Promethee
Interview mit Bassist Mathieu Tappolet zum Album 'Unrest': "In Kanada wurden wir mit der brutalen Wahrheit konfrontiert, und Kuba hat uns Demut gelehrt."

Interview

Promethee

Wenn eine Platte wie „Unrest“ fast die Höchstpunktzahl einfährt, dann ist ein Interview schon fast Pflicht. Mathieu Tappolet, seines Zeichen Bassist bei PROMETHEE, stand uns Rede und Antwort zu einer Platte, die auf den ersten Blick gar nicht so innovativ erscheinen mag, sich etwas ziert und dann – oder gerade deshalb – enorm fesselnd und spannend ist.

Die fünf Musiker stampften PROMETHEE Anfang 2008 aus dem Boden, von Anfang an mit dem Ziel hart und ernsthaft an der Musik zu arbeiten und so einen Mehrwert für die Metal-Welt zu schaffen. Sänger Joshua Orsi kümmert sich dabei hauptsächlich um die Texte, währen die Gitarristen Ludovic und Elric die meisten musikalischen Ideen einbringen und sich um den kompositorischen Feinschliff kümmern. Bassist Mathieu hat ein Händchen für den organisatorischen und administrativen Teil, während Drummer Nils sich um den Rest kümmert.

Promethee

Der Bandname wurde vom vorausschauenden Menschenfreund Prometheus inspiriert, wobei die Musik auf „Unrest“ alles anderes als erfreut und human klingt, im Gegenteil, es geht durchaus melancholisch und erdrückend zu. Den genauen Bezug erläutert Bassist Mathieu: „In der Geschichte Prometheus‘ möchten wir besonders hervorheben, dass er sich stark machte für die Menschen und es ihm am Herzen lag, sie mit ausreichend Wissen und Informationen zu versorgen. Mit unseren Texten verhält es sich ähnlich, man sollte die Welt so sehen, wie sie ist. Auch über den schlechten Teil sollte jeder ausreichend Bescheid wissen.“ Das Interesse an der dunklen Seite scheint groß zu sein, denn „Unrest“ wurde von Fans und Presse gleichermaßen positiv aufgenommen. Wie es ich für eine ernsthafte Band gehört, setzen sich PROMETHEE natürlich mit negativer Kritik genauso auseinander wie mit positiver: „Die Entwicklung der Band wurde registriert, die schon fast drastische Veränderung, die wir seit unserer ersten EP bis heute gemacht haben. Es ist schön zu sehen, dass die Leute unsere Art uns auszudrücken mögen. Wir haben auch oft gelesen, dass „Unrest“ etwas lang geraten sei und es viele verschiedene Genres zu hören gäbe und die Richtung nicht klar erkennbar und deshalb etwas verwirrend sei. Das war zwar nicht so beabsichtigt, hat uns aber nicht wirklich überrascht, denn das Album wurde über einen sehr langen Zeitraum komponiert und wir haben massiv mit vielen verschiedenen musikalischen Möglichkeiten experimentiert.“

Dass eine Band überhaupt experimentieren kann und sich diese Freiheit noch gönnt, ist bemerkenswert. Es ist deutlich hörbar, dass PROMETHEE jedem einzelnen Musiker sehr viel Freiraum für Kreativität lässt, und genau das sind die kleinen Feinheiten, die „Unrest“ so interessant machen und die es zu entdecken gilt. „Das berührt uns sehr, dass das aufgefallen ist, denn unser Songwriting ist tatsächlich sehr dezentralisiert und läuft wie folgt: Jeder der vier Instrumentalisten erschafft Riffs, Melodien und einzelne Parts daheim und zeigt die dann bei gemeinsamen Treffen der Band. Die meisten Ideen kommen von Ludovic, der manchmal schon komplette Songgerüste mitbringt. Dann arbeiten wir alle gemeinsam daran, die Ideen zu einem Song zu verschmelzen, und erschaffen dabei zwangsläufig auch ganz neue Parts gemeinsam. Während die Instrumentalisten dann schon an der Musik werkeln, beginnt Josh parallel mit den Texten. Dabei gönnt er sich alle Möglichkeiten, die die Musik ihm bietet. So schreibt er einen Text, der zu Musik passt und die richtigen Emotionen transportiert.“ Die Arbeiten für „Unrest“ begannen PROMETHEE Ende 2012, aufgenommen wurde wie eh und je im Conatus Studio in Montreux, wobei Mathieu den Schaffensprozess mit dem Wort „intensiv“ beschreiben würde.

Der Song „Frostbite“ ist einer, der besonders schnell überzeugt. Eine kleine Zeitreise, die den Hörer irgendwo in die Hochzeit von Nu Metal und drückenden Midtempo-Songs katapultiert. Kein richtiger Metalsong im eigentlichen Sinne und noch dazu der erste Song, den PROMETHEE überhaupt für die Platte schrieben. „Letztendlich hat dieser Song vielen folgenden auf „Unrest“ die Tür geöffnet. Die anfängliche Skepsis, da es eben kein Standard-Song ist und auch kein richtig typischer Metal-Song, haben wir schnell verworfen. Er kam ganz natürlich und so entschieden wir uns, zu tun was wir wollen und es mit der nötigen Authentizität darzubieten.“

Promethee

Wer frei sein möchte, muss in der Regel ein gewisses Können im angestrebten Bereich haben. Dass man die auf verschiedene Art und Weise erlangen kann, beweisen die Schweizer. Während Elric und Ludovic sich das Gitarre spielen im Selbststudium aneigneten und niemals Unterricht nahmen, lernte Schlagzeuger Nils schon im zarten Alter von zehn Jahren in einer Musikschule in Genf, was es mit den Kesseln und den Stöcken zu tun gilt. Dieselbe Schule besuchte auch Bassist Mathieu, um den Viersaiter gründlich zu studieren. Auch heute sind einige von ihnen noch neben PROMETHEE in unterschiedliche musikalische Tätigkeiten involviert. Das reicht von Musikunterricht über die Arbeit in Aufnahmestudios, bis hin zu Management von Bands und Show, trotzdem hat niemand der Fünf einen Job mit Bezug zu Musik, der genug einbringen würde, um Miete und Co zu zahlen.

Immerhin hat die Musik sie aber schon weit um die Welt geführt, PROMETHEE konnten schon in Kanada und Kuba auftreten, solche Erfahrungen kann man häufig nicht mit Geld aufwiegen. „Besonders Kanada hat uns bewiesen, wie gut die Voraussetzungen auf Touren durch Europa sind. Dort wurden wir mit der brutalen Wahrheit konfrontiert. Wir kümmerten uns um alles selbst – den vollgepackten Van, unsere Übernachtung, das Wasser auf der Bühne, einfach alles. In Kuba hatten wir eine organisierte Tour, wir mussten nur mit unseren Instrumenten auf die Bühne und uns sonst um absolut nichts kümmern. Was wir aber dort lernen durften, war eher Bescheidenheit. Die Bühnen sind dort nicht so, wie man es hier gewohnt ist, wir hatten keine Highend-Technik, sondern alte und halb funktionale Amps – zu dieser Zeit war Kuba noch komplett unter Embargo. Aber wir sahen, dass die Leute so dankbar dafür waren, dass etwas passierte und ihre Bestes gaben. Deshalb war uns diese eine Show mit einem einfachen Schinkensandwich vor der Show und einem Auftritt mit einem Kabel auch tausendmal mehr wert, als eine Show in Europa unter besseren Bedingungen.“ erinnert sich Mathieu an die Zeit zurück.

Natürlich sind PROMETHEE in erster Linie auch Fans von Musik und somit von anderen Bands. STRAY FROM THE PATHs neue Platte „Subliminial Criminals“ steht hoch im Kurs, und besonders das Longlive Rockfest in Lyon hat Bassist Mathieu in guter Erinnerung. „Wir wurden warm empfangen, vom Publikum und auch von den Organisatoren. ARCHITECTS, BETRAYING THE MARTYRS und TRASH TALK spielten sehr intensive und beeindrucke Shows dort.“ Zu einer richtigen Tour durch Deutschland kam es bisher leider nicht.

Im Oktober werden PROMETHEE zwar BETRAYING THE MARTYRS und THE WORD ALIVE supporten, aber nur eine kurze Spielzeit zur Verfügung haben. Immerhin kündigen sie dafür eine energiegeladene Show mit neuen Stücken von „Unrest“ an. Die Zielgruppe von PROMETHEE fasst Mathieu wie folgt zusammen: „Auch wenn es etwas anmaßend klingt, wenn ich so etwas sage, aber wer etwas Neues und Frisches hören will, sollte „Unrest“ mal hören. Gebt uns eine Chance, befasst euch mit uns via YouTube, Spotify und Deezer, teilt uns unsere Gedanken dazu mit! Wer Bands wie ARCHITECTS, THE DILLINGER ESCAPE PLAN oder WAR FORM A HARLOTS MOUTH mag, der könnte uns mögen, wobei wir nicht bewusst versuchen, wie diese Bands zu klingen. Wir versuchen so authentisch wie möglich zu musizieren und wir selbst zu bleiben!“

Promethee

30.09.2015

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