Monolord
"Ich habe dein Eindruck, wir haben den "Point Of No Return" bald erreicht oder sind vielleicht sogar schon drüber..."

Interview

Die Schweden MONOLORD können seit den 2010ern bei ihren Fans mit ihrer fuzzigen Urgewalt punkten und sind seitdem auch viel getourt. Die Musik hat sich trotzdem spürbar weiter entwickelt. Das hat durch Inkorporieren psychedelischerer Passagen und dem feinen Einstellen in der Songwriting-Maschinerie Kollegen Mildner auf ihrem letzten Album „No Comfort“ dann auch nachhaltig beeindruckt. Drummer und Produzent Esben Willems stand uns bestens aufgelegt zu ihrer neuen Platte „Your Time To Shine“ Rede und Antwort.

Konzertfoto von Monolord - Kadavar Tour 2018

Monolord – Kadavar Tour 2018

metal.de: Hi Esben, wie geht es dir?

Esben Willems: Mir geht’s gut, ich hab meinen Kaffee, sitze im Studio und werde heute noch ein paar andere Bands mastern, alles prima!

metal.de: Nun einmal zur dringensten  Frage: Was ist das denn für ein armes Kaninchen da auf dem Cover?

Gute Frage, ich weiss nicht wem das Kaninchen gehört. Der Künstler nennt sich Sin-Eater und kommt aus England. Das ist eigentlich überhaupt nicht der Stil von Coverartworks, den er normalerweise sonst so macht, das geht eher in Richtung mittelalterliches Zeug, interpretierte Sternzeichen, komische Sachen und so. Aber plötzlich haben wir bemerkt, dass er sehr viele Fotos postet, denn wir folgen ihm schon seit Jahren auf Social Media. Wir sind große Fans und dachten, das ist perfekt. Mir hat es anfangs nicht wirklich gefallen, ich mochte das Foto, aber hielt es nicht für passend zum Album.

Das hat sich mittlerweile geändert. Also haben wir ihn kontaktiert und er hat uns erlaubt, es zu verwenden. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich habe keine Ahnung wem das Kaninchen gehört (lacht). Vielleicht von seinen Kindern? Armes Kaninchen jedenfalls, sieht nach einem Haustier-Begräbnis oder so aus.

metal.de: Es ist jedenfalls nicht „Your Time To Shine“ für dieses Kaninchen.

Esben: Ja, sicherlich, aber das macht diesen Kontrast aus Titel des Albums und Bild ja so toll.

metal.de: „No Comfort“ hat damals ja ein Stück weit mehr melodische und psychedelische Elemente in euren Sound gebracht, auch wenn die eigentlich schon punktuell seit „Vaenir“ bei euch mit drin sind, allerdings nicht so ausgearbeitet. Ich finde das neueste Album von euch „Your Time To Shine“ behält einerseits den Pfad vom Vorgänger ein wenig bei, ist aber wieder etwas songfokussierter und einfacher geworden. Würdest du dem zustimmen?

Esben: Wenn du das so hörst, super (lacht). Ich verstehe wenn Leute so reagieren. Als wir „Rust“ veröffentlicht haben bekamen wir auch solche ähnlichen Reaktionen: „Was zur Hölle ist das? Klingt komplett anders als alles was MONOLORD vorher gemacht haben!“ Ich finde, wir klingen gar nicht so anders, es war für uns nicht wirklich ein Ausbrechen. Ich war ein wenig überrascht, nicht in einer negativen Art und Weise, jeder bewertet Musik anders, aber ich selber konnte mit dem Gefühl nicht wirklich anfreunden. Aber das Gefühl hatten scheinbar viele Fans. „No Comfort“ war im Prinzip noch mal das gleiche Spiel, Leute sagten wir haben einen weiteren großen Schritt gemacht und klingen anders. Ich kann das nachvollziehen, warum Leute das sagen, aber gleichzeitig finde ich nicht, dass wir uns so drastisch geändert haben.

Es ist nur ein neuer Montag für uns innerhalb der Band (lacht). Für mich ist die Melodie und Melancholie schon bereits in „Empress Rising“ mit drin, wenn auch nicht so prominent. Du musst auch bedenken, wir sind nicht mehr dieselbe Band die wir bei Aufnahme von „Empress Rising“ waren. Wir haben uns weiterentwickelt, sind durch die Welt getourt, durch Dick und Dünn gegangen,  haben dadurch viel gelernt und sind auch einfach ein eingespielteres Team geworden. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Musik aus. Ich sollte vielleicht sogar sagen, im besten Fall sollte das sich auch auf die Musik einer Band auswirken. Wir stehen alle eigentlich ziemlich unter Strom und arbeiten konstant an irgendetwas und Ideen sind da immer willkommen, egal wie sehr die vom wahrgenommenen „Weg“ auf dem wir uns musikalisch befinden vielleicht auch abweichen mögen.

Ich glaube wir haben kollektiv als Band eine Vorstellung davon, wie wir klingen müssen und damit meine ich nicht, wir benötigen dieses Fuzz-Pedal und müssen diese Einstellungen für den Amp verwenden, sondern mehr der Vibe, der ensteht. Alle von uns sind wirklich interessiert an schwerer, extrem verzerrter, aber auch grooviger Musik, probieren aber auch Nuancen anderer Stile zu inkorporieren. Ich hoffe zumindest, dass uns das gelingt. Ich mag diesen melancholischen Part persönlich auch sehr gerne. Wenn Thomas mit Riffs ankommt, bringt mich das manchmal schon zum Weinen. Und es kontrasiert auch wunderbar, gefühlvolle Parts mit diesen in den Magen gehenden schweren Passagen, die fast in Richtung Höhlentroll gehen, zu kombinieren.

Ich persönlich hab eine genaue Vorstellung davon, was MONOLORD ist. Und da sind wenig Grenzen. Es gibt welche, aber es sind wahrscheinlich weniger, als Leute denken.

metal.de: Drummer sind zwar nicht gänzlich unbekannt als Produzenten, aber doch im Metal schon eher selten. Korrigier mich wenn ich falsch liege, aber du hast so ziemlich alle MONOLORD-Alben seit Beginn aufgenommen, gemastert und gemixt und übernimmst das auch für viele andere Bands mittlerweile. Wie ist es dazu gekommen und denkst du, dass du als Drummer einen speziellen Blick oder eine spezielle Vorgehensweise hast im Gegensatz zu etwa einem Gitarristen?

Esben: Nein, nicht ganz richtig! Wir haben alle immer zusammen produziert, es ist eine kollektive Arbeit gemeinsam als Band. Das haben wir schon immer so gemacht, wir sind alte Leute und arbeiten seit den 80ern so, als wir in anderen Bands waren und es MONOLORD noch gar nicht gab (lacht). Manchmal treffen dann sehr dickköpfe Meinungen aufeinander und es gibt Reibungen, aber ich glaube insgesamt ist es zum Besten. Wenn du auf das Mixing anspielst, ja, da bin ich tatsächlich fast immer für zuständig, aber die Produktion ist definitiv ein Gemeinschaftsprojekt. Abgesehen von „No Comfort“, wo wir einen Typen namens Kim Gravander dabei  als Co-Produzent hatten und auf „Your Time To Shine“ mit Kalle Lilja für die Drums, hab ich sonst alles gemacht.

Die Drums wurden sogar in meinem Studio aufgenommen (zeigt hinter sich, Esben Willems betreibt das „Studio Berserk“ – Anm. d. Redaktion), aber bei Kalle gemixt. Das neue Album von uns war sogar das erste Album, was wir hier aufgenommen haben. Es war mit Kalle einfacher, ich konnte mich aufs Spielen konzentrieren und er aufs Knöpfchen drücken, das nimmt etwas Druck raus und ich kann mich auf wichtigeres konzentrieren. Aber ja, ich habe alle Alben gemixt und die meisten auch gemastert.

Galerie mit 16 Bildern: Monolord - Support von Kadavar in Berlin 2018

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Quelle: Esben Wilems (MONOLORD) / Petting Zoo Promotions
30.10.2021

"You can't spell Funeral without Fun!"

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