Potentia Animi
Potentia Animi

Interview

POTENTI ANIMI aus Berlin ist eine der wenigen Mittelalterbands, die mit ihrem Stil noch jemanden überraschen sollten. Eine Mischung aus neuzeitlichen Elementen und klassischen Mittelalterklängen, aus witzigen Texten und viel Spielfreude sollte jeden Mittelalterfetischisten beeindrucken. Der ungekrönte Bandchef Bruder Liebe hat mir ein sehr unterhaltendes Interview beschert, welches ich an dieser Stelle natürlich keinem vorenthalten möchte. Viel Spaß beim Lesen.

Potentia AnimiMoin! Ich konnte leider bei eurer Listening Session vor zwei Monaten nicht dabei sein. Was habe ich eigentlich verpasst?

Hmm nichts!

Gar nichts verpasst?

Du musstest keine Knoblauchzehe essen, keine Gurke, keine Zwiebel und keinen Käse. Du wurdest nicht beschimpft, wurdest nicht gegeißelt, warst nicht betrunken und musstest also nicht am nächsten Tag mit einem schweren Kopf aufstehen.

Mist. Ok, um es gleich am Anfang zu klären: Welche Frage sollte ich dir lieber nicht stellen?

Ähm ähhhm … die doofe!

Gut. Dann merke ich halt an, dass sich euer Song „Viva La More“ fast haargenau so anhört, wie „No Limit“ von 2UNLIMITED!

Hahaha … das haben wir heute auch bemerkt. Da fehlt nur ein Ton oder so.

Ich habe erst geglaubt, es handle sich hierbei um einen Coversong, doch dem war nicht so.

Nein. Es ist ja so, dass die Melodien vornehmlich von Bruder Nachtfraß gemacht werden und der macht ja nur das, was der Herr ihm eingibt. Und der Herr ist wahrscheinlich auch schon senil und hat es vor zwanzig Jahren auch 2UNLIMITED eingegeben.

Falsch! 1993.

… und jetzt halt Bruder Nachtfraß. Darf man ja. Man wiederholt sich ja auch mal.

Nicht, dass die Band ankommt und Kohle sehen will.

Das kann passieren, aber wir haben das Lied schon 1967 geschrieben!

Ach ja, da war ich noch etwas jünger – minus sechszehn Jahre um genau zu sein. So, die nächste Frage ist etwas plakativ. Braucht die Welt eine neue/weitere Mittelalterband?

Die Welt braucht immer neue Bands. Eine neue Mittelalterband braucht sie vielleicht nicht, aber sie braucht die Brüderschaft, weil wir bringen ja das Gute unter die Menschen.

Ihr seid also eine Brüderschaft? Kommt mir ein bisschen homoerotisch vor! Wie geht ihr denn mit dem Keuschheitsgelübde um?

Keine Ahnung. Das ist außerdem egal. Bruderschaft heißt ja nur, dass sich mehrere Menschen …

…Männer…

…Männer… na ja Moment es gibt ja auch gemischte Klöster, wo Brüder und Schwestern zusammen leben, aber das haben wir noch nicht geschafft. Wir würden es sofort machen, doch die Aufnahmeregeln für Novizen sind zu hart.

Wie sehen diese Aufnahmeregeln aus?

Über die Aufnahmeregeln darf nicht gesprochen werden!

Ebenfalls interessant für mich, ist das Frontcover von „Psalm II“. Die darauf abgebildete Nonne sieht aus wie Nina Hagen – das ist irgendwie verstörend.

Das ist Nina Hagen!

Das ist nicht Nina Hagen!

Doch! „Viva La More“ ist von 2UNLIMITED und auf dem Cover ist Nina Hagen – wir klauen nur.

Und außerdem ist sie schwanger. Eine Nonne!

Ja. Du weißt doch Nina Hagen ist verrückt.

Das Problem ist, Nonnen dürfen keine Kinder kriegen.

Ja das ist ein interessanter Einwurf. Also, was sehen wir da? Wir sehen eine schwangere Nonne und da es nicht sein kann, ist es ein …? Wunder! Das ist eine unbefleckte Empfängnis. Nur dann können Nonnen schwanger werden.

Nächstes Thema. Was mir auf der Platte besonders gefällt, ist der Mittelalter-Rap „Qui Per Mundum“. Der Song ist Hammer! Wie kommt ihr auf so etwas Verrücktes?

Wie gesagt der Herr gibt, wir nehmen und setzen um.

Ist der Herr demnach ein HipHopper?

Auch, auch! Wahrscheinlich. Aber es ist nicht nur das oder?

Das frage ich dich – du hast doch einen guten Draht zu Gott und nicht ich!

Wie du sicherlich gehört hast, sind es verschiedene Einflüsse. Und es ist offensichtlich, dass er eine alte Schwuchtel ist – wenn man sich so das letzte Lied („Viva La More“ – Anm. d. Verf.) anhört.

Wie allgemein bekannt ist, seid ihr Mönche gebildet. Habt ihr auch eine Art Lehrauftrag mit eurer Musik?

Sendungsbewusstsein meinst du?

Nein Lehrauftrag. Aber wenn du es Sendungsbewusstsein nennen möchtest, bitte!

Ok! Ja, haben wir. Wir sind für das Gute … und Frieden!

Frieden? Ihr Hippies!

Hahaha genau!

Kann ich daraus schließen, dass ihr nicht katholisch seid, sondern protestantisch? Protestanten sind ja sozusagen die Hippies unter den Christen!

Nein. Wir haben einen Mormonen, der mit mehreren Frauen verheiratet sein darf, dann haben wir einen Sophisten, der Indischem zugetan ist und wir haben natürlich auch einen strengen Kommunisten.

Ach, ist Kommunismus auch eine Religion? Wird aber nicht wirklich praktiziert.

Nein, das ist gerade unmodern.

Richtig! Was sind eigentlich so die irdischen Vergnügen/Laster eines Mönchs?

Geißeln! Aber ich sage es mal so, es gibt keine Laster, weil wir uns geißeln. Damit kann man alles austreiben – ein Laster ist also nur etwas, wovon man nicht mehr loskommt.

Frage geklärt. Wie sieht eigentlich euer durchschnittliches Publikum aus?

Hoffentlich hübsch!

Frauen?

Alle!

Also doch homoerotisch!

Looogisch! … Was sollen wir denn auch machen so unterwegs auf Tour.

Aha! Themenwechsel. Wir haben in Berlin eine sehr aktive Mittelalter-Szene. Hier sind u.a. IN EXTREMO und CORVUS CORAX daheim. Warum ist Berlin da so aktiv?

Ich glaube es hat nichts mit Berlin an sich zu tun, sondern damit, dass sich in Berlin allgemein viele Bands tummeln. Es gibt ja auch in Süddeutschland viele Mittelalterbands – tritt partiell auf, wie Seuche!

Hat die DDR-Vergangenheit vielleicht damit was zu tun?

Ja, die DDR steckt noch allen in den Knochen – das war ja im Prinzip Mittelalter.

Wenn man schon nicht verreisen durfte, außer natürlich in die Warschauer Pakt-Staaten, dann verreiste man halt in andere Zeiten!

Ja, richtig! Richtig! Gut! Schön beobachtet! Das war eine Art Freiheit, das stimmt. Man konnte sich im Osten über diese Mittelalter-Schiene etwas gehen lassen, Dinge tun, die man sonst nicht tun durfte UND man hat dafür noch Geld bekommen – das war ja der Wahnsinn!

Ist dieses Rebellische bzw. die Freude bei den Leuten weniger geworden?

Na ja, es gibt diese puristischen Mittelaltermärkte, die so ein bisschen anstrengend sind – von den Betreibern her.

Zu kommerziell?

Kommerziell ist nicht da Schlimmste. Viel schlimmer ist dieser Anspruch, unheimlich authentisch zu sein und zu sagen „Das war jetzt aber nicht Mittelalter!“. Es weiß sowieso keiner mehr, wie es war. Und auch die Sprache ist nicht die, die gesprochen wird. Diese Leute sind ein bisschen anstrengend – und das war im Osten nicht so! Die hat es einfach nicht interessiert. Es gab keine Art Polizei, die gesagt hat „Das geht jetzt aber nicht!“. Man hat einfach Spaß gehabt. Und wenn zwischen dem ganzen Holz und Leder ein Kunststoffteil war, war das nicht das Schlimmste. Und im Osten konntest du noch Hexenverbrennungen machen und das geht jetzt nicht mehr, weil die Feministinnen dann immer im Weg rumsitzen oder demonstrieren. Und dann kommt die Kirche mit dem erhobenen Zeigefinger gleich wieder, wenn du so etwas nachspielst.

Schon einmal Probleme mit der Kirche gehabt?

Nein, wir nicht. Wir sind ja dafür! Wir sind die Guten.

Und was sagst du zum Papst?

Der ist klasse, obwohl er es uns ganz schön schwer macht, weil er die Homosexualität öffentlich verdammt. Kein Kleriker darf homosexuell sein, aber das ist in dem Sinne ja nicht schlimm, denn es war ja früher nicht anders. Er hat es halt öffentlich verkündet und man will ja glänzen und ist bemüßigt zu beweisen, dass man nicht homosexuell ist.

Richtig! Die am lautesten schreien …

Wie soll man es denn auch anders machen? Wie sollst du beweisen, dass du nicht homosexuell bist – durch permanentes Rumpoppen mit irgendwelchen Frauen, was bei ihm ja schlecht geht.

Ähmm Themenwechsel. Ihr habt ein „neues“ Label. Staupa Musica. Wie habt ihr euch gegenseitig gefunden?

Der Herr hat uns geführt!

Ich merke: Das ist die Standartantwort.

… die haben unsere erste Scheibe „Das Erste Gebet“ im Ausland herausgebracht und haben dann gesagt, dass sie das auch hier in Deutschland tun wollen. Aber der wahre Grund ist ja …

… der Herr?

Nein. … ,dass sie ihr drohendes Ende vor sich sehen, die sind ja nicht die Jüngsten und machen das schon seit vierzig/fünfzig Jahren. Und wenn man sein Leben lang Schindluder treibt und mit Rums-Kapellen durch die Landen zieht, dann landet man in der Hölle! Aber das wollen sie natürlich nicht und tun noch was Gutes – deshalb haben sie uns unter Vertrag genommen.

Du hast gerade erwähnt, dass Staupa Musica euch im Ausland herausgebracht haben. Funktioniert eure Musik denn überhaupt im Ausland? Der deutsche Wortwitz geht ja verloren.

Na ja, funktionieren tun wir schon, aber es verstehen halt nur wenige.

So, letzte Frage. Bist du der Chef der Band?

Nein. Der Chef der Band ist der Herr!

Gut, dann danke ich dir und dem Herrn für dieses Interview und nun darfst du das letzte Gebet sprechen.

Der Friede sei mit dir!

09.05.2006

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