ein Begriff für alle eure Tracks zutrifft, dann wohl „zeitlos“.

Danke, so etwas freut uns natürlich. Es ist nicht nur so, dass wir unsere ganz eigenen Definition von Musik wie auch des Sounds unserer Songs haben, wir sehen auch keinerlei Bedarf uns in irgendeiner Form „verbiegen“ lassen zu müssen. Klar, wenn man als 20jähriger Jungspund die Chance erhält mit seiner Band in einem unglaublich weit entfernten Ort zu spielen nimmt man gerne die Kilometer in Kauf um dann vor einer verschwinden geringen Zuschaueranzahl aufzugeigen, doch ganz ehrlich, so etwas lassen wir lieber bleiben. Wir nehmen uns die Freiheit für uns alleine zu entscheiden, was für den Band gut ist und welche Gigs wir absolvieren möchten. Es mag verwegen klingen, aber um das kommende Album werden wir uns auf unsere ganz eigene Art und Weise kümmern.

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Dadurch wächst meine Neugier auf dieses kommende Teil noch viel, viel mehr – also, schieß mal los: Was haben wir zu erwarten?

Aus musikalischer Sicht darf man eine Art „Behind…2013“ erwarten, wobei es weniger verspielt, sondern stattdessen ziemlich roh und kompromisslos zugeht. Nicht zuletzt durch unsere bisherige Live-Erfahrung denken wir damit auch nicht ganz falsch zu liegen, denn zumindest auf der Bühne hat das Zusammenwirken der neuen und alten Tracks perfekt funktioniert. Zwar haben wir mit keiner bestimmten Intention mit dem Schreiben von neuen Songs begonnen, doch je länger wir uns damit beschäftigt haben und je tiefer wir in die Materie quasi „versunken“ sind, umso stärker kam das Feeling von „Behind..“ in uns hoch. Auch was die Texte betrifft ist es jene Richtung, wobei ich zugeben muss, dass es sowohl extrem aggressive und anklagende Texte gibt, als auch einfühlsame. Momentan sind wir damit beschäftigt die Aufnahmen fertigzustellen und im April geht es dann ins Studio unseres ehemaligen Schlagzeugers „Little“ zum Mastering.

Den Großteil der Arbeiten für das Album übernehmen wir in Eigenregie, wobei wir auch für später erst am Überlegen und Ausloten sind, wie wir das Album dann in Umlauf zu bringen versuchen werden. Momentan verhandeln wir noch mit zwei Labels die in unserer engeren Auswahl stehen, wobei es uns wichtig ist, dass wir alle Freiheiten behalten können, denn auch darauf, dass uns jemand dreinredet, können wir gut und gerne verzichten. So etwas ist uns leider bei den späteren Alben einige Male passiert, doch mittlerweile wissen wird, dass es immer noch die ideale Lösung für MAYFAIR, so viel wie nur möglich ganz für uns alleine entscheiden zu können. Das mag zwar nicht immer auf Verständnis stoßen, für uns aber steht fest, dass eine solche Herangehensweise einfach die ideale ist. Deshalb werden wir uns im Herbst, wenn es dann so weit sein sollte, dass wir das neue Album draußen haben, auch zur CD-Präsentation erneut nach Griechenland begeben, denn dort tobt der Mob wenn MAYFAIR in der Nähe sind! Um sich ein Bild davon machen zu können haben wir auf unserer Website einige Live-Mitschnitte aus dem Vorjahr als Videos verewigt – Werft einfach mal einen Blick darauf!

Das tun wir gerne und immer wieder – zunächst einmal bis 5. April, denn da erscheint die Neuauflage von „Behind..“ und danach wohl auch wieder einige Zeit, denn bis zum Herbst dauert es ja doch noch ein Weilchen….

01.04.2013

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